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Jutta Kleinschmidt nahm bereits 1988 auf einem Motorrad an der Rallye Paris-Dakar teil. © Getty Images

München - Rallye-Legende Jutta Kleinschmidt spricht im SPORT1-Interview über Bernie Ecclestones Pläne einer Frauen-Konkurrenz und die Risiken beim Wettkampf der Geschlechter.

Bernie Ecclestone hat mit einem Plan mal wieder für Wirbel gesorgt. Der Chefpromotor der Formel 1 schlug eine eigene Konkurrenz für Frauen vor.

Das stieß bei vielen Fahrern auf Ablehnung. "Wir haben viele andere Probleme, die wir lösen müssen. Eine Frauen-WM einzuführen, gehört meiner Ansicht nach nicht dazu", sagte beispielsweise Jenson Button beim Rennen in Schanghai.

Wie steht aber eine Frau, die bereits große Erfolge im Motorsport gefeiert hat, zu Ecclestones Plänen? SPORT1 sprach mit Jutta Kleinschmidt. Die gebürtige Kölnerin gewann 2001 die Rallye Dakar und distanzierte dabei alle ihre männlichen Konkurrenten - bislang ein einzigartiger Erfolg.

Im SPORT1-Interview bezieht Kleinschmidt Stellung zu Ecclestones Gedankenspiele.

SPORT1: Frau Kleinschmidt, wie war Ihre Reaktion, als Bernie Ecclestone eine Formel 1 für Frauen ins Gespräch gebracht hat?

Jutta Kleinschmidt: Ich habe gedacht: Das ist eine super Idee. So eine Serie kann den talentierten Fahrerinnen als Sprungbrett dienen. Ansonsten ist es für sie schwierig, in die offene Formel 1 zu kommen. Über eine eigene Konkurrenz könnten sich Frauen allerdings empfehlen. Die besten dieser Serie werden sich auch in der Königsklasse durchsetzen.

SPORT1: Was spricht dagegen, sich als Frau direkt mit den Männern zu messen?

Kleinschmidt: Es droht die Gefahr, dass sie im Rennen härter bekämpft werden. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Kein Mann lässt sich gerne von einer Frau überholen. So ist das Risiko größer, auf der Strecke abgeschossen zu werden.

SPORT1: Warum sind Sie in diesem Punkt skeptisch? Schließlich ist Ihr Sieg bei der Dakar der beste Beweis, dass eine Frau sich gegen Männer durchsetzen kann.

Kleinschmidt: Ich weiß aber auch, wie hart es ist, nach oben zu kommen. Außerdem hat sich durch meinen Sieg wenig geändert. Man muss sich die Rallyeszene mal anschauen: Da ist keine Frau, die in der Weltspitze mitfährt.

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Jutta Kleinschmidt feiert 2001 ihren Sieg bei der Rallye Paris-Dakar. © Getty Images

SPORT1: Welche Ratschläge, geben sie jungen Fahrerinnen mit auf den Weg, die aktuell von der Formel 1 träumen?

Kleinschmidt: Wenn ich um Tipps gebeten werde, dann geht es zumeist um Rallyesport. Allgemein gilt aber: Sie müssen klein anfangen und sich langsam hocharbeiten. Die Grundlagen für die Königsklasse werden im Kartsport gelegt. Dort heißt es wie in jeder anderen Sportart: So viel wie möglich zu trainieren und seine Schwächen abzustellen.

SPORT1: Wie stufen Sie die Chancen ein, in naher Zukunft Rennen in der Frauen-Formel-1 zu sehen?

Kleinschmidt: Wenn Ecclestone da wirklich hinter steht, sind sie sehr gut. Für so eine Rennserie braucht man enorm viele Sponsoren und Unterstützer. Und wenn einer die besorgen kann, ist es Bernie Ecclestone. Hoffen wir mal, dass sein Vorschlag kein PR-Gag war.

SPORT1: Glauben sie, dass er es ernst meint?

Kleinschmidt: Eigentlich schon, weil er gerne eine Frau in der Formel 1 sehen würde. Ecclestone weiß aber, dass es auf dem direkten Weg sehr schwer ist, den Sprung zu schaffen. Deshalb könnte ihm die Idee mit dem Wettbewerb für Frauen gekommen sein.

SPORT1: Wann könnte der erste Startschuss erfolgen?

Kleinschmidt: Das ist eine schwierige Frage, nach Ecclestones Statement hat sich ja wenig getan.  Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgeben: Fünf Jahre sind für mich eine realistische Zeitspanne. Und wenn der Schritt erst mal gemacht ist, dann könnte sich auch schnell eine Frau in der offenen Formel 1 etablieren.

SPORT1: Können Sie Vorbehalte gegen eine Formel 1 für Frauen trotzdem nachvollziehen? Williams-Testpilotin Susie Wolff lehnt diese Serie beispielsweise ab.

Kleinschmidt: Ich sehe das anders. Es liegt aber daran, dass wir offensichtlich andere Ansätze haben. Sie hat sich ja bereits ihre Klasse bewiesen. Ich habe die nächste Generation im Blick. Für diese Fahrerinnen wäre es - wie schon gesagt - ein gutes Sprungbrett.

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