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Daniel Ricciardo raste in Austin auf Platz drei

SPORT1-Experte Peter Kohl glaubt nicht, dass Nico Rosberg dem Druck bis zum Saisonende stand hält. Ein anderer Pilot begeistert ihn - auch wegen seines wagemutigen Barts.

TOPS:

Lewis Hamilton: Das gesamte Wochenende der schnellere und bessere der beiden Titelanwärter, nur in der Qualifikation hatte er Probleme mit den Bremsen an seinem Mercedes. Reitet die Erfolgswelle, wirkt souverän und selbstbewusst. 10 Siege, davon fünf zuletzt in Folge, das ist championlike

Daniel Ricciardo: Start mal wieder verbockt, aber danach ein exzellentes Rennen gezeigt. Dazu wie so oft der sympathischste Auftritt aller Fahrer. Allein für seinen Mut für den Bart, den er in Austin zur Schau gestellt hat, gehört er in diese Rubrik! Der Lucky Luke der Formel 1!

Sebastian Vettel: Rang 7 ist für einen vierfachen Weltmeister sicher kein Highlight. Aber obwohl sein minimalistischer Heckflügel nicht den gewünschten Effekt gebracht hat und die Reifen schnell über den Jordan gingen, ließ sich der Heppenheimer nicht hängen. Was angesichts seines WM-Standes und der Tatsache, dass er Red Bull demnächst den Rücken zuwenden wird, nicht selbstverständlich ist. Er hat gefightet bis zum Schluss. Immerhin.

Lotus: Wo kommen die auf einmal her? Im Freien Training musste man mit Maldonado und Grosjean noch Mitleid haben, wie so oft in diesem Jahr, weil der E22 mal wieder unfahrbar war. Plötzlich packen die im Rennen die große Kelle aus, Maldonado holt trotz zweier 5-Sekunden-Strafen Rang 9 und seine ersten beiden Punkte in dieser Saison! Wäre Grosjean nicht von Vergne in der Schlussphase torpediert worden, könnte die Truppe vielleicht sogar zwei Punkte-Platzierungen feiern. Geiles Comeback.

Jean-Eric Vergne: Der Franzose kämpft wie ein Löwe um seinen Verbleib in der Formel 1, seine Attacken brachten viel Action und Unterhaltung! Für Rang 10 gibt es einen Punkt. Verdient, trotz zweier 5-Sekunden-Strafen. Aber wo gehobelt wird, fallen eben auch mal Späne.

Fernando Alonso und Jenson Button: Überragend das direkte Duell der beiden. So gehen Champions miteinander um! Schade nur, dass ihre Karren einfach nicht mehr hergaben, so dass sie am Ende im Nirgendwo verschwanden.

Austin: Stabile Zuschauerzahlen im hohen Bereich, Wetter, Strecke – die Formel 1 hat offensichtlich endlich eine echte Heimat in den USA gefunden. Die Stimmung war großartig – nur den Astroturf müssen sie ein bisschen besser fixieren, das sah gegen Ende des Rennens am Ausgang von Kurve 19 aus wie auf einem Schlachtfeld.

SO LALA:

Williams: Aus den Startplätzen drei und vier hätte mehr rausspringen können. Die Pace war in der ersten Hälfte des Rennens bockstark, sogar Rosberg musste schwitzen mit den weißen Flitzern im Nacken. Ein verkorkster Boxenstopp bei Massa kostete Rang 3. Während Mercedes und Ricciardo mit Soft /Mittelhart / Mittelhart bestens bedient waren, bremsten die Williams -Strategen Bottas und Massa am Ende ein mit Soft / Soft / Mittelhart. Diese Reifenstrategie war ein Rohrkrepierer. Trotzdem konnte der Vorsprung auf Ferrari in der Konstrukteurs-Wertung ausgebaut werden, weil die Scuderia lahmt.

FLOPS:

Nico Rosberg: Zum neunten Mal in dieser Saison auf der Pole, wieder am Ende nicht Sieger ( wie schon sechs Mal zuvor von der Pole aus). Er scheint dem Druck, gewinnen zu müssen, nicht stand zu halten. Bei der entscheidenden Attacke von Kollege Hamilton kippt er aus Versehen einen Schalter, statt auf den ERS-Knopf zu drücken, der Zusatzschub aus den Energiespeichern fehlte deshalb, eine Gegenwehr war unmöglich. Das sind Fehler, die Titel kosten. Er hat es selber versaubeutelt.

Ferrari: Der F14T ist extrem windanfällig, und Wind gab es in Austin reichlich aus allen Richtungen. Alonso hat brilliant gefightet, Rang 6 ist dafür enttäuschend. Aber die Karre gibt einfach nicht mehr her. Inwieweit der Aufprall von Perez zu Beginn Räikkönens Auto beschädigt hat, weiß ich nicht, aber der Finne rollte völlig chancenlos durchs Rennen. Peinlich.

Sahara Force India: Beide Autos mit frischen Motoren bestückt im Qualifying wieder mal nicht in den Top 10, dazu der zweite Doppel-Ausfall nach Budapest. Der Anschluss an McLaren in der Konstrukteurs-Wertung ist damit futsch. Ein Wochenende zum vergessen.

Sergio Perez: Seine Attacke gegen Räikkönen in der Anfangsphase war völlig durchgeknallt. Der Mexikaner hat damit auch noch Sutil rausgerissen, die erste echte Chance für Sauber auf einen Punktgewinn vernichtet. Übermut tut selten gut – da wollte er vor zahlreichen Landsleuten auf der Tribüne einfach zu viel. Das war hirnlos. Zwei Strafpunkte für die Sünderkartei und die + 7 für die Startaufstellung in Sao Paulo sind vollkommen berechtigt.

McLaren: Bockstark in allen Freien Trainings, plötzlich war im Qualifying und Rennen die Performance wie weggeblasen. Der Reifenverschleiß an den Kisten von Button und Magnussen war extrem hoch, die beiden damit letztendlich chancenlos. Setzen, Sechs. Nachdenken, analysieren, in Sao Paulo besser machen!

Speeding hinter dem Safety Car: Als hätte es den Horror-Unfall von Bianchi in Suzuka nicht gegeben. Vergne, Gutierrez und Maldonado bekommen jeweils einen Strafpunkt fürs Sündenregister, weil sie hinter dem Safety Car zu schnell waren. Lerneffekt offensichtlich gleich Null. Ein weiterer Beweis dafür, dass man den Fahrern durch technische Systeme womöglich die Entscheidung über die Tempofindung abnehmen muss.

Die Formel 1 jagt weiter Richtung Saisonfinale, schon am Freitag geht es in Sao Paulo weiter.

Bis dahin!
Pedal To The Metal,
Ihr Peter Kohl

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