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Hamilton

Kein anderer Pilot hat den Titel mehr verdient als Lewis Hamilton. Die Frage nach dem besten Piloten beantwortet der Titel nicht.

Elf Siege feierte Lewis Hamilton in diesem Jahr. Bei über der Hälfte der Rennen war er also nicht zu schlagen. Außerdem stand er immer auf dem Podium, wenn er ins Ziel kam.

Wer will also ernsthaft bestreiten, dass dieser 29 Jahre alte Engländer zu Recht Weltmeister geworden ist?

Mehr noch aber als die nackten Zahlen spricht für ihn die Art und Weise, wie er zum Champion wurde.

Er machte dann den Unterschied, wenn es darauf ankam: an den Renntagen.

Er war jedes Mal von Beginn an bei der Sache, egal von welchem Platz aus er gestartet ist. Ob von der Pole-Position oder vom Ende des Feldes, wie in Deutschland oder Ungarn. In beiden Rennen startete er eine gnadenlose Aufholjagd und wurde jeweils Dritter.

Auch in Abu Dhabi beim Showdown mit seinem Mercedes-Rivalen Nico Rosberg hatte er nicht die beste Ausgangsposition. Dazu versuchte der Deutsche gerade nach seinem Sieg in Brasilien immer wieder, Hamilton mit Psychotricks nervös zu machen.

Beim Rennstart aber demonstrierte der Weltmeister von 2008, wie nervenstark er ist. Gnadenlos wie eine Kobra nutze er die Schwierigkeiten seines Konkurrenten auf den ersten Metern, um schon vor der ersten Kurve an ihm vorbeizuziehen.

Das ist es, was einen wahren Weltmeister ausmacht. Nicht die Anzahl an Pole-Positions, nicht die Fähigkeit, allein auf weiter Flur so schnell wie kein anderer eine Runde zu drehen.

Es ist die Qualität, den Gegner im Rennen mürbe zu machen und bedingungslos zu attackieren. So wie es Hamilton schon vor Abu Dhabi so oft praktizierte: in Bahrain, in Japan, in den USA.

Selbst Rosberg musste nach der Entscheidung im Titelduell anerkennen, dass sein britischer Rivale der verdiente Champion ist. In einer sportlich fairen Geste gratulierte er dem neuen Weltmeister als einer der ersten. Und das nach einem völlig verkorksten Rennen, das er nur auf Platz 14 beendete.

Bei aller Huldigung des begnadeten Rennfahrers Hamilton darf aber nicht vergessen werden, dass auch er ohne das mit Abstand beste Material nicht Weltmeister geworden wäre.

Der Mercedes des Jahres 2014 fuhr in einer anderen Liga als der Rest der Konkurrenz. Das schmälert Hamiltons Leistung in keiner Weise. Aber es lässt eben auch keinen Schluss darauf zu, ob er auch der beste Fahrer des Feldes ist.

Um der Beantwortung dieser Frage zumindest etwas näher zu kommen, müssen die technischen Voraussetzungen der Teams in der Winterpause aneinander angeglichen werden.

Der Titelkampf in dieser Saison lebte davon, dass beide Protagonisten mit den gleichen Waffen gekämpft haben.

Unterhaltsamer für das Publikum wäre es allerdings, wenn sich nicht nur zwei Fahrer, sondern auch mehrere Teams auf Augenhöhe begegnen würden.

Mehr Konkurrenz würde in diesem Zusammenhang nicht nur das Geschäft der Formel 1 als Ganzes beleben.

Auch den diesjährigen Dominatoren würde es nicht schaden, im kommenden Jahr ernsthafter gefordert zu werden.

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