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Düsseldorf - Ex-Mercedes-Boss Norbert Haug spricht bei SPORT1 über Sebastian Vettels Wechsel zu Ferrari, die Stärke der Silberpfeile, Reibereien zwischen Hamilton und Rosberg und den deutschen Grand Prix.

Norbert Haug sieht die Weltmeistermannschaft der Silberpfeile auch in diesem Jahr in der Favoritenrolle. "Mercedes bleibt nicht stehen. Ich kenne die Damen und Herren, die da weiterpushen", sagte der langjährige Motorsportchef im Interview mit SPORT1.

Gut einen Monat vor dem Saisonstart mit dem Grand Prix von Australien am 15. März in Melbourne sieht Haug deshalb auch noch Arbeit für Sebastian Vettel beim Rivalen Ferrari, der sich mit dem langjährigen Piloten von Red Bull verstärkt hat.

Der 62-Jährige spricht zudem über Michael Schumachers Anteil an der Erfolgsstory bei den Silberpfeilen, das schwierige Verhältnis zwischen Nico Rosberg und Weltmeister Lewis Hamilton, Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, das Image der Formel 1 -und warum eine Absage für ein Rennen in Deutschland fatale Auswirkungen haben würde.

MIchael Schumacher und Norbert Haug
Michael Schumacher (l.) gab 2010 bei Mercedes sein Comeback in der Formel 1. © Getty Images

SPORT1: Herr Haug, die ersten Tests sind abgespult, die neue Saison steht in den Startlöchern. Wo steht Ihr Ex-Team Mercedes gegenwärtig?

Norbert Haug: Niemand kann die Tests einordnen. Ich denke, dass Mercedes sehr gut aufgestellt ist. Dass da konsequente Aufbauarbeit über Jahre geleistet worden ist. Dass auch Ross Brawn und sein Technikerteam sowie Michael Schumacher in der Frühphase sehr entscheidende Weichenstellung betrieben haben und dass die jetzige Teamleitung das exzellent übernommen hat. Und ich denke, dass der Vorsprung nicht weg ist, sondern gleich groß - vielleicht noch größer. Die Silberpfeile mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg sind mit Sicherheit großer Favorit.

SPORT1: Wie viel Anteil genau hat Michael Schumacher am jetzigen Erfolg?

Haug: Das ist sicherlich nicht in Zehntelsekunden zu bemessen. Aber am Grundsatz, wohin man mit dem Team muss, daran hat Michael ganz, ganz großen Anteil. Da wurden Weichen gestellt. Wichtig ist aber, dass das Ganze aufgegangen ist, dass man es zum Weltmeistertitel entwickelt hat. Da muss man den jetzigen Technikern ein ganz dickes Kompliment machen - das ist blendend gemacht worden. Niki Lauda, Toto Wolff, Paddy Lowe - die ganze Truppe macht das prima. Und Nico und Lewis sind Topfahrer, gehören sicherlich zu den Top 5.

SPORT1: Und warum gibt es in diesem Jahr keine Probleme zwischen Hamilton und Rosberg?

Haug: Ich weiß nicht, ob es nicht doch Probleme gibt. Zwischen Teamkollegen, die Gegner auf der Strecke sind, wird es die immer mal wieder geben. So wie sie letztes Jahr existent waren, ist das kein Problem. Aus meiner Sicht haben sie das gut gelöst – wo gehobelt wird, da fallen auch mal Späne. Das darf auch mal sein. Alles in allem aber zählt der Erfolg: In 19 Rennen hat man 16-mal zugeschlagen, und siegfähig war man in jedem Rennen - das ist schon bemerkenswert.

SPORT1: Wieviel Respekt haben Sie vor Sebastian Vettel und Ferrari?

Haug: Viele erinnern sich gern an die großen Zeiten, als Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes und Michael Schumacher im Ferrari gegeneinander fuhren. Vielleicht gibt es das nun wieder mit Silber gegen Rot. Aber es ist nicht richtig, aus den ersten Testfahrten ein Kräfteverhältnis abzuleiten.

SPORT1: Sie sehen Vettel also noch nicht dort angelangt, wo Mercedes ist?

Haug: Warten wir die nächsten Tests ab. Aber es würde mich wundern, wenn der Konkurrent ohne Weiteres den bisherigen Abstand aufholen würde. Mercedes bleibt nicht stehen: Ich kennen die Damen und Herren, die da weiterpushen.

SPORT1: Wie viele Sorgen machen Sie sich um das Image und die Zukunft der Formel 1?

Haug: Ich mache mir keine Sorgen. Aber es wäre sehr schön, den deutschen Grand Prix zu erhalten. Vor allem aus wirschaftlichen Aspekten. Es geht auch um die Region: Ein Grand Prix macht 30, 40 Millionen Euro Umsatz. Davon leben ganz viele, die Gastronomie, Hotels, Taxis, und natürlich werden davon auch Steuern bezahlt. Man muss das Ganze bis zu Ende denken: Ein Ausfall wäre keine gute Sache. Dass ein Veranstalter Hockenheim GmbH das Risiko, Verlust zu machen, nicht wiederholt auf sich nehmen kann, ist vollkommen nachvollziehbar.

F1 Grand Prix of Germany - Qualifying
Bernie Ecclestone ist Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC © Getty Images

SPORT1: Was macht Bernie Ecclestone richtig, was macht er falsch?

Haug: Es ist Marktwirtschaft. Wenn man die Möglichkeit hat auf die Summe X als Antrittsgeld für einen Grand Prix, dann tut man sich schwer, dafür nur ein halbes oder dreiviertel X zu nehmen. Es gibt Angebote aus vielen Ländern, die ein Rennen haben wollen. Wobei in diesem Jahr die Situation wohl speziell ist: Es wird ja wohl keinen Ersatz-Grand-Prix geben (für den Nürburgring oder in Hockenheim, Ann. d. Red.). Noch aber sollten wir darauf hoffen, dass das Ganze in die richtige Richtung geht und es einen deutschen Grand Prix gibt.

SPORT1: Was würden Sie an der Formel 1 verändern, wenn Sie dürften?

Haug: Man ist auf einem ganz guten Weg. Es wäre wünschenswert, dass die Formel 1 insgesamt wieder ein Business-Modell wird. Dass der Erfolgreiche investiert und dann eben auch die Chance hat, damit Geld zu verdienen. Jetzt ist die Möglichkeit dazu zumindest limitiert. Es muss sichergestellt werden, dass ein Feld von mehr als 20 Fahrzeugen in der Formel-1-Weltmeisterschaft fährt. Ich bin aber sicher, dass die Verantwortlichen das erkannt haben und die entsprechenden Vertreter auch konzertiert in diese Richtung arbeiten.

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