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Max Verstappen ist mit 17 Jahren der jüngste Fahrer in der Geschichte der Formel 1 © twitter@F1/Getty Images

München - Der Crash von Max Verstappen in Monaco entfacht die Debatte über die Zulassungskriterien neu. Sein Teamchef sieht den Unfall voraus, verteidigt seinen Fahrer aber.

Sein Start in die Formel 1 war atemberaubend.

Jüngster Fahrer in der Königsklasse, jüngster Fahrer in den Punkterängen.

Erst 17 Jahre alt, und schon auf der Überholspur. Max Verstappen, der rasende Teenager, ließ bereits in den ersten Wochen die Formel-1-Rekorde purzeln und erntete für seine mutige Fahrweise viel Lob.

Beim Großen Preis von Monaco jedoch wurde der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg des Niederländers gestoppt, zumindest vorerst.

Heftiger Einschlag

Als der Toro-Rosso-Pilot nach seinem frontalen Einschlag bei 270 km/h in die Sicherheitsbegrenzungen unverletzt aus dem Auto stieg, herrschte erst einmal Erleichterung.

Das kollektive Aufatmen wich allerdings schnell der einhelligen Meinung, dass der junge Verstappen seinen Unfall durch eine ungestüme Attacke gegen Romain Grosjean selbst verschuldet hatte.

Mit seiner Kritik am französischen Lotus-Fahrer, der die Kollision der beiden durch verfrühtes Bremsen ausgelöst habe, stand Verstappen allein da.

Strafversetzung in Montreal

Der Weltverband FIA sah im Niederländer den Schuldigen und bestrafte ihn hart: Strafversetzung um fünf Plätze für das kommenden Rennen in Montreal und zwei Punkte ins Strafregister der Formel 1.

Mehr noch aber dürfte ihn die Diskussion treffen, die nun wieder aufgeflammt ist.

Möglicherweise sei er mit seinen 17 Lenzen noch zu unerfahren, um in der Formel 1 fahren zu können, sagte Grosjean: "Er war zu optimistisch und hätte sich selbst und mich dabei verletzen können."

Nach seiner Kollision mit Romain Grosjean rauscht Max Verstappen in hohem Tempo Richtung Leitplanke © twitter@F1

Massa: "Erfahrung zählt doch etwas"

Deutlicher wird Felipe Massa. "Das zeigt, dass Erfahrung in der Formel 1 doch etwas zählt. Wenn er sich verletzt hätte, würde jeder fragen: 'Wieso geben sie einem 17-Jährigen, der so etwas macht, eine Lizenz?'", gab der brasilianische Routinier zu bedenken.

Massa weiß aus eigener Erfahrung, wie gefährlich dieser Sport sein kann. Vor sechs Jahren traf ihn in beim Ungarn-GP eine Metallfeder am Kopf, er raste mit knapp 200 km/h in die Reifenstapel. Zwei Tage lag er danach im Koma.

Tost verteidigt Verstappen

Die Diskussion um Verstappen hat derweil auch seinen Rennstall erreicht. Teamchef Franz Tost hatte noch kurz vor dem Monaco-GP über seinen Schützling bei Motorsport-Total.com gesagt: "Er hat noch Reserven und ist nicht am Limit. Unfälle passieren aber, wenn man sich an der Obergrenze bewegt."

Dass sich seine Worte so schnell bestätigen würden, hätte der Österreicher wohl nicht erwartet. Dennoch versucht er, sämtliche Zweifel über die Formel-1-Tauglichkeit Verstappens wegzuwischen.

"Die Formel 1 ist gefährlich, aber das hat mit dem Alter des Fahrers nichts zu tun. Die jungen Piloten haben so viel Übersicht, was um sie herum geschieht", lobt er die "Generation Verstappen".

Den Niederländer mit einem Stammcockpit auszustatten, obwohl er noch nicht mal einen Führerschein besitzt, sei "die richtige und korrekte Entscheidung gewesen", betont Tost.

Unfall bei Show-Event

Dabei war der Crash in Monaco längst nicht der erste Unfall von Verstappen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in einem Toro Rosso krachte er bei einer Show-Veranstaltung in Rotterdam nach einem Fahrfehler in die Bande.

Schon im vergangenen Jahr hatte er es in seiner ersten und einzigen Formel-3-Saison ab und an übertrieben. Er sammelte zwar die meisten Rennsiege. In der Gesamtwertung kam er aber nur auf Rang drei, weil er – auch durch eigenes Verschulden - insgesamt acht Mal ausgeschieden war.

Der sofortige Aufstieg in die Königsklasse gelang ihm dennoch, auch wenn der Weltverband damals schon Zweifel hegte und für 2016 die Kriterien für einen Einstieg in die Formel 1 verschärfte.

Ab kommendem Jahr müssen Debütanten mindestens 18 Jahre alt sein, einen Führerschein besitzen und zwei Jahre Erfahrung in einer Formelserie nachweisen können.

Verstappens Unfall in Monaco wird die FIA-Verantwortlichen in ihrer Entscheidung bestärkt haben.

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