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Carlos Sainz jr. überstand seinen schweren Unfall in Sotschi unverletzt
Carlos Sainz jr. überstand seinen schweren Unfall in Sotschi unverletzt © Getty Images

Nach der Unfallserie in Sotschi entbrennt in der Formel 1 eine Sicherheitsdebatte. Auch Fahrer und Teams tragen Mitschuld an den Vorfällen. Vettel fordert eine Änderung.

Die Schutzengel hatten am Wochenende beim Russland-GP Dauereinsatz. Dass bei rekordverdächtigen fünf gefährlichen Vorfällen in Sotschi nichts Schlimmeres passierte, grenzt an ein Wunder.

Der schockierendste Unfall ereignete sich dabei direkt zu Beginn des Rennwochenendes, als Carlos Sainz jr. im 3. Training mit rund 150 km/h in die Streckenbegrenzung einschlug.

Da sich der Toro Rosso unter die TecPro-Barrieren gebohrt hatte, dauerte es 20 Minuten, ehe sich die Helfer zu Sainz durchgekämpft hatten - dabei kann im Ernstfall jede Sekunde zählen.

Vettel fordert Konsequenzen

Diese Techpro-Barrieren sorgten dafür, dass Sainz seinen Horrorcrash fast unverletzt überstand
Diese Techpro-Barrieren sorgten dafür, dass Sainz seinen Horrorcrash unverletzt überstand © Getty Images

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel fordert deshalb Konsequenzen. "Es war schockierend zu sehen, dass er so tief in der Bande steckte. Der Sinn der Barriere ist nicht, dass sie auf deinem Auto liegt, darüber müssen wir uns Gedanken machen", sagte Vettel. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung)

Zumindest ihren Hauptzweck erfüllten die Barrieren allerdings: Trotz des heftigen Einschlags, bei dem sogar die Leitplanken hinter den Barrieren völlig verbogen wurden, blieb Sainz unverletzt.

Auch im Rennen erfüllten sie ihren Dienst, als das Heck beim Lotus von Romain Grosjean blockierte, wodurch der Franzose nahezu ungebremst in die Barrieren einschlug.

"Ich sah die Mauer immer näherkommen und wusste, dass es ein sehr harter Einschlag werden wird", sagte Grosjean zu dem Unfall, bei dem er nach eigenen Angaben die Augen schloss und nur noch auf den Aufprall wartete: "Als ich meine Augen öffnete, war ich froh, in Ordnung zu sein."

Gefährlicher Ehrgeiz der Fahrer

Auf der Jagd nach Punkten und Preisgeld unterschätzt offenbar auch der eine oder andere Fahrer und Verantwortliche die allgegenwärtige Gefahr in der Formel 1. Jedenfalls kann man geteilter Meinung sein, ob es von Toro Rosso vernünftig war, Sainz am Sonntag starten zu lassen.

Im Rennen war dem Spanier zwar direkt keine Beeinträchtigung anzumerken, doch hinterher gab der Spanier zu, dass ihm zu Beginn leicht schwindelig war.

Seinen enormen Ehrzeiz unterstrich er, als er trotz glühender Vorderradbremsen versuchte, sich noch an die Box zu schleppen. Erst nach dem zweiten kapitalen Dreher, bei dem er nur knapp an einem erneuten Einschlag vorbeischrammte, kam Sainz zur Vernunft und gab auf.

Streckenposten sorgt für Schrecksekunde

Damit hatte Sainz nicht nur sich, sondern auch die anderen Piloten in Gefahr gebracht. Denn beim Versuch sich mit dem beschädigenden Heckflügel in die Box zu retten, verlor Sainz ein Seitenteil.

Die FIA wollte offenbar kurz vor Schluss nicht noch einmal mit einem Safety Car ins Renngeschehen eingreifen, weshalb ein Streckenposten das Autoteil vom Kurs holen musste.

Dass dieser letztendlich den heranrauschenden Vettel übersah und sich gerade noch rechtzeitig hinter die Leitplanke retten konnte, ist zwar allein die Schuld des Marshalls. Dennoch hätte diese Szene leicht vermieden werden können.

"Dann ist es schnell ein Riesenabflug"

Auch bei Nico Rosberg fragt man sich, wie gefährlich es war, den Mercedes-Piloten mit dem gebrochenen Gaspedal weiterfahren zu lassen. Zwar gab das Team Entwarnung, dass die Elektronik des Autos im Ernstfall automatisch Gas wegnehmen und so einen Unfall verhindern würde – doch als der Ernstfall eintrat, konnte Rosberg trotzdem keine Kurve mehr fahren.

"Da ging das Gas auch immer in den Kurven. Ich konnte nie auf Null gehen, hatte immer Restgas. Irgendwann war es so viel, dass ich immer geradeaus gefahren bin", schilderte Rosberg die kritischen Szenen vor seiner Aufgabe: "Wenn man bremst und das Gas hängt, ist es schnell ein Riesenabflug."

Am Ende sind alle Beteiligten in Sotschi mit dem Schrecken davon gekommen. Dennoch müssen sich die FIA, Teams und Fahrer überlegen, wie man die Sicherheit weiterhin erhöhen kann.

Nur auf die Schutzengel zu verlassen, könnte eines Tages zu wenig sein.

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