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Lewis Hamilton ist im Mercedes den Red Bull momentan noch klar überlegen © Getty Images

München - Mercedes überlegt, Red Bull mit Motoren zu beliefern. Das sportlich große Risiko könnte sich für die Schwaben aber auszahlen. Der größte Profiteur wäre aber nicht Red Bull.

Interlagos, 24. November 2013: Sebastian Vettel gewinnt im Red Bull gerade das neunte Rennen in Folge, der WM-Titel und die Konstrukteurswertung sind längst eingetütet.

Mercedes versucht seit Jahren erfolglos, die Österreicher einzuholen. Umso größer ist die Erleichterung, als dies 2014 - auch dank des neues Regelwerks - endlich gelingt. Nicht einmal zwei Jahre später überlegt Mercedes nun offenbar, den ehemals ärgsten Rivalen wieder stark zu machen, indem man ihn mit Mercedes-Motoren beliefert.

Da stellt sich die Frage: Warum? Die Fahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg sind von der Idee sicher nicht begeistert, denn das könnte ihre WM-Chancen deutlich minimieren. Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff begegnet der Überlegung des Daimler-Vorstands mit gemischten Gefühlen: "Als Teamchef merke ich an, dass es nicht ideal ist, einen Konkurrenten zu stärken, der weiß, wie man Siegerautos baut."

Ungarn-GP zeigt Red Bulls wahre Stärke

Ob Red Bull mit Mercedes-Motoren tatsächlich sofort wieder zum Sieganwärter würde, ist zwar reine Spekulation - doch der Hungaroring hat gezeigt, dass der Rückstand von Red Bull in erster Linie am Motorendefizit von Renault liegt. (Der Rennkalender der Formel 1)

Dort war bei einem Vollgasanteil von lediglich 45 Prozent weniger die Leistung der Aggregate gefragt - und sofort gab es zwei Podestplätze für Red Bull und die schnellste Rennrunde für Daniel Ricciardo.

Dessen übermütiges Manöver gegen Rosberg kostete den Australier nicht nur den Frontflügel, sondern auch die Chance, den späteren Sieger Sebastian Vettel zu attackieren.

Mutiger, aber wohl überlegter Schritt

Doch was bewegt Mercedes dann zu einem Schritt, der sie langfristig gesehen sogar WM-Titel kosten kann? Ein naheligender Grund ist natürlich das Geld. So bezahlen die Kundenteams aktuell zwischen 17 und 22 Millionen Euro für ein Antriebspaket. Man darf davon ausgehen, dass auch der Daimler-Konzern Red Bull nicht aus reiner Nächstenliebe hilft.

"Es ist ein guter Motor. Ich weiß, dass es diese Gespräche schon früher gegeben hat. Ob das Sinn macht, will ich nicht beurteilen", sagte der ehemalige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug auf SPORT1-Nachfrage.

Dazu kommt die Sponsorenwirkung. Mit Mercedes, Williams und Red Bull gebe es dann gleich drei mit Mercedes-Motoren ausgestattete Teams, die um Siege kämpfen. Lediglich Ferrari könnte verhindern, dass auf dem Podium nur noch Teams mit schwäbischen Motoren stehen.

Wolff kennt einen weiteren Grund, warum der Daimler-Vorstand mit einer Belieferung von Red Bull liebäugelt: "Wir würden mit einer hippen Marke eine Beziehung eingehen, die junge Leute anspricht und für Gewinnen steht."

Ein Gewinn für die Formel 1

Am meisten von dem Deal profitieren würde aber weder Mercedes, noch Red Bull - sondern die Formel 1. Die leidet in den letzten Jahren extrem unter der ständigen Überlegenheit eines einzelnen Teams. Ein packender Kampf zwischen Mercedes und Red Bull könnte wieder mehr Leute für den Sport begeistern, weiß Wolff: "Wir müssen die Balance wahren zwischen purem Egoismus und dem Wohl der Serie."

Durch spannendere Rennen würden die sinkenden Einschaltquoten und Zuschauerzahlen an den Strecken ebenso wie das Sponsoreninteresse wieder ansteigen, wovon auch Mercedes profitieren würde.

Ein kleiner sportlicher Vorteil bleibt Mercedes zudem: Zwar sind sich alle Kundenteams einig, dass sie den gleichen Motor wie das Mercedes-Werksteam bekommen. Doch der stellvertretende Force-India-Teamchef Robert Fernley weiß, dass man nicht jederzeit den gleichen Entwicklungsstand wie das Werksteam erwarten kann. Das Werksteam hat schließlich das Vorrecht, neue Entwicklungen mit einem kleinen zeitlichen Vorsprung zu erhalten.

Ein kleiner zeitlicher Vorsprung, der am Ende über den WM-Titel entscheiden kann.

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