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Mercedes und Ferrari bei Testfahrten der Formel 1 in Barcelona
Nico Rosberg und Lewis Hamilton sind Teamkollegen bei Mercedes © Getty

München - Nach den Testfahrten deutet auch 2015 alles auf eine Saison unter dem Stern von Mercedes hin. Nur Lauda bremst die Euphorie. Gibt es erneut Zwist zwischen Rosberg und Hamilton?

Die neue Saison begann so, wie die letzte aufgehört hatte. Nämlich mit einer Doppelführung in Silber. 

Auch wenn in Barcelona in der letzten Februarwoche nur getestet wurde, war es ein vertrautes Bild.

Lewis Hamilton und Nico Rosberg fuhren abwechselnd die Bestzeiten, in der Gesamtstatistik der Woche führten die beiden Mercedes-Piloten einmal mehr das Feld an. So war das 2014 fast an jedem Rennwochenende.

16 von 19 GP-Siegen gingen im Vorjahr an die Silberpfeile. Anders als in der WM-Wertung, wo Hamilton sich letztlich zum Weltmeister krönte, hat aktuell wieder Rosberg die Nase vorne. Zwei Zehntel war er, die vier Testtage in der Wochenwertung zusammengenommen, schneller.

Mit 1:22,7 Minuten fuhr er auch die absolute Bestzeit. Mercedes war der Konkurrenz sogar auf den weichen Reifen, die nicht die schnellsten sind, immer ein gutes Stück voraus.

Rosberg schnell und optimistisch

"Ich bin glücklich der Schnellste zu sein", sagte Rosberg und fügte keck hinzu: "Das ist besser, als nicht der Schnellste zu sein." Nach dem "großartigen Winter" (Rosberg) ist die Stimmung im Team optimistisch.

Selbst der sonst so bescheidene Teamchef Toto Wolff glaubt, dass Mercedes auch in der kommenden Saison wieder vorne liegt. "Wir haben ein gutes Auto hingestellt, ein gutes Gesamtpaket", sagt er. "Laut Schätzungen sollten wir nach wie vor noch vorne sein."

Und Konkurrent Jenson Button von McLaren erstarrt verbal fast vor Ehrfurcht: "Mercedes ist unfassbar schnell. Die sind allen um Meilen voraus", urteilt er.

Lauda bremst die Euphorie

Einzig Niki Lauda, dreimaliger Weltmeister und Teamaufsichtsratschef  bei Mercedes, hat eine andere Meinung.

Er meint vor dem Saisonstart: "Die Dominanz wird bröckeln." Neben Hamilton und Rosberg sieht er "einen Dritten und Vierten", der im WM-Kampf mitmischt und erwartet "eine richtig interessante Saison, in der es nicht nur um Mercedes gehen wird".

Lauda als Mahner, als eine Art Matthias Sammer der Formel 1, der frühzeitig warnt, wenn die Stimmung im eigenen Lager zu gut wird: "Ich glaube erst die Dinge, die ich in Melbourne sehe" – so klingt der Lauda'sche Realismus.

Williams und Ferrari sind laut Lauda die ärgsten Verfolger. Dafür sprechen auch die Testergebnisse. Gerade Valtteri Bottas (Williams) konnte mit den Bestzeiten mithalten. Der Finne war schon im vergangenen Jahr Vierter der Fahrerwertung und ist nun so etwas wie der Geheimtipp auf den Titel.

Größter Konkurrent im eigenen Lager

Doch die Favoriten sind nach wie vor sicherlich Hamilton und Rosberg - gerade wenn man sich vor Augen führt, dass in der Vergangenheit zahlreiche Teams ihre Vormachtstellung über mehrere Jahre behaupten konnten, wie zum Beispiel Sebastian Vettel mit Red Bull oder einst Michael Schumacher mit Ferrari. 

So wie es aktuell aussieht, können sie sich wohl nur gegenseitig um die Favoritenrolle bringen.

Im vergangenen Jahr gab es ja bereits mehrere Zwischenfälle: In Spa war der Zwist nach einer Kollision der Teamkollegen eskaliert. Hamilton hatte Rosberg beschuldigt, den Unfall absichtlich nicht verhindert zu haben. Er beschuldigte ihn öffentlich. Rosberg schwieg.

Rosberg: "Das Optimum treffen"

Am Ende fügte sich der Deutsche quasi als Nummer zwei dem größeren Ego Hamiltons, der in der zweiten Saisonhälfte auch schneller war. Gut denkbar, dass er das in dieser Saison nicht mehr macht.

Jüngst sagte er dazu: "Ich werde 2015 häufiger das Optimum treffen. Einige Male bin ich vor Lewis gestartet, doch ich konnte mich aus verschiedenen Gründen nicht behaupten."

Die Titelchancen sind erneut sehr gut, Rosberg ist heiß auf den Titel. Dass Hamilton schnell aus der Haut fährt, ist bekannt. Gute Freunde werden die beiden Piloten sowieso nicht mehr.

Wetter als X-Faktor?

Zumindest zu Beginn wird die Konkurrenz im Fahrerlager auf solche internen Streitigkeiten spekulieren und hoffen, mit Dauer der Saison auch maschinenmäßig aufschließen zu können.

Das einzige technische Probleme, das sich in Barcelona ansatzweise bei Mercedes zeigte, war der starke Reifenverschleiß bei warmen Temperaturen. Eine mögliche Schwachstelle.

Vielleicht hilft dem Rest der Formel 1 ja auch das Wetter bei der Jagd auf Silber.

Der SPORT1-Teamcheck im Überblick:

zu Teil 1: Ferrari

zu Teil 2: Lotus und die Außenseiter-Teams

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