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AUTO-PRIX-AUS-F1
Respektsabstand im Qualifying und danach auf dem Foto: Nico Rosberg (l.) und Lewis Hamilton © Getty Images

Melbourne und München - Beim Qualifying zum Australien-GP fährt der Weltmeister in einer eigenen Liga. Das muss auch Nico Rosberg anerkennen. Sebastian Vettel sieht trotz Schwächen Chancen aufs Podium.

Nico Rosberg wusste nicht genau, wie er sich die Zeit vertreiben sollte.

Allein stand er dort, wo nach dem Qualifying normalerweise die drei Schnellsten für das offizielle Foto posieren.

Ein wenig scheu winkte der Deutsche dann ins Publikum und wartete weiter, bis endlich auch der Hauptdarsteller der Qualifikation zum Großen Preis von Australien (So., ab 5.45 Uhr im LIVETICKER) erschien.

Sieger mit Verspätung

Sein Teamkollege Lewis Hamilton hatte wohl noch einen ausgedehnten Smalltalk mit dem drittplatzierten Williams-Fahrer Felipe Massa gehalten, mit dem er dann gemeinsam die Bühne betrat (Datencenter: Ergebnis des Qualifyings).

Manche sahen darin bereits die ersten Signale eines sich wieder anbahnenden Psycho-Duells der beiden Mercedes-Piloten. Dabei hätte Hamilton diese Spielchen gar nicht nötig gehabt. Nicht an diesem Samstag.

Von Beginn an war der Weltmeister der dominierende Fahrer im Qualifying und brannte eine Bestzeit nach der anderen in den Asphalt. "Wie von einem anderen Stern" sei die Leistung des Briten gewesen, jubelte Mercedes-Vorstandschef Niki Lauda bei RTL.

Erst nüchtern, dann lustig

Im Vergleich dazu klang das Fazit des so Gelobten ungewohnt nüchtern. "Ich schätze mich glücklich, dieses Auto zu fahren. Die Jungs haben sich mächtig ins Zeug gelegt, damit wir hier diese Leistung zeigen konnten", sagte Hamilton.

Bei der Presserunde von Mercedes wenig später präsentierte er sich dann ungleich lockerer. Er gab sich bei Motsportchef Toto Wolff als Journalist aus und fragte den Österreicher, ob es etwas Neues zu den laufenden Vertragsverhandlungen geben würde. Vielleicht sei ja nach der starken Leistung im Qualifying noch ein bisschen mehr Geld für ihn drin.

Seine Vorstellung war in der Tat beeindruckend. Selbst seinem teaminternen Rivalen Rosberg hatte er im entscheidenden Qualifying-Durchgang unglaubliche 0,594 Sekunden abgenommen.

Selbstkritik bei Rosberg

Rosberg blieb nur die Anerkennung der "beeindruckenden Form" Hamiltons. "Lewis war extrem schnell", bekannte er und übte Selbstkritik: "Ich habe es heute einfach nicht zusammengekriegt. Kein großer Tag für mich." Beim Versuch, die Zeiten seines Teamkollegen mitzugehen, riskierte er zu viel und landete kurzzeitig neben der Strecke. Außerdem hatte er Probleme mit dem Reifendruck an seinem Auto.

Auch Landsmann Sebastian Vettel haderte nach Platz vier mit seiner Runde im finalen Qualifikationsabschnitt. "Der letzte Versuch war Murks. Ich habe die Runde abgebrochen, weil ich nicht die Aussicht hatte, meine Zeit zu verbessern", erklärte der Ferrari-Pilot nach seinem ersten Qualifying für die Scuderia.

Kurz zuvor hatte ihm Williams-Pilot Massa den dritten Startplatz weggeschnappt - übrigens mit einem Rückstand von knapp acht Zehntelsekunden auf Rosberg.

Vettel und Ferrari verbessert

Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben aber sowohl Vettel als auch Ferrari einen großen Schritt nach vorn gemacht. So groß, dass der Heppenheimer sogar das Podest zum Auftakt der Saison im Blick hat.  

"Wenn das Podium drin ist, dann müssen wir aufs Podium fahren", sagte Vettel: "Das ist realistisch und sollte auch unser Ziel sein." Es wäre seine erste Podestplazierung seit vier Rennen, Ferrari wartet sogar seit acht Rennen auf eine Platzierung unter den ersten Drei.

Rosberg: "Alles ist möglich"

Den Sieg werden jedoch die beiden Silberpfeil-Piloten unter sich ausmachen. Rosberg hat jedenfalls Platz eins beim Saisonauftakt noch längst nicht abgeschrieben.

"Heute muss ich mit Platz zwei leben, doch der Sonntag liegt ja noch vor uns. Wir haben noch alle Chancen. Vom zweiten Platz ist absolut alles möglich", sagte er selbstbewusst.

Und seinen Stolz hat er auch nicht verloren. Als Hamilton ihn für das offizielle Qualifying-Foto noch zu sich heranziehen wollte, blieb Rosberg stur und ließ eine Lücke zwischen sich und seinem Teamkollegen.

 Alles - so sollte wohl die Botschaft lauten - lasse er sich von Hamilton nun auch nicht gefallen.

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