München - Der spektakulärste Transfer seit knapp 20 Jahren ist perfekt. Sebastian Vettel wechselt zu Ferrari und erfüllt sich einen Traum.

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Den ersten Blick auf Michael Schumacher in einem Formel-1-Ferrari erhaschte Sebastian Vettel noch auf den Schultern von Vater Norbert.

Knapp 20 Jahre später erfüllt sich der Heppenheimer seinen Kindheitstraum.

Er tritt bei der Scuderia in die Fußstapfen des Rekordweltmeisters der Formel 1.

"Damit wird ein Lebenstraum wahr", sagte Vettel: "Als ich ein Kind war, war Michael Schumacher in seinem roten Auto mein größtes Idol. Jetzt ist es eine unglaubliche Ehre, endlich die Chance zu haben, einen Ferrari zu fahren."

Es sei die richtige Zeit gewesen, sagte Vettel vor dem Rennen in Abu Dhabi. Auch wenn ihm die Entscheidung schwer gefallen sei, "schließlich gehöre ich zur Red-Bull-Familie, seit ich zwölf bin".

Ferrari hat eine magische Stahlkraft

In der Aufgabe bei Ferrari, dem "größten Team, für das man fahren kann", will Vettel sein ganzes Herz hineinlegen. "Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal in dieses Auto zu steigen. Es wird etwas ganz Besonderes sein", sagte Vettel: "Ferrari hat eine magische Strahlkraft."

Vettel ersetzt bei der Scuderia zur kommenden Saison seinen Langzeit-Rivalen Fernando Alonso aus Spanien.

Das bestätigten die Italiener am Donnerstag, nachdem Vettel bereits Anfang Oktober seinen Abschied von Red Bull angekündigt hatte. Der 27-Jährige unterschrieb bei den Italienern einen Dreijahresvertrag.

Dem Vernehmen nach soll der viermalige Weltmeister pro Saison rund 25 Millionen Euro verdienen. Sein Teamkollege wird sein Kumpel Kimi Räikkönen.

Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci setzt große Hoffnungen in Vettel.

Italien zweifelt ein wenig

"Mit Sebastian teilen wir den Hunger nach Erfolg und auch den Enthusiasmus sowie eine starke Arbeitsmoral und Zähigkeit", sagte der Italiener: "Schlüsselelemente für alle Ferrari-Mitarbeiter, um ein neues Kapitel in der Geschichte von Ferrari zu schreiben."

Weniger optimistisch war die erste Reaktion der bekannt kritischen italienischen Presse.

"Vettel ist zwar nicht der beste Pilot der Formel 1, doch nachdem die Beziehung zu Alonso in die Brüche gegangen ist, ist Vettel für Ferrari der einzige wahre Ass, das in der Formel 1 frei war", schrieb die "Gazzetta dello Sport".

Dass es nicht einfach wird, das taumelnde Traditionsteam wieder auf Siegkurs zu bringen, weiß auch Vettel.

Ähnlich wie einst Schumacher wird der 27-Jährige jede Menge Aufbauarbeit leisten müssen, damit die zweite deutsch-italienische Traumehe so erfolgreich wird wie ihre Erstauflage.

Schumacher war zur Saison 1996 nach zwei WM-Titeln mit Benetton zu Ferrari gewechselt, holte mit seiner "Roten Göttin" ab 2000 fünf WM-Titel in Serie für den traditionsreichsten aller Formel-1-Rennställe und baute sich damit ein Denkmal in Maranello.

Seitdem hat die Scuderia ihren Ruf wieder reichlich ramponiert und fährt seit Jahren den eigenen hohen Ansprüchen hinterher. Auch Alonso konnte dem Team nicht den ersehnten ersten Fahrer-Titel nach dem Triumph von Räikkönen 2007 bescheren.

Auf Schumachers Spuren

Die Experten sind skeptisch, ob sich der Erfolg mit Vettel sofort einstellen wird.

"Vettel muss in dieses unorganisierte Team hineintreten, diesen Haufen wieder aufrichten und zurück auf die Siegerstraße führen. Wenn ein neuer Besen kommt, kehrt der immer besser", sagte Ex-Weltmeister Niki Lauda der "Bild": "Jetzt ist Sebastians deutsche Gründlichkeit gefragt. In Maranello fliegen im Moment nur die Spaghetti durch die Luft."

Doch das rote Auto ist immer noch der letzte Mythos der Formel 1. Und damit auch Vettels Ziel klar: Er will Vettel mit Ferrari zur Legende werden.

Denn der Heppenheimer hat trotz seiner Titel durchaus noch etwas zu beweisen.

Der in dieser Saison entzauberte Vorzeigefahrer wurde mit Red Bull zwar viermal Weltmeister, doch die ganz große Anerkennung blieb Vettel verwehrt.

Zu sehr haftete dem Rennstall das Image des neureichen Brause-Teams an, das sich seine Siege erkaufte. Vettel dominiere nur, weil er über Jahre das beste Auto zur Verfügung hatte, hieß es häufig.

Nun also der Schlussstrich: Nach insgesamt 15 gemeinsamen Jahren mit Red Bull, das ihn schon während seiner Kartzeit gefördert hatte, startet der Heppenheimer in eine neue Ära.

Das Ziel lautet Legende

"Aber der Reiz, Ferrari zu fahren, war größer. Irgendwann wurde die innere Stimme immer größer, die nach einem Tapetenwechsel verlangt. Man macht sich darüber dann seine Gedanken, schreibt viel auf", sagte Vettel der "Sportbild".

Es gebe "dann Punkte dafür und dagegen. Letzten Endes haben das Herz und der Bauch den Ausschlag gegeben."

Und die Erinnerung an Michael Schumacher in seiner "roten Göttin".

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