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AUTO-PRIX-F1-ABU-DHABI-PRACTICE
Sebastian Vettel nimmt das letzte Saisonrennen von Startplatz 16 in Angriff © Getty Images

München - Dem Eklat um Ferraris Teamchef Arrivabene folgt im Qualifying von Abu Dhabi ein Strategiefehler. Vettel verzichtet auf Kritik, kann aber den Schaden nur noch begrenzen.

Wollte man es humoristisch sehen, könnte man Maurizio Arrivabene Absicht unterstellen.

Schließlich hatte der Ferrari-Teamchef schon zu Saisonbeginn angekündigt, bei vier Siegen von Sebastian Vettel "barfuß auf die Hügel von Maranello" zu laufen.

Dieser strapaziöse Fußmarsch rund um den Firmensitz der Scuderia wird ihm nun aller Voraussicht nach erspart bleiben - zu den drei Erfolgen 2015 dürfte keiner mehr hinzukommen.

"Ein riesiger Fehler"

Doch erleichtert war Arrivabene nach diesem peinlichen Auftritt im Qualifying von Abu Dhabi überhaupt nicht. "Ein riesiger Fehler unsererseits hat es für Sebastian unmöglich gemacht, weiter als in Q1 zu kommen", erklärte er die Blamage schmallippig.

Ausführlicher sprach Vettel selbst über den fatalen Fehler seines Teams, der ihn den Einzug in den zweiten Qualifikationsdurchgang kostete. "Ich habe die Runde angefangen, aber wir dachten, es würde reichen, deshalb habe ich sie abgebrochen", sagte der Heppenheimer, der Q2 um zwölf Tausendstelsekunden verpasste und nur von Platz 16 aus ins Rennen (ab 13.45 Uhr im LIVETICKER, Highlights ab 20.15 Uhr im TV auf SPORT1) gehen wird.

"Als wir das gemerkt haben, war es zu spät", erklärte er den gescheiterten Versuch, den Reifen für den zweiten Quali-Abschnitt zu schonen.

Vettel verzichtet auf Schuldzuweisungen

Doch allzu hart wolle Vettel mit den Verantwortlichen für diese Entscheidung nicht ins Gericht gehen, zumindest nicht öffentlich. "Es ist nicht die richtige Zeit, jemanden in die Pfanne zu hauen. Wir hatten gute Momente, der heute war weniger gut, aber da muss man eben durch."

Dabei ist den Chefstrategen der Scuderia ein solcher Fehler nicht zum ersten Mal unterlaufen. Im vergangenen Jahr beim Ungarn-GP hieß der Leitragende noch Kimi Räikkönen.

Vielleicht aber wollte Vettel auch deshalb nicht noch zusätzliches Öl ins Feuer gießen, weil sein Teamchef an diesem Wochenende ohnehin schon mächtig in der Kritik steht.

Arrvibene hatte sich am Freitag einem Kameramann gegenüber angeblich gewaltig im Ton vergriffen. "Tu das noch einmal, und ich schneide dir deinen verdammten Kopf ab", soll er laut dem Fotografen gedroht haben, als dieser die Ferrari-Garage filmen wollte.

Der Tweet des Fotografen Darren Heath, durch den der Zwischenfall publik wurde, ist inzwischen gelöscht.

Ferrari sprach von einem "normalen Zwischenfall" in einer Formel-1-Box, bei dem ein Kameramann den Abläufen im Weg gestanden habe.

Rosberg genießt seinen Lauf

Ganz anders als bei Ferrari ist die Stimmung verständlicherweise bei Nico Rosberg, der das Qualifying vor Lewis Hamilton und Räikkönen gewann. "Normalerweise bin ich nicht allzu überschwänglich, wenn ich auf der Pole stehe", sagte der Mercedes-Pilot nach seiner sechsten Pole-Position in Folge: "Aber diesmal war es schon ein cooles Gefühl."

Seine letzte Runde "fühlte sich absolut fantastisch an", sagte Rosberg, der seine derzeitige Dominanz im teaminternen Duell mit Lewis Hamilton durchaus genießt: "Ich freue mich auch sehr, dass ich an den letzten paar Rennwochenenden schneller war als Lewis."

Sollte er auch in Abu Dhabi die Pole zum Sieg nutzen können, würde er erstmals in seiner Karriere drei Rennen in Folge gewinnen.

Hoffnung auf Aufholjagd

Und Vettel? Der macht den Ferraristi zumindest Mut auf eine starke Aufholjagd, wie sie ihm in diesem Jahr in Montreal und Austin schon geglückt ist.

"Es ist möglich, hier zu überholen, und wir haben ein schnelles Auto", sagte der viermalige Weltmeister. "Das wird ein langes Rennen, und wir haben einige Autos vor uns, die langsamer sein dürften als wir."

Doch an seinen vierten Saisonsieg wird auch Vettel selbst nicht mehr glauben.

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