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Die Etats der Formel-1-Teams liegen im dreistelligen Millionenbereich © Getty Images

München - Die FIA wirbt um neue Teams in der Königsklasse und ist dafür bereit, mit einem Tabu zu brechen und Kundenteams aufzunehmen. Ein Kandidat soll es bereits geben.

100 Millionen Euro jährlich.

Unter dieser Summe läuft nichts, wenn sich ein Team in der Formel 1 engagieren will.

Doch auch mit diesem Etat können lediglich die laufenden Kosten gedeckt werden. Weiterentwicklungen am Auto während der Saison? Zu teuer. Top-Piloten? Ebenfalls nicht finanzierbar.

Auf Bezahlfahrer angewiesen

Im Gegenteil: Das Geld ist bei einigen Rennställen so knapp, dass sie händeringend nach Fahrern suchen, die sich das Abenteuer Formel 1 selbst finanzieren können. Noch lieber sind den klammen Teams diejenigen, die auch noch Sponsorengelder bringen.

Viele Teams wandeln seit Jahren am Abgrund. Caterham hat es im vergangenen Jahr erwischt. Insolvenz. Marussia konnte gerade noch gerettet werden. Force India, Sauber und Lotus geht es nicht viel besser.

Dennoch scheint die Formel 1 nach wie vor einen gewissen Reiz auszustrahlen. Mit Haas F1 steht das elfte Team für 2016 bereits fest. Das aber reicht der FIA offenbar nicht.

Gerüchte um ART-Team

Der Weltverband wirbt seit kurzem um weitere Rennställe, und ein Team soll sogar schon ernsthaft an einem Einstieg interessiert sein.

Der Haken: Dabei handelt es sich angeblich um einen Interessenten, der mit Kundenautos in die Königsklasse einsteigen will. Ein Plan, der beim jüngsten Treffen der Strategiegruppe wieder aufgegriffen wurde. 

Allerdings würde die Formel 1 damit eines ihrer größten Tabus brechen. Wenn einige Rennställe ihre Auto nicht mehr selbst bauen müssten, ginge sehr viel Kreativität verloren. Die Hersteller könnten sich in der Art und Weise, wie sie ihre Autos bauen, nicht mehr voneinander unterscheiden und in einen Wettbewerb miteinander treten. Ihre Unabhängigkeit, seit Jahrzehnten ein Markenzeichen der Formel 1, müssten sie aufgeben.

Wie auto, motor und sport berichtet, wäre das französische ART-Team wohl der heißeste Kandidat für Startplatz Nummer zwölf.

Der Rennstall ist in der Nachwuchsserie GP2 sehr erfolgreich und stellt mit Stoffel Vandoorne in der laufenden Saison nach sechs Rennen den überlegenen Spitzenreiter. Der Belgier hat aber auch schon einen Vertrag als Testfahrer bei McLaren.

Stoffel Vandoorne hat in der GP2 drei der ersten sechs Rennen gewonnen © Imago

Mit Vandoorne und Magnussen?

Und hier wird es interessant. McLaren-Boss Ron Dennis werden Überlegungen nachgesagt, ähnlich wie es Red Bull mit Toro Rosso vorgemacht hat, ein Nachwuchsteam etablieren zu wollen.

Die zwei Piloten dafür hätte das Team aus Woking schon beisammen. Neben Vandoorne könnte Kevin Magnussen das zweite Cockpit erhalten. Der Däne wurde als Stammpilot vom zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso verdrängt und ist in dieser Saison ebenfalls Testfahrer bei den Chrompfeilen.

Entsprechende Pläne wurden zwar von einem McLaren-Sprecher in britischen Medien dementiert. Für interessierte Einsteiger in die Formel 1 bleiben Kundenautos dennoch vor allem in finanzieller Hinsicht eine attraktive Option.

Die horrenden Investitionen für die Entwicklung eines eigenen Autos würden wegfallen, die Ausgaben statt mindestens 100 Millionen Euro nur noch geschätzte 20 Millionen betragen.

"Show wird nicht besser"

Andere Team-Verantwortliche warnen jedoch eindringlich vor dieser Methode.

"Die Show wird nicht besser, wenn die Autos noch weiter auseinander liegen", sieht Sauber-Teamchefin bei "Autosport" die Schere zwischen arm und reich in der Formel 1 mit Kundenteams noch weiter auseinandergehen.

Für Robert Fermley würden die Hersteller zu bloßen Teilnehmern degradiert und könnten sich dadurch auch in eine ungesunde Abhängigkeit von den großen Herstellerteams begeben.

"Wenn eines von ihnen versagt oder sich wegen einer Laune des Vorstands zurückzieht, dann würde man nicht nur zwei Autos verlieren, sondern vier oder vielleicht noch mehr", sagte der stellvertretende Teamchef von Force India.

Die FIA hält jedenfalls an ihrer Ausschreibung fest. Bis zum 1. September sollen potenzielle Kandidaten ihre Bewerbung abgeben. Eine Entscheidung, wer den Zuschlag erhält, fällt bis zum 30. September.

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