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Lewis Hamilton ist mit 32 GP-Siegen der erfolgreichste britische Formel-1-Pilot

München - Lewis Hamilton fühlt sich reif für den Titel. Vergangene WM-Finals lassen aber Zweifel an seiner Nervenstärke aufkommen.

Von Stefan Schnürle

Rückblick: 2007 steht Lewis Hamilton in seinem ersten Jahr in der Formel 1 dicht vor der Sensation.

Zwei Rennen vor Schluss liegt der damalige McLaren-Mercedes-Pilot zwölf Punkte vor seinem Teamkollegen Fernando Alonso und sogar 17 Punkte vor Kimi Räikkönen im Ferrari.

Angesichts von 20 maximal zu holenden Punkten ist Hamilton der Titel zu diesem Zeitpunkt fast sicher.

Fehlerkette zerstört WM-Traum

In China scheint er als Führender des Rennens den Titel perfekt zu machen, ehe er auf abgefahrenen Reifen bei der Einfahrt in die Boxengasse ins Kiesbett rutscht und ausscheidet.

Noch schlimmer verläuft für Hamilton dann das letzten Rennen in Brasilien. Nach einem Fahrfehler gleich in der ersten Runde fällt er weit zurück.

Später drückt der damals 22-Jährige auch noch irrtümlich den Knopf für die Startsequenz an seinem Lenkrad und muss das System neu starten, was ihn auf den letzten Platz zurückwirft. Der Traum vom Titel ist zerstört.

Gleich drei Fehler beim entscheidenden Saisonrennen sprechen nicht unbedingt für Nervenstärke.

"Ich bin klüger geworden"

Hamilton ist jedoch überzeugt, dass ihm so etwas heute nicht mehr passiert: "Ich habe seit 2008 viel gelernt, bin älter und klüger geworden. Mein Hunger auf Titel ist aber immer noch der gleiche."

Dass ihm aber in entscheidenden Momenten kurz vor Saisonende immer noch Patzer unterlaufen, hat er erst kürzlich in Interlagos bewiesen. Beim Brasilien-GP verschenkte der Mercedes-Fahrer mit einem Dreher die Chance, seinem Rivalen Rosberg den Sieg noch zu entreißen.

Hamilton fährt auf Sieg

Um Platz eins fährt er nun auch in Abu Dhabi (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), auch wenn ihm Rang zwei genauso sicher zum Titel reichen würde.

"Ich gehe in dieses Rennen wie in jedes andere auch. Ich will gewinnen und habe nie darüber nachgedacht, den Titel nicht zu holen. In Brasilien habe ich einen Fehler gemacht. Das ist für mich aber abgehakt", sagt Hamilton vor dem Titel-Showdown am Sonntag.

Der ehemalige Formel-1-Pilot Alexander Wurz sieht im riesigen Selbstbewusstsein des Briten jedoch die größe Gefahr. "Immer wenn Lewis glaubt unschlagbar zu sein, neigt er zu Fehlern", sagte Wurz zu "Auto Bild Motorsport".

Hill schreibt Rosberg nicht ab

Auch Ex-Weltmeister Damon Hill sieht die Ausgangslage für Rosberg nicht so schlecht.

"Ich denke, es ist immer für denjenigen schwieriger, der in Führung liegt. Der Jäger hat sich mit dem Gedanken einer Niederlage bereits befasst und akzeptiert die Möglichkeit, nicht zu gewinnen. Der andere Fahrer hingegen hat einfach alles zu verlieren", sagte Hill gegenüber "The Independent'".

Im Golf könne man diese Situation oft beobachten. "Du führst vier Löcher vor dem Ende, und plötzlich denkst du darüber nach, was du tust", fuhr der Weltmeister von 1996 fort.

Mit Glück zum Titel

Zur Erinnerung: Auch 2008, ein Jahr nach seinem verlorenen Titel, scheint Hamilton in der entscheidenden Phase der WM nicht ganz bei der Sache zu sein.

Beim drittletzten Saisonrennen in Japan verschläft er den Start und versucht, dies sofort mit einem extrem aggressiven Manöver zu kontern, bei denen er die Konkurrenten von der Strecke drängt.

Dafür erhält er zunächst eine Durchfahrtsstrafe und scheidet später nach einer Kollision mit Felipe Massa sogar aus.

Erneut bringt sich Hamilton damit unnötig in Schwierigkeiten. Beim Saisonfinale verliert er nach einem Fahrfehler zwei Runden vor Schluss Platz fünf an Sebastian Vettel und damit virtuell den WM-Titel.

Hamilton hat jedoch Glück, dass der Regen stärker wird und Timo Glock nicht auf Regenreifen gewechselt hat. Dadurch kann er zwei Kurven vor Schluss den Toyota-Piloten mühelos überholen und doch noch über den Titel jubeln.

In den folgenden Jahren war er bei den WM-Entscheidungen in der der Formel 1 eher Zaungast als Beteiligter.

Bis zum kommenden Sonntag. Dann kann er im Showdown mit seinem Teamkollegen Rosberg beweisen, dass er wirklich klüger geworden ist.

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