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Canadian F1 Grand Prix - Qualifying
Fernando Alonso schaut sich am Tag des Qualifyings in Montreal das Champions-League-Finale an © Getty Images

München - Die Krise beim einstigen Erfolgsteam erreicht neue Dimensionen. Selbst der eigene Hoffnungsträger macht sich lustig. McLaren verliert langsam die Geduld mit Honda.

Fernando Alonso hörte sich an wie ein renitentes Kind.   

"Ich will nicht, ich will nicht", schimpfte der Spanier über den Boxenfunk, als er beim Kanada-GP die Anweisung zum Spritsparen bekommen hatte (DATENCENTER: Rennergebnis).

Für einen Vollblutracer wie Alonso war das zu viel. Schließlich gurkte der einstige Champion in seinem McLaren-Honda sowieso schon chancenlos hinterher. Und jetzt auch noch auf den Benzinverbrauch achten? No! "Ich sehe ja aus wie ein Amateur", funkte er an seine Box.

Am Ende sollte es auf den einen Liter mehr oder weniger aber gar nicht mehr ankommen.

Wiederholter Ausfall

Denn wenig später war sein Rennen zu Ende. Wie so oft schon in dieser Saison zwang ihn auch in Montreal ein technischer Defekt vorzeitig zur Aufgabe. Diesmal streikte der Auspuff. Der gleiche Defekt stoppte auch seinen Teamkollegen Jenson Button.

Beide Piloten haben schon weitaus bessere Tage gesehen in der Formel 1, beide waren Weltmeister. Und nun muss sich Alonso - auch auf Kosten des Teams - schon in Galgenhumor flüchten, um der Situation wenigstens etwas Positives abzugewinnen.

Sein Teamkollege solle sich das Tableau des Montreal-Rennens doch einfach umgekehrt betrachten, forderte Alonso den Briten über Twitter auf. Und schon steht das Duo ganz oben.

Viermal in Folge Weltmeister

Ganz oben. Da war das Gespann aus McLaren und Honda schon einmal - ziemlich lange sogar. Zwischen 1988 und 1991 gewann das Team mit Ayrton Senna und Alain Prost viermal sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurswertung.

Dorthin, auf den Gipfel der Formel 1, soll es mit der anglo-japanischen Paarung auch wieder gehen. Mit dieser Zielsetzung trat der Rennstall zu seinem Comeback an. Ende dieser Saison schon wollte er mit Branchenprimus Mercedes mithalten können.

Guter Witz! Diese Einsicht hat sich nach den meist peinlichen Auftritten in diesem Jahr auch bei den Verantwortlichen des Teams durchgesetzt. Die kurzfristigen Ambitionen wurden erst einmal über den Haufen geworfen.

Erste Risse im Team

Statt sich mit den Gegnern zu messen, haben sie in Woking und Tokio derzeit genug mit sich selbst zu tun. Es gilt, nach außen hin Einigkeit zu demonstrieren, auch wenn das nach den Misserfolgen der letzten Wochen und Monate vor allem bei McLaren immer schwerer fällt.

"Es gibt die Möglichkeit, schneller Fortschritte zu machen, und diesen Weg sollten wir gehen", sagt McLaren-Rennleiter Eric Boullier bei Autosport und deutet damit Differenzen zwischen den beiden Partnern an.

Während McLaren das Entwicklungstempo beim MP4-30 gerne steigern würde, soll Honda mehr Wert darauf legen, alle Teile erst einmal ausführlich zu prüfen.

Auch bei der Kommunikation scheint noch nicht alles reibungslos zu funktionieren. "Wir reden immer wieder über die Probleme, ich hoffe sie hören noch besser zu."

Lange Liste an Defekten

Wie groß und vielfältig die Probleme immer noch sind, offenbart schon der kurze Blick auf die Ausfallgründe in dieser Saison: Turbolader-Defekt, Ausfall des Kühlsystems, fehlerhafte Energierückgewinnung, Bremsdefekt, Auspuffdefekt.

Damit diese Liste nicht noch länger wird, will McLaren nun die Zusammenarbeit mit Honda noch weiter intensivieren. "Wir haben Software, IT und was auch immer. Diese Erfahrung haben wir zuhause, also kann McLaren Honda in diesen Bereichen Hilfe anbieten, damit sie ihre Ressourcen verschieben können", sagt Boullier.

Er weiß, dass die Wiederauflage des einstigen Siegerteams spätestens im nächsten Jahr Erfolge vorweisen muss. Ansonsten, so der Franzose, werde Alonso "sicher verrückt werden" - und Kritik am Team wohl nicht mehr nur per Galgenhumor äußern.

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