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Canadian F1 Grand Prix
Sebastian Vettel überholte in Montreal nicht nur Will Stevens vom Marussia-Team © Getty Images

München - Sebastian Vettels wilde Aufholjagd beim Grand Prix von Kanada kann nicht über einige Schwächen hinwegtäuschen. Der Rückstand auf Mercedes wächst weiter.

Sebastian Vettel hätte sich lieber mit dem anderen Nico um die Positionen gestritten.

Doch nach dem in allen Belangen verpatzten Qualifying war schon abzusehen, dass Mercedes-Pilot Nico Rosberg beim Grand Prix von Kanada nicht als Gegner für den Heppenheimer herhalten würde.

Während Rosberg als Zweiter hinter dem souveränen Triumphator Lewis Hamilton den Doppelsieg der Silberpfeile perfekt machte, kam Nico Hülkenberg im Force India zu dem zweifelhaften Vergnügen eines Duells mit dem viermaligen Weltmeister.

Start von Platz 18

Der war schließlich mit einer Menge Schaum vor dem Mund von Platz 18 gestartet und von Beginn an darauf aus, noch so weit wie möglich nach vorn zu fahren.

"Ich habe mich gewundert, dass er so stark dagegengehalten hat", sagte Vettel bei Sky über den Kampf mit seinem Landsmann. In einer grenzwertigen Aktion drückte er sich in der Schikane an Hülkenberg vorbei, der einen Crash nur mit einem Dreher abwenden konnte (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Auch mit seinem einstigen Titelrivalen Fernando Alonso lieferte sich der Hesse einen messerscharfen Zweikampf - um Platz 15.

Diese Positionsgerangel stehen stellvertretend für Vettels rustikale Aufholjagd auf dem Circuit Gilles Villeneuve, die zwar auf einem respektablen fünften Rang endete, in deren Verlauf er und sein Team aber auch nicht ohne Fehler blieben (DATENCENTER: Fahrerwertung).

Bremsplatten und Boxenpanne

Den ersten Rückschlag musste der 27-Jährige bereits nach wenigen Runden hinnehmen, als er sich bei einem seiner zahlreichen Manöver einen Bremsplatten einhandelte und an die Box fuhr. Dort folgte die nächste Panne.

"Hinten rechts hat es ein bisschen geklemmt", erklärte Vettel den ungewöhnlich langen Aufenthalt, um dann seine Crew aber sofort in Schutz zu nehmen: "Man kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Sie sind am Limit. Bis jetzt waren wir immer die Besten in der Boxengasse. Das kommt mal vor."

Vor den Augen des Chefs

Allerdings passte der Fauxpas zum bislang schlechtesten Ferrari-Auftritt in diesem Jahr. Zum ersten Mal stand kein Fahrer in Rot auf dem Podium. Und das ausgerechnet an dem Wochenende, an dem sich Ferrari-Boss Sergio Marchionne höchstpersönlich ein Bild vom Aufschwung seiner Scuderia machen wollte.

Der Italiener, der als Kind mit seinen Eltern nach Kanada ausgewandert war, hat als Präsident von Fiat und Ferrari vor der Saison in Maranello kräftig aussortiert und umstrukturiert, um die Scuderia in der Formel 1 wieder an die Spitze zu führen.

Dass die Roten in Montreal leer ausgingen, lag auch an Kimi Räikkönen. Der Finne leistete sich kurz nach seinem ersten Boxenstopp einen folgenschweren Dreher und landete schließlich hinter seinem Landsmann Valtteri Bottas im Williams nur auf Platz vier.

Angriff geht daneben

Den Angriff, den Ferrari mit einem neuen Motor auf die Silberpfeile starten wollte, ist jedenfalls fürs Erste gründlich danebengegangen. Vettels Abstand auf WM-Spitzenreiter Hamilton wuchs um weitere 15 Zähler auf 43 Punkte, und in der Konstrukteurs-Wertung liegen nun schon über 100 Punkte zwischen Silber und Rot.

"Wir sind aber drauf und dran. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg, die Lücke zu schließen", sagte Vettel noch.

Bei Mercedes wird diese Aussage niemanden verunsichert haben.

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