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Dietrich Mateschitz
Dietrich Mateschitz war vor seiner Red-Bull-Zeit Marketing-Manager bei einer Zahnpasta-Firma © Getty Images

München - Red-Bull-Boss und Multi-Milliardär könnte in der Formel 1 die Macht an sich reißen. Für das Szenario gibt es Hürden - aber es spricht auch einiges dafür.

Es gibt drei Worte, mit denen Dietrich Mateschitz schon ziemlich gut erklärt ist.

"Marketing ist alles", sagt der Multi-Milliardär aus Österreich. Immer wieder. Eine Wachmacher-Flüssigkeit aus Thailand, die er einst bei einer Geschäftsreise entdeckte, machte er mit diesem Leitspruch zu einem der meistverkauften Getränke der Welt.

Red Bull, den Namen, dem er diesem Getränk gegeben hat, machte er zu einer Weltmarke, die längst nicht mehr nur für eine Limonade steht - sondern für ein ganzes Firmen-, Medien- und Sportimperium.

Bald auch für die ganze Formel 1?

Schlechte Ergebnisse - schlechtes Marketing

Mateschitz würde gern der Hauptanteilseigner, der starke Mann der Königsklasse werden. Dieses Gerücht kursiert schon länger.

Und es ist wieder akut geworden, nachdem der sonst so schweigsame Steirer vor seinem Heimrennen in Spielberg medienwirksam seine Drohung erneuert hat, mit seinen beiden Rennställen aus der Formel 1 auszusteigen.

Für Red Bull, den wichtigeren, läuft es sportlich im Moment nicht gut. Das ist schlechtes Marketing, also für Mateschitz das Schlimmste. Die Schuld daran sieht er nicht nur beim Motorenpartner Renault, sondern auch bei den Regularien und Strukturen der Rennserie.

Das Thema hätte sich erledigt, wenn Red Bull die Formel 1 als Ganzes an sich reißen würde. Aber wie kann man sich ein solches Szenario überhaupt vorstellen?

F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race
Sebastian Vettel wurde mit Red Bull viermal Weltmeister © Getty Images

Formel Mateschitz? Ecclestone fände es gut

Konkret müsste Mateschitz dem Formel-1-Hauptaktionär CVC Partners dessen 35-Prozent-Anteil an der Serie abkaufen.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der sich mit Mateschitz bestens verstehen soll, hat die Idee angeblich kürzlich noch einmal mit ihm besprochen. Schon vor einigen Monaten hat der 84-Jährige festgehalten, dass er das Mateschitz-Szenario "entzückend" fände - einen guten Kaufpreis vorausgesetzt.

An der Summe hakt es dem Vernehmen nach aber noch. CVC verlangt nach Mateschitz' Geschmack zu viel, heißt es.

Milliarden zur Verfügung

Zehn Milliarden Euro ist die Formel 1 nach Schätzungen wert, 35 Prozent davon sind 3,5 Milliarden - ungefähr um diese Summen wird es also gehen. Summen, die Mateschitz stemmen kann.

Auf 11 Milliarden Euro schätzt Forbes sein Privatvermögen, seine Firma setzte im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Euro um. Scheu, das Geld auszugeben, hat sie auch nicht.

1,4 Milliarden Euro betrugen 2010 die unter "sonstige betriebliche Aufwendungen" verbuchten Investitionen in die zahlreichen Sportprojekte: Formel 1, Fußball, Eishockey und die zahlreichen Extrem- und Trendsportveranstaltungen, die Red Bull teils selbst erfunden und als Event groß aufgezogen hat.

Eine Formel 1 Red Bull - oder doch eher Red Bull Formel 1? - würde Mateschitz wohl in eine ähnliche Richtung ummodeln, ihr ein junges, trendigeres Vermarktungs-Image geben. Mit omnipräsentem Bullen-Logo, versteht sich. So wie er es im Kleinen schon mit seinen Rennställen vorgemacht hat.

Das Problem mit den Verträgen

Diese Rennställe müsste Red Bull aber erst einmal abtreten, wenn es die ganze Serie regieren wollen würde. Und das ist so einfach nicht.

Red Bull hat sich bei den Rechteinhabern bis 2020 vertraglich verpflichtet, es kann nicht einfach ein Außer-Betrieb-Schild vor sein Motorhome hängen, es bräuchte Käufer.

Die Nachwuchsschmiede Toro Rosso würde Motorenpartner Renault wohl als Werksteam übernehmen. Für den teuer hochgerüsteten Hauptrennstall (geschätzte 307 Millionen Euro Ausgaben 2014 - Einnahmen: 339 Millionen) müsste wohl aber eine andere potente Automarke neu in die Formel 1 gelockt werden.

Unrealistisch? Nein

Es ist also alles etwas kompliziert. Sollten sich die Hindernisse aus dem Weg räumen lassen, wäre das Szenario Mateschitz aber durchaus ein realistisches.

Bei all den Projekten, die er gleichzeitig stemmt, mag es erstmal abwegig klingen, dass er nebenbei noch den neuen Formel-1-Mogul macht.

Aber es gibt auch viel, das dafür spricht: Der Motorsport ist für ihn Herzenssache, anders als der Fußball.

Zudem dürfte er auch für die Formel 1 einen Vertrauensmann finden, der für ihn die Feinarbeit in seinem Sinne erledigt - wie Helmut Marko und Christian Horner beim Rennstall oder Ralf Rangnick bei den Fußballern.

Spanish F1 Grand Prix - Qualifying
Helmut Marko (l.) genießt als Motorsport-Chef von Red Bull Mateschitz' Vertrauen © Getty Images

Nicht der Typ für einen ruhigen Lebensabend

Und Mateschitz selber ist zwar schon 71, aber für einen ruhiges Rentnerleben gewiss nicht der Typ.

Er verkörpert die Rastlosigkeit, die auch sein Produkt transportiert, das Aufziehen immer neuer Projekte ist sein Lebensinhalt.

Er wolle nicht ständig über Geld reden, hat er einmal gesagt: "Geld ist dazu da, dass man etwas damit macht." Die Zeit dafür nimmt er sich. Nach eigenen Angaben schläft er nicht mehr als vier Stunden am Tag, "weil das nur Zeit kostet, die man bewusst erleben kann".

Was dabei hilft: zehn bis zwölf Dosen, des eigenen Getränks, die er pro Tag zu sich nimmt. So hat er es zumindest mal verbreiten lassen. Was vielleicht nur Marketing ist. Aber Marketing ist ja alles.

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