München - McLaren-Honda versucht, den Crash von Fernando Alonso zu verharmlosen. Dadurch macht der Traditionsrennstall aber alles nur noch schlimmer. Das Timing ist sehr unglücklich.

Fernando Alonso lächelt in die Kamera. "Hey, mir geht es gut", scheint der Spanier zu sagen.

Es wirkt allerdings eher wie ein gequältes Lächeln.

Der zweimalige Formel-1-Weltmeister trägt einen weißen Krankenhaus-Kittel, im rechten Unterarm ist der Medikamentenzugang zu erkennen. Der 33-Jährige hebt den linken Daumen. Eine Geste, die Entwarnung geben, gleichzeitig auch Zuversicht zeigen soll.

Doch der Crash des McLaren-Piloten bei den Testfahrten in Barcelona sorgt weiter für Verwirrung, Diskussionen und Spekulationen.

PR-GAU

Und für einen mittleren Super-GAU bei McLaren-Honda selbst. Denn bei der Aufklärung dieses immer noch seltsamen Unfalls hat der britische Traditionsrennstall so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

Angefangen hatte es am Sonntag um 12.34 Uhr, als Alonso eingangs Kurve drei auf dem Circuit de Catalunya von der Ideallinie abkam und links auf den Kunstrasen-Streifen geriet. Sein Auto verlor Traktion, wurde auf die Bahn zurückgetragen, wo die Traktion plötzlich zurückkehrte.

Heftiger Crash an der Mauer

Daraufhin prallte er in die Mauer. Alonso war beim Einschlag angeblich Kräften von mehr als dem 30-fachen der Erdanziehungskraft ausgesetzt. Der Aufprall passierte zuerst mit dem rechten Vorderrad, dann mit dem rechten Hinterrad, der Wagen rutschte danach 15 Sekunden an der Mauer entlang. Parallel wirkten erneut Kräfte von 15g auf Alonso ein.

So weit, so klar.

Doch was danach folgte, spottet jeder Beschreibung. Zunächst schwieg sich McLaren stundenlang komplett aus. Beschwerte sich kurioserweise dann über Gerüchte, die teilweise ins Abenteuerliche sprießten, um schließlich von einem "normalen Testunfall" zu sprechen. Ohne die Gründe dafür zu nennen.

Drei Theorien zum Unfall

Die folgten erst einen Tag später. Inzwischen hatten sich drei Theorien manifestiert: Alonso habe möglicherweise durch einen Defekt am Hybrid-System einen elektrischen Schlag erlitten. Er sei von giftigen Dämpfen der Batterien ohnmächtig geworden, oder aber die Lenkung sei gebrochen.

Alles falsch, angeblich.

"Unseren Daten zufolge war eine Windböe die Ursache dafür, warum Alonso von der Ideallinie geraten war. Wir wollen kategorisch festhalten, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass ein mechanisches Problem am Wagen vorlag. Es gab auch keinen plötzlichen Verlust von Abtrieb, ferner gab es auch kein ungewöhnliches Verhalten der Energierückgewinnung, weder vor, noch nach dem Crash", stellte McLaren klar.

Fernando Alonso Manager Luis  Garcia Abad
Fernando Alonsos Manager Luis Garcia Abad gibt der Presse Auskunft © Getty Images

Windig war es, das ist richtig. Doch dass Sebastian Vettel unmittelbar hinter Alonso fuhr und hinterher erklärt hatte, dass der Spanier ungewöhnlich langsam unterwegs war (angeblich mit 150 km/h), hinterlassen allerdings Zweifel. Und natürlich fragt man sich, wie eine Windböe einen zweimaligen Weltmeister auf die Intensivstation wehen kann.

Zeitgleich zur Mitteilung verbreitete Alonsos Manager Luis Garcia Abad besagtes Foto via Twitter. Irgendwie passt das alles gut zusammen. Fast schon auffällig gut.

Keine Erinnerungen an den Unfall

Auch, dass sich Alonso laut dessen Ex-Teamchef Flavio Briatore wegen seiner erlittenen Gehirnerschütterung an nichts mehr erinnern kann. Denn wer den Spanier kennt weiß, dass er der Letzte wäre, der Vorkommnisse wie diese schön redet.

Das Problem: Verschwörungstheoretiker werden nirgendwo sonst so schnell auf den Plan gerufen wie in der Motorsport-Königsklasse, in der Tarnen und Täuschen zum Alltag gehört.

So wirkt es natürlich schon ein wenig seltsam, dass Twitter-Fan Alonso bislang vollends schweigt, Updates zum Gesundheitszustand nicht vom Krankenhaus selbst, sondern vom Manager verbreitet werden. 

Auffällig ist daneben auch, dass zwar alle Beteiligten davon sprechen, wie gut es dem Spanier inzwischen wieder gehe. Alonso liegt aktuell aber immer noch im Krankenhaus. Und wieder sprießen sie, die Spekulationen.

Keine Eile

"Es geht nun darum, dass Alonso wieder ins normale Leben zurückkehrt. Wenn dazu zwei Nächte im Krankenhaus nötig sind oder drei, dann ist das für uns in Ordnung. Wir wollen, dass die Ärzte alles Notwendige tun, damit Fernando wieder ganz gesund wird. Wir haben kein Eile, das Krankenhaus zu verlassen", ließ Abad am Dienstag verlauten.

Weitere Untersuchungen sollen sicherstellen, dass neben der Gehirnerschütterung keine weiteren schwerwiegenden Verletzungen vorliegen.

Für ihn sei die McLaren-Theorie schlüssig. "Es gab keine Explosionen und auch keine Außerirdischen. Es ist aber auch klar, dass ein Mangel an Informationen vielleicht zu falschen Schlussfolgerungen führt", so Abad weiter. Richtig. Die Wahrheit, am besten so schnell wie möglich, hätte vieles verhindert.

Und so bleibt die Frage, warum es diesen Mangel in der heutigen Zeit überhaupt gab.

Sportliche Probleme

Sportlich hinkt die mit großen Ambitionen gestartete neue, alte Partnerschaft zwischen McLaren und Honda weit hinterher. In den bislang acht Testtagen legte McLaren keine 1000 Kilometer zurück, stattdessen bestimmten Elektronik-Defekte, ein Wasserleck oder generelle Motorensorgen die Schlagzeilen. Mit dem Crash von Alonso als Negativ-Höhepunkt.

Ob Alonso bei den letzten Tests ab Donnerstag ins Auto steigen kann, steht weiter in den Sternen. Ersatz hätte McLaren in den Youngstern Kevin Magnussen oder Stoffel Vandoorne auf jeden Fall am Start. Die Negativ-Schlagzeilen allerdings weiterhin auch.

Denn Fakt ist unter dem Strich: Ein normaler Testunfall sieht definitiv anders aus.

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