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Sebastian Vettel steigt nach einem Sieg aus seiner roten Göttin aus
Kimi Räikkönen sorgte 2007 für den letzten Fahrertitel für Ferrari © Getty Images

Vor dem Ungarn-GP ist bei Ferrari Ernüchterung eingekehrt. Vettels Angriff auf Mercedes ist einstweilen abgeblasen. Dafür bestimmt Kimi Räikkönen die Schlagzeilen.

Sebastian Vettel strahlte hinter der dunklen Sonnenbrille und lobte den Turbo-Motor seines offenen Ferrari. Dann ging es raus auf die Strecke.

Allerdings drehte der viermalige Weltmeister nur ein paar Runden durch Wiesbaden, den Rheingau und den Untertaunus - auf öffentlichen Straßen und in einem zivilen California T.

Die Absage des Deutschland-Grand-Prix hatte nicht nur den viermaligen Weltmeister zum Privatier gemacht. Aber immerhin konnte Vettel seinen Job bei den Italienern vor dem Großen Preis von Ungarn (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) wieder mal etwas genießen.

Ferrari unter Zugzwang

Denn spätestens seit Silverstone steht die Scuderia mächtig unter Zugzwang. "Das Glas ist halb leer, nicht halb voll", sagte Teamchef Maurizio Arrivabene angesichts des sehr glücklichen dritten Platzes von Vettel, der bei einsetzendem Regen mit einem Geistesblitz das Rennen für Ferrari rettete.

Doch anstatt sich auf die Weiterentwicklung des eigenen Boliden und die Jagd auf die dominierenden Silberpfeile mit WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und dessen Jäger Nico Rosberg konzentrieren zu können, muss sich die Scuderia ernsthaft mit der "K-Frage" beschäftigen. Vettel-Kumpel Kimi Räikkönen steht vor dem Aus - und die potenziellen Nachfolger in den Startlöchern.

Bianchi hätte auf Räikkönen folgen sollen

Vorgesehen dafür war der am vergangenen Wochenende verstorbene Jules Bianchi, das hatte Ferrari einen Tag vor dessen Beisetzung am Montag bekannt gegeben. Nun soll Räikkönens Landsmann Valtteri Bottas den bis dato letzten Ferrari-Weltmeister (2007) beerben.

Allerdings müsste Ferrari für den 25-Jährigen tief in die Tasche greifen, laut der italienischen Tageszeitung Gazzetta dello Sport ruft Bottas' derzeitiger Arbeitgeber Williams eine Ablöse von 18,5 Millionen Euro auf.

Eine preiswertere Option wäre wohl Nico Hülkenberg. Der Rheinländer, der schon häufiger mit der Scuderia in Verbindung gebracht wurde, wäre einem Engagement in Maranello nicht abgeneigt. "Klar ist das auch eine Option, an der ich interessiert bin, da sagt kein Fahrer Nein", erklärte der Force-India-Fahrer im ZDF.

Egal, ob Räikkönen wider Erwarten doch bleibt oder Bottas oder Hülkenberg kommt - solange Ferrari die Fahrerfrage für die kommende Saison nicht geklärt hat, wird Unruhe herrschen.

"Wir konnten nicht mithalten"

Vettel wird sich davon vermutlich wenig beeindrucken lassen, doch so richtig glücklich ist der Malaysia-Sieger derzeit nicht. "Wir müssen uns auf jeden Fall verbessern", sagte Vettel in Silverstone: "Wenn man sich die Abstände anschaut, dann konnten wir nicht mithalten. Wir waren langsamer als in den vorherigen Rennen."

Anstatt also die Silberpfeile zu jagen, müssen die Ferrari-Piloten vermehrt in den Rückspiegel schauen, denn Williams, bestückt mit Mercedes-Motoren, hat zur Jagd auf die Scuderia geblasen. Das Rennen in Budapest mit seiner fließenden, kurvigen Strecke sollte aber zumindest in der Theorie Ferrari besser liegen als den stark motorisierten Williams.

Doch ausgerechnet Sebastian Vettel, der sich in Maranello im Simulator auf das Rennen vorbereitete, hat überhaupt keine guten Erinnerungen an die üblichen Hitzeschlachten auf dem Hungaroring: Der viermalige Weltmeister ist noch ohne Sieg in Ungarn.

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