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Für Tobias Wiltschek ist Sebastian Vettels Kritik an Ausrüster Pirelli notwendig
Für Tobias Wiltschek ist Sebastian Vettels Kritik an Ausrüster Pirelli notwendig © SPORT1 Grafik: Philipp Heinemann/imago

Die Verbalattacke von Sebastian Vettel gegen Pirelli ist weder überzogen noch unangebracht. Im Gegenteil: Sie kann zu Verbesserungen führen und damit Leben retten.

Es ist gerade einmal einen Monat her, als die Formel 1 innehielt.

Zahlreiche Fahrer und Teamchefs waren nach Nizza gekommen, um vom verstorbenen Jules Bianchi Abschied zu nehmen.

Auch Sebastian Vettel war da, er trug den Sarg des jungen Franzosen. Und er hatte damals schon gefordert, dass die Formel 1 nicht nachlassen dürfe in ihrem Bestreben nach noch mehr Sicherheit für die Piloten.

Wie aktuell dieses Thema bleibt, hat Vettel an diesem Rennsonntag in Belgien am eigenen Leib erfahren müssen.

Sichtlich erbost brachte er sein Entsetzen darüber zum Ausdruck, dass er beim Reifenplatzer an seinem Ferrari einem schweren Unfall nur um Haaresbreite entkommen war. Und er sprach, wenn auch indirekt, wieder vom Tod.

Wie ernst es ihm ist, zeigt sich auch daran, dass er seine Mahnung nicht sofort äußerte, also noch im unmittelbaren Eindruck des Geschehens. Nein, er hatte sich genau überlegt, was und wie er es sagte.  

Und der viermalige Weltmeister hat recht.

Die falsche Reifenstrategie - und das war bei Vettel der Fall - mag sich in Form von rutschenden, langsam auflösenden Reifen bemerkbar machen, aber auf keinen Fall darf sie zu einem lebensgefährlichen Zwischenfall führen.

Da ist es von Seiten des Reifenpartners auch viel zu wenig, darauf zu verweisen, dass die Teams auf dem Ardennenkurs mindestens zwei  Mal den Reifen wechseln sollten. Zumal auch der Pirelli-Ingenieur, der bei Ferrari während des Rennens den Reifenverschleiß beobachtete, keine Warnung aussprach.

Unterstützung bekam Vettel von seinem Landsmann Nico Rosberg. Auch der Mercedes-Fahrer entging am Freitag bei einem Reifenplatzer nur dank seines fahrerischen Könnens einem heftigen Einschlag in die Streckenbegrenzung.

Umso unverständlicher ist hingegen, wie Rosbergs Boss Niki Lauda sich offensichtlich nur aus Gründen der Vertragsraison auf die Seite von Pirelli schlägt und meint, man dürfe einen Partner so nicht kritisieren.

Man muss ihn sogar kritisieren. Nur Kritik führt zu weiteren Verbesserungen - und die können in der Formel 1 lebenswichtig sein.

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