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Nizza - Bei der bewegenden Trauerfeier für Jules Bianchi nennt der Pfarrer den Unfalltod "unfair". Sebastian Vettel trägt seinen Beinahe-Teamkollegen im Sarg aus der Kathedrale.

"Adieu, kleiner Prinz", sagte Pfarrer Sylvain Brison am Ende seiner bewegenden Trauerpredigt für Jules Bianchi, "obwohl Jules nie auf einem Formel-1-Podium stand, bitte ich Sie, ihm jetzt ein letztes Mal zu applaudieren."

Gestandene Formel-1-Fahrer ließen ihren Tränen freien Lauf, als sechs ihrer Kollegen, unter ihnen Sebastian Vettel, Bianchis Sarg mit seinem Helm darauf zu den melancholischen Klängen des Chansons "Mistral Gagnant" aus der Kathedrale trugen.

In der nächsten Saison, so hatte Ferrari am Montag verkündet, wäre der hochtalentierte Bianchi Vettels Teamkollege geworden. "Sein Tod ist so unfair", sagte Pfarrer Brison.

Auch Prost und Todt unter den Trauergästen 

Schon lange vor der Trauerfeier im Herzen der Altstadt von Nizza hatten sich zahlreiche Menschen an den Absperrungen vor dem Haupteingang der Kathedrale versammelt. Zwei große Porträts von Bianchi in voller Rennfahrermontur waren an der Außenfassade des Gotteshauses angebracht.

Zu einer leisen Gitarrenversion des Eagles-Hits "Hotel California" betraten die Familie sowie engste Freunde und Fahrerkollegen des Franzosen die Kathedrale. Um 10.50 Uhr trugen sechs junge Nachwuchsfahrer Bianchis Sarg durch den Haupteingang.

Etliche Formel-1-Piloten waren unter den Trauergästen, neben Vettel unter anderem Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Felipe Massa, Jenson Button und Romain Grosjean. Ebenfalls dabei waren der viermalige Champion Alain Prost, FIA-Präsident Jean Todt und der französische Sportminister Thierry Braillard.

"Gesegnet mit großem Talent"

Pfarrer Brison erinnerte an einen "lebensfrohen Menschen, an einen jungen Champion, der mit einem großen Talent gesegnet war. Die Formel 1 war sein Glück, seine Erfüllung, gleichzeitig hatte er eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben."

Nach der Trauerfeier begleiteten Familie und engste Freunde den Sarg Bianchis zum Friedhof. Bianchis Landsmann Jean-Eric Vergne war sichtlich erschüttert. "Er war eine herausragende Persönlichkeit, auf und neben der Strecke", sagte Vergne im Gespräch mit Sky Sports F1: "Er ist jetzt der Größte, und er wird immer in unseren Herzen bleiben."

Am Dienstagmorgen hatten die Teams via Twitter an Bianchi erinnert und dazu Fotos des Franzosen gestellt. "Gott behüte dich, Jules. Du wirst bei allen Rennen bei uns sein", schrieb Mercedes. "Unsere Gedanken sind in Nizza, CIAOJULES", hieß es bei Red Bull.

Bereits einen Tag vor der Trauerfeier hatte der Automobil-Weltverband FIA beschlossen, Bianchis Startnummer 17 in der Formel 1 nicht mehr zu vergeben.

"Da die Startnummer mittlerweile von jedem Fahrer individuell ausgewählt wird und ihn dann während seiner gesamten Karriere begleitet, halten wir es für eine angemessene Geste, die Nummer 17 aus Respekt vor Jules Bianchi aus der Formel 1 zurückzuziehen", heißt es in einem Statement.

Der erste tödliche Unfall seit Senna 

Bianchi war in der Nacht zum Samstag rund neun Monate nach dem verheerenden Crash beim Großen Preis von Japan in Suzuka gestorben.

Am 5. Oktober 2014 war er auf regennasser Piste von der Strecke abgekommen und mit seinem Marussia unter ein Abschleppfahrzeug gerast.

Bianchi hatte bei dem Unfall schwerste Kopfverletzungen erlitten und seither im Koma gelegen. Er ist der erste Tote in der Formel 1 seit jenem schwarzen Wochenende 1994 in Imola, als Roland Ratzenberger und Ayrton Senna ums Leben kamen.

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