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F1 Grand Prix of Singapore
Sebastian Vettel feiert in Singapur seinen dritten Saisonsieg © Getty Images

München - Auf seinem Lieblingskurs will Sebastian Vettel seine Aufholjagd fortsetzen. Der Ferrari-Pilot erwartet aber wiedererstarkte Silberpfeile. Das Wetter könnte ihm helfen.

Seine ersten Aussagen sollte man mit Vorsicht genießen.

Das hatte Sebastian Vettel selbst als eine Art Warnung an die Journalisten ausgegeben, nachdem er auf dem Podium in Singapur reichlich Champagner in sich hinein geschüttet hatte.

War ihm also, beschwipst vom Erfolg bei der nächtlichen Flutlichtshow, etwas Unüberlegtes herausgerutscht, als er sagte: "Wir haben noch eine kleine Chance auf die WM"?

Nein! Denn auch ein paar Tage nach seinem Siegesrauch will der Heppenheimer den Titel noch nicht abschreiben. "Wenn die Chance da ist, dann müssen wir sie nutzen", sagte Vettel auf der Pressekonferenz selbstbewusst - und wohl auch wieder komplett nüchtern.

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Glaube an das Wunder

Dabei wäre eine erfolgreiche Aufholjagd tatsächlich ein mittelschweres Wunder.

Der Abstand auf den WM-Führenden Lewis Hamilton ist mit 49 Punkten nach wie vor beträchtlich, und auch auf dessen zweitplatzierten Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg muss Vettel noch acht Punkte gutmachen. (DATENCENTER: Fahrerwertung)

Und er weiß selbst, dass das jüngste Rennen - wo Weltmeister Lewis Hamilton nicht ins Ziel kam und Nico Rosberg nur Vierter wurde - womöglich eine Ausnahmeerscheinung war: "Wir müssen realistisch bleiben, denn es war eine große Überraschung, dass Mercedes Probleme bekommen hat. Das erwarte ich hier nicht."

Aber, das hat er kurz zuvor via Bild klargestellt: "Man muss immer an das Unmögliche glauben, sonst ist man doch im Sport generell schon mal falsch." Mit diesem Glauben hat er selbst bereits zwei Mal - 2010 und 2012 - einen großen Rückstand aufgeholt und am Ende den Titel gewonnen.

"Japan ist meine Lieblingsstrecke"

Red Bull driver Sebastian Vettel of Germ
Mit Siegen in Suzuka kennt sich Sebastian Vettel bestens aus © Getty Images

Auch in Suzuka am kommenden Wochenende sollte er nicht chancenlos sein. "Japan ist meine Lieblingsstrecke, sie ist einfach großartig, schnell und fließend", schwärmt Vettel: "Wir kommen mit Rückenwind hierher und wollen das für uns nutzen. Ich hoffe, das Momentum bleibt auf unserer Seite. Wir entwickeln uns definitiv weiter."

Vier Siege hat er auf dem Traditionskurs schon geholt, stand in den vergangenen sechs Jahren ohne Unterbrechung immer auf dem Podest. Selbst in der sieglosen Seuchensaison 2014 reichte es im Red Bull zu Rang drei.

Im kühleren Japan sollte Mercedes aber zumindest mit den härteren Reifen besser zurechtkommen als in der Hitze von Singapur mit den weichen Pneus.

Wetter als Faktor

Auch Vettel selbst geht trotz des großen Entwicklungsschritts in Maranello davon aus, dass der Rivale nach wie vor das Maß der Dinge ist. (DATENCENTER: Teamwertung)

Zu dominant sind die Silberpfeile in dieser Saison aufgetreten, die im Normalfall eine halbe Sekunde pro Runde schneller als die Konkurrenz sind. Angesichts dessen musste Vettel einräumen: "Ich kann jetzt nicht nach Japan gehen und denken, das Rennen wird ein Selbstläufer."

Doch das Wetter in Suzuka könnte Vettel in die Karten spielen und dem WM-Kampf noch einmal spannend gestalten. Schon am Donnerstag regnete es ausgiebig und für die kommenden Tage ist ähnliches Wetter vorausgesagt. "Das Wetter könnte "für einige Überraschungen sorgen", glaubt auch Vettel, der als großer Regenspezialist gilt.

Über den Boxenfunk will Vettel aber selbst bei einem Sieg diesmal nicht singen. "Ich bin kein guter Sänger, vielleicht höre ich jetzt damit auf, nachdem es schon jeder gehört hat", sagte Vettel, der zuletzt mit einer eigenen Variante des 80er-Jahre-Kulthits "L'Italiano" von Toto Cutugno die Tifosi begeisterte.

Aber wer weiß, ob er bei einem erneuten Siegesrausch in Japan nicht doch noch einmal seine musikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellt.

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