vergrößernverkleinern
Lotus steht vor der Insolvenz
Lotus steht vor der Insolvenz © Getty Images

Reanault steht vor der Rückkehr als Werksteam schon im Jahr 2016. Die Franzosen werden die Mehrheit an dem vor der Insolvenz stehenden Team Lotus erwerben.

Am Donnerstag blieben bei Lotus vor lauter Schulden die Türen zu und die Küche kalt, vier Tage später naht die Rettung: Der französische Autobauer Renault macht ernst mit der Übernahme des Formel-1-Rennstalls und der Rückkehr als Werksteam in die Königsklasse des Motorsports.

Wie Renault bekannt gab, ist eine Absichtserklärung unterzeichnet worden, nach der die Franzosen die Mehrheit an dem vor der Insolvenz stehenden Team übernehmen.

In den kommenden Wochen sollen die entsprechenden Verträge ausgearbeitet werden, damit bereits in der Saison 2016 wieder ein Renault-Team an den Start gehen kann.

Das letzte Wort hat zwar Renault-Boss Carlos Ghosn, aber inzwischen scheint es auch auf oberster Ebene eine Annäherung mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone gegeben zu haben, der dem Weltmeisterteam von 2005 und 2006 zukünftig einen privilegierten Status einräumen, sprich mehr Geld rausrücken wird.

Zusammen mit der eigenen Kriegskasse und den rund 50 Millionen Dollar, die Pastor Maldonado als Pay-Driver auch in der kommenden Saison mitbringt, sehen sich die zuletzt arg gebeutelten Franzosen wohl in der Lage, mittelfristig an alte Erfolge anknüpfen zu können. Sogar der viermalige Weltmeister Alain Prost könnte einsteigen.

Ihr letztes Engagement als Team hatten die Franzosen 2011 beendet, seitdem waren sie als Motorenlieferant tätig. Nach vier Konstrukteurs- und vier Fahrertiteln mit Sebastian Vettel und Red Bull (2010 bis 2013) hatte Renault mit der Einführung der Turbo-Motoren 2014 allerdings den Anschluss verloren und steht seit knapp zwei Jahren ständig in der Kritik. Die Trennung von Red Bull war bereits vor der Lotus-Übernahme beschlossene Sache.

Für Renault schien es zuletzt nur zwei Alternativen zu geben: Ausstieg oder Einstieg, ganz oder gar nicht. Nicht nur Lotus, seit 2009 schrittweise Nachfolger des bisherigen Renault-Werkteams, stand als Übernahmekandidat auf der Liste, auch Force India oder Sauber wurden unter die Lupe genommen. Letztlich aber war klar: Nur noch Motoren-Lieferant wollte Renault auf keinen Fall bleiben. "Als Antriebslieferant wirst du nicht erwähnt, wenn du siegst. Aber wenn es Probleme gibt, dann wirst du kritisiert", hatte Ghosn erklärt.

Nun also die Flucht nach vorn. Der Zeitpunkt hätte für Lotus nicht passender sein können, schließlich stand eine Entscheidung im Insolvenzverfahren am London High Court an. Und die Peinlichkeit der wegen nicht bezahlter Rechnungen geschlossenen Hospitality beim Großen Preis von Suzuka machte wieder einmal mehr als deutlich, wie dünn das Eis ist, auf dem sich zahlreiche Akteure im Milliarden-Spiel Formel 1 bewegen.

Die Branche selbst kann nach dem Lotus-Deal bestenfalls kurz durchatmen, weder sind Verträge unterschrieben noch ist Geld gezahlt worden. Und solange ein möglicher Ausstieg von Red Bull wie ein Damokles-Schwert über der Königsklasse schwebt, kann von Entwarnung keine Rede sein. Aber das ist ein anderes Pokerspiel, das in anderen Hinterzimmern entschieden wird.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel