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Fernando Alonso
Fernando Alonso fuhr schon 2007 für McLaren © Getty

Mönchengladbach - Die erneute Liaison zwischen McLaren, Honda und Fernando Alonso hat vor dem Saisonstart mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Der mysteriöse Unfall ist nur die Spitze des Eisbergs.

Fernando Alonso und Ron Dennis umarmen sich innig. Beide strahlen in die Kamera. Ein harmonisches Bild, passend zum umjubelten Comeback von McLaren-Honda in der Formel 1. Und der Rückkehr von Alonso.

Es ist ein Bild, das nicht einmal drei Monate alt ist. Und es ist vor allem ein Bild, das inzwischen Risse bekommen hat. Tiefe Risse.

Denn das mit so viel Enthusiasmus und ebenso vielen Erwartungen gestartete Comeback von McLaren-Honda versinkt immer mehr im Chaos.

Fernando Alonso Ron Dennis
Ein Herz und eine Seele - Fernando Alonso (l.) und Ron Dennis bei der offiziellen Rückkehr des Spaniers zu McLaren © Getty Images

Sportlich nicht konkurrenzfähig, mit unzähligen Problemen am neuen Boliden MP4-30, dazu der immer noch mysteriöse Crash von Alonso inklusive des PR-Desasters rund um die Aufklärung des Unfalls - für die Beteiligten droht die erhoffte Renaissance zum Reinfall zu werden.

Ärzte raten vom Start ab

Denn fest steht: Alonso wird beim Saisonauftakt am 15. März in Australien nicht an den Start gehen. Auch wenn der Spanier jüngst betonte, dass es ihm gut gehe. Doch die Ärzte haben ihm von einem Start in Australien abgeraten.

Alonso hatte nach dem Unfall auf dem Circuit de Catalunya vor gut zehn Tagen das Bewusstsein verloren und wusste nach dem Erwachen zunächst nicht, wer er ist oder für welchen Rennstall er fährt.

Drei Nächte verbrachte er im Krankenhaus, zahlreiche Tests wurden durchgeführt, alle zeigten: aus neurologischer Sicht ist er gesund. Und theoretisch bereit.

Angst vor einem zweiten Einschlag

Trotzdem ist es grundsätzlich eine gute Entscheidung, geht es hier doch vor allem um ein so genanntes "Second Impact Syndrome", also um die Angst vor einem zweiten Einschlag.

Sollte Alonso nun in Australien erneut eine Gehirnerschütterung erleiden, so lange die erste noch nicht ganz ausgeheilt ist, drohen Komplikationen. Beispiele aus anderen Sportarten wie American Football oder Eishockey zeigen, dass damit nicht zu spaßen ist.

Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack: Denn McLaren-Chef Dennis hatte zuletzt davon gesprochen, Alonso sei nach dem Unfall unversehrt und habe sich nicht einmal eine Gehirnerschütterung zugezogen.

Ungereimtheiten wie diese sorgen natürlich dafür, dass die Spekulationen, was nun wirklich passiert ist, nicht aufhören. Hat Alonso vielleicht doch, wie gemutmaßt und von McLaren vehement dementiert, durch das Hybridsystem einen Stromschlag erlitten?

Will Alonso sich erst wieder in das Auto setzen, sobald die Hintergründe des Unfalls vollständig aufgeklärt sind?

Unter keinem guten Stern

Vieles bleibt immer noch im Dunkeln. Nur eines ist klar: Die zweite Ehe zwischen Alonso und McLaren steht unter keinem guten Stern.

Der zweimalige Weltmeister war bereits 2007 für den Rennstall gefahren. Und nach nur einem Jahr gingen beide Parteien im Streit auseinander, nachdem sich der Spanier und Dennis überworfen hatten.

Zwist kostet WM-Titel

Alonso hatte sich damals mit McLaren-Zögling Lewis Hamilton so lange gegenseitig beharkt, bis letztendlich Kimi Räikkönen im Ferrari Weltmeister wurde. Alonso war sauer, dass die Teamführung den jüngeren Hamilton nicht zurückgepfiffen hatte.

Nicht nur Alonso ist davon überzeugt: Hätte McLaren ganz auf den Spanier gesetzt, er hätte nach 2005 und 2006 (mit Renault) wohl seinen dritten WM-Titel in Folge geholt.

Der Haken: Von Siegen ist McLaren-Honda heute so weit weg wie die Teamfabrik im britischen Woking von Australien. Und da kann Alonso noch so oft betonen, dass es ein Privileg sei, wieder für den Rennstall zu fahren. Oder dass man geduldig sein müsse.

Mit fast 34 Jahren weiß Alonso selbst am besten, dass er nicht mehr allzu viel Zeit hat, um seinen dritten Titel einzufahren.

Probleme über Probleme

Dabei hatte McLaren-Honda das Bestmögliche investiert: Mit Alonso und dessen Teamkollegen Jenson Button kam die geballte Erfahrung von zusammen 501 GP-Starts, 47 Rennsiegen und drei WM-Titeln. In die neue Antriebseinheit wurde viel Geld investiert, der Motor in kürzester Zeit entwickelt.

Der Status Quo: Sobald eines der zahlreichen Probleme gelöst wird, taucht ein neues auf. Knapp 1800 Kilometer spulte das Team bei den Tests ab. Zum Vergleich: Mercedes schaffte über 6000.

Der Start in Melbourne droht zum Desaster zu werden.

Magnussen ersetzt Alonso

Für Alonso wird in Melbourne Kevin Magnussen im Cockpit sitzen. Also der Däne, der im Vorjahr noch Stammpilot bei McLaren war und nach der Verpflichtung Alonsos zum Ersatzfahrer degradiert wurde.

Für den 22-Jährigen wird der spontane Sprung ins Cockpit trotz der jüngsten Testeinsätze kein leichtes Unterfangen.

Wie das gesamte Comeback.

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