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Faire Geste: Nico Rosberg gratuliert Lewis Hamilton (l.) zum WM-Titel. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Rennen in Abu Dhabi

München - Rosberg verdient sich nach dem geplatzten Traum vom WM-Titel Respekt. Ein Royal adelt den neuen Weltmeister Hamilton.

Von Holger Luhmann

Als die finale Schlacht geschlagen war, stapfte Nico Rosberg ein paar Stufen hoch.

Hinauf zu jenem Raum, in dem der neue Weltmeister auf die Siegerehrung wartete, auf seine Krönung.

Rosberg fasste Lewis Hamilton an den Schultern und gratulierte ihm zu seinem zweiten WM-Triumph in der Formel 1 nach 2008.

"Ich habe Lewis gesagt, dass er ein verdienter Weltmeister ist und dass er den Moment genießen soll", erklärte Rosberg später.

Auch wenn er in Abu Dhabi das Blatt nicht mehr hatte wenden können - Rosberg zeigte Größe.

Seine Geste und Worte waren nicht selbstverständlich nach dieser Saison, in der er sich mit seinem einstmals so engen Freund hartnäckig bekämpft hatte.

Nach diesem acht Monate dauernden, kräfte- wie nervenzehrenden Zweikampf, bei dem die Beziehung der Beiden deutlich Schaden genommen hat.

"Lewis ein kleines bisschen besser"

Am Ende stand Rosberg mit leeren Händen da. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Der Traum, seinem Vater Keke mit 32 Jahren Abstand nachzueifern, blieb für den 29-Jährigen unerfüllt. Nichts war es mit einem dritten deutschen Weltmeister nach Michael Schumacher und dem entthronten Sebastian Vettel.

Und dennoch wirkte Rosberg gefasst.

"Für das Team war es eine grandiose Saison, aber natürlich bin ich enttäuscht, dass es für mich nicht ganz gereicht hat", erklärte der gebürtige Wiesbadener: "Über das ganze Jahr war Lewis in den Rennen ein kleines bisschen besser."

Wolff: "Bittersüßer Moment"

Zumindest erhielt Rosberg Trost und Anerkennung von den Mercedes-Verantwortlichen. Und von Hamilton.

"Nico hat mich unglaublich gefordert", zollte der Brite seinem unterlegenen Rivalen Respekt.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach von einem "bittersüßen" Moment und betonte: "Wir haben zwei fantastische Fahrer. Lewis ist ein verdienter Weltmeister, aber auch Nico wäre ein würdiger gewesen. Deshalb wollen wir bei all der Freude etwas die Balance finden."

Hamilton "wie eine Rakete"

Im Grunde war Rosbergs Hoffnung auf das Wunder von Abu Dhabi schon beim Start verpufft.

Von der Pole aus kam er nicht richtig in die Gänge, Hamilton zog von Platz zwei an ihm vorbei an die Spitze.

Hamilton sprach später vom besten Start seines Lebens. Er habe sich "gefühlt wie eine Rakete".

Dabei war er durchaus mit flatterigem Nervenkostüm in seinen Wagen gestiegen.

"Ich bin um fünf Uhr morgens aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. Also bin ich etwas joggen gewesen und habe über alles Mögliche nachgedacht", gestand Hamilton: "Ich hatte schon Angst, dass ich beim Start todmüde sein würde."

Auto lässt Rosberg im Stich

Doch das Gegenteil war der Fall.

Es war Rosberg, der den Start verschlief. Nach dem Rennen sollte er von einem "ersten Schritt in die falsche Richtung" sprechen.

Es folgten weitere.

Etwa zur Halbzeit leistete sich Rosberg einen Verbremser und verlor weiter an Boden.

Wenig später versagte an seinem Mercedes schließlich das System, das für die Energierückgewinnung verantwortlich ist.

Respekt für tadellose Einstellung

Mit deutlich weniger Leistungskraft als die Konkurrenz wurde Rosberg in seinem stotternden Silberpfeil bis auf Rang 14 durchgereicht.

Dass er nicht aufgab und sich trotz aller Unwägbarkeiten bis ins Ziel schleppte, brachte ihm weiteren Respekt ein.

Für Rosberg selbst war dies aber keine große Sache: "Ich bin ein Kämpfer und möchte immer bis zur letzten Runde Vollgas geben", sagte er.

Prinz Harry als erster Gratulant

Während Rosbergs Ehefrau Vivian in der Box bestürzt die Hände vor das Gesicht schlug, stand Nicole Scherzinger ihrem Lewis in Sachen Geschwindigkeit kaum nach. Flink rannte sie nach dem Rennen zu Hamilton und drückte ihm einen Kuss auf den Helm.

Erster Gratulant war aber Prinz Harry. "Lewis, vielen, vielen Dank, dass du das britische Volk nicht ins Schwitzen gebracht hast", rief der "Royal" Hamilton über den Mercedes-Funk zu und erhob ihn kurzerhand in den Status einer "absoluten Legende."

Hamilton: "Außerhalb meines Körpers"

Mit seinem zweiten Titel zog Hamilton mit den Briten Graham Hill und Jim Clark gleich. Nur der Schotte Sir Jackie Stewart ist als dreimaliger Weltmeister auf der Insel noch erfolgreicher.

Nebenbei bescherte Hamilton Mercedes den ersten Triumph seit 1955 in der Ära des legendären Juan Manuel Fangio.

"Es fühlt sich alles so surreal an", sagte ein zu Tränen gerührter Hamilton, "als wäre ich außerhalb meines Körpers."

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