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Bernie Ecclestone-Formel 1-Startaufstellung-Red Bull

München - Mercedes konkurrenzlos, Kostenfalle, abwandernde Fans - die F1 hat viele Probleme. SPORT1 sagt, wie Ecclestone reagieren soll.

Es war ein Jahr, in dem die Probleme der Formel 1 so deutlich wie selten zutage traten.

Früh war klar: Weltmeister kann nur einer der beiden Mercedespiloten werden. Ferrari und Red Bull Racing fuhren chancenlos hinterher.

Abseits vom Zweikampf Hamilton vs Rosberg war Spannung Mangelware. Dazu die Pleiten kleiner Teams, verbale Irrläufe von Chefpromoter Bernie Ecclestone und eine wegen der politischen Umstände unrühmliche Premiere des Russland-GP in Sotschi.

Doch, was tun, damit der Rennzirkus wieder richtig rund läuft? SPORT1 stellt sieben innovative Forderungen an Ecclestone:

• An die jungen Fans denken!

Der Macher der Formel 1 muss wieder die ins Boot holen, die die Zukunft sind. Auch für den Motorsport. Schüler, Studenten, junge Berufstätige, wer von denen kann sich denn die teuren Tickets noch leisten? In Hockenheim gab's Tageskarten für Erwachsene zuletzt für 175 bis 525 Euro. Die Königsklasse nur noch für Gutbetuchte? Das kann nicht Ecclestones Ernst sein. Und auch seine Abneigung gegen Social Media sollte er dringend ablegen. Holt er hier keine Fans ab, kann er den Circuit in einigen Jahren dichtmachen!

• Zurück zum echten Motorsport

Früher tummelten sich die Anhänger Zelt an Zelt auf Campingplätzen. Dosenbier, Grillwurst und Stammtischmentalität - das war sie doch, die echte Formel 1. Und heute? Überholmanöver zwischen Kavier und Gucci-Handtäschchen. Zudem müssen die Rennen wieder dahin, wo der Motorsport zuhause ist: Magny-Cours statt Abu Dhabi, Imola statt Katar. Am besten, Herr Ecclestone spricht mal mit den Betreibern von Le Mans. Bei dem Namen kann mancher Fan nachts nicht mehr ruhig schlafen, so aufgeregt ist er.Da standen die Anhänger an der Strecke und haben ihr eigenes Wort vor lauter Motorenlärm nicht mehr verstanden. Heutzutage können sie beim Servicestand auf der gegenüberliegenden Tribüne ein Bier bestellen, so leise schleichen die Boliden an Ihnen vorbei.

• Mann-gegen-Mann

Kommen wir zum Wettkampf. Lassen Sie die Fahrer doch gegeneinander antreten. Tun sie eh schon!? Nun ja, nicht direkt. Mann gegen Mann - das ein Modus. Zumindest im Qualifying. Das gibt's mittlerweile selbst im Slalom auf den Skipisten. Wer nach einer Runde als erster im Ziel ist, kommt weiter. Und so fahren die Piloten im K.o.-Modus die ersten Startreihen bis zur Pole heraus. Im Losverfahren werden sie zuvor einander zugeteilt. Was wären das für Samstage: Sebastian Vettel gegen Nachfolger Daniel Ricciardo; ein Duell der Sterne zwischen Weltmeister Lewis Hamilton und Herausforderer Nico Rosberg.

• Auf zur Reifenlotterie

Auch beim Material haben Sie Spielraum, da wo es nicht sündhaft teuer ist, bei den Reifen. Lieferant Pirelli stellt den Teams vor jedem Rennen Kombinationen aus zwei Mischungen zur Wahl: hart-medium, medium-supersoft oder hart-supersoft. Warum nicht die Teams munter durchmischen lassen? Man denke nur an Zeiten zurück, als Michael Schumacher Rennen gegen Damon Hill gewann, nur weil Reifenflüsterer Ross Brawn ihm in der Box zum richtigen Zeitpunkt die passenden Slicks auf den Boliden ziehen ließ. Das Taktieren wäre neu eröffnet. Am besten über Bordfunk. Aktion folgt Reaktion. Nachteile bei Geschwindigkeit oder Beschleunigung wären ausgeglichen. Schließlich sind die Piloten auf superweichen Reifen bis zu eine Sekunde schneller unterwegs.

• Lasst sie schrauben, wie sie wollen

Zu den Motoren: Der Weltverband FIA wollte vor der Saison die Chancengleichheit erhöhen. Es kam die große Revolution: Der 2,4-Liter V8-Saugmotor hatte ausgedient und wurde durch einen 1,6-Liter V6-Turbomotor ersetzt, es darf seither nur noch einen einzigen Turbolader geben. Frisieren schwer gemacht! Warum nur? Lassen Sie doch so viele Zylinder in ihre Boliden schrauben, wie sie wollen. Ein, zwei, drei Turbolader - das hätte was vom Kinostreifen "The Fast and the Furious". Und es würde auch wieder lauter.

• Verteilt das "Bernie Money" gerecht

Sowas kostet Geld. Und das hat nicht jeder en masse. Mit Marussia und Caterham verzichteten gleich zwei Teams auf den Start in Austin und Sao Paulo. Die Zweiklassengesellschaft muss aber nicht sein, die Gewinne der Formel 1 reichen für alle. Kolportierte 230 Millionen Euro bekam Red Bull Racing für die vergangenen Saison zugeschoben. 220 Millionen sollen es bei Ferrari gewesen sein, beim Weltmeisterteam Mercedes 185 Millionen - Motoren nicht inklusive. Zum Vergleich: Caterham arbeitete mit geschätzten 80 Millionen, Marussia angeblich mit 72.

Als auch bei Sauber, Lotus und Force India die Angst umging, machte Ecclestone Hoffnung: "Wir sollten alle laufenden Verträge zerreißen. Das Problem ist, dass zu viel Geld schlecht verteilt wird. Das ist wahrscheinlich mein Fehler." Richtig: Die Großen dürfen nur etwas mehr als die Kleinen bekommen, das Weltmeisterteam vielleicht 50 Prozent mehr als das Schlusslicht der Konstrukteurswertung. Dann gäbe es auch genug interessierte Rennställe, um eine Auf- und Abstiegsregelung zu initiieren. Dann wäre die chancenlosen Caterham-Boliden weg, ohne dass das Unternehmen pleite ist.

• Holt die Tankstopps zurück

Uns fehlen die schmierigen Tankstutzen und hektisch umher fuchtelnden Mechaniker. Bringen Sie uns die Tankstopps zurück. Die fahren ja nur noch in die Gasse, um sich den Gummi über die Bremsplatten schultern zu lassen. Schön und gut! Aber die Boxenstrategien lassen sich so leicht vorhersehen. Was aber, wenn einer nur halbvoll tankt und befreit über den Asphalt fliegt, während der andere bis zum Rand gefüllt beseelt Runde für Runde dreht? Auf dem letzten Tropfen über die Ziellinie, das ist atemberaubend!

Die Probleme drängen, Herr Ecclestone. Reagieren Sie jetzt!

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