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Für Sebastian Vettel reichte es in Melbourne nach starkem Start nur zu Rang drei © Imago

München - Nach dem Alonso-Crash entscheidet sich das Vettel-Team in Melbourne für die falsche Taktik. Der Teamchef gesteht den Fehler ein. Vettel gibt sich dennoch angriffslustig.

Wo war das charmante Lächeln hin, wo die Coolness des ehemaligen Marlboro-Managers?

Alles war wie weggewischt aus dem Gesicht von Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Stattdessen zeigte der charismatische Italiener seine kantige, bissige Seite. "Auch wir haben das Recht, eine aggressive Strategie zu wählen", blaffte der Italiener die fragende Reporterschar an.

Der 59-Jährige wusste, dass sein Starpilot Sebastian Vettel den Auftakt in Melbourne hätte gewinnen können. Er wusste aber auch, dass sich die Taktik des Teams nach dem Neustart wegen des Unfalls von Fernando Alonso im Nachhinein als falsch erwiesen hat.

Re-Start zwingt Ferrari zum Pokern 

Bis zu dieser ominösen 18. Runde sah es sehr gut aus für Vettel, der nach einem fantastischen Start beide Mercedes-Rivalen überholen und einen kleinen Vorsprung herausfahren konnte.

"Der Start war ein Wahnsinn. Er hat mich an Ungarn im Vorjahr erinnert. Das war gut, denn an der Spitze kann man das Tempo viel besser kontrollieren", freute sich Vettel, der im ersten Stint bis zu vier Sekunden zwischen sich und die silbernen Verfolger legen konnte.

Dann aber überschlug sich Alonso, das Rennen wurde längere Zeit unterbrochen, viele Piloten ließen sich die harten Reifen aufziehen, um auf einen weiteren Stopp bis zum Ende des Rennens zu verzichten. Nur die Scuderia tat nichts, ließ Vettel auf den weichen Reifen weiterfahren.

"Es kann auch schief laufen"

"Wir fanden, wir müssen etwas aggressiver sein als Mercedes, um unsere Siegchancen wahren zu können", sagte Arrivabene. "Wir wussten zu diesem Zeitpunkt auch - diese Rechnung kann aufgehen, es kann aber auch schief laufen."

Nur wenige Runden nach dem Re-Start stellte sich heraus: Es würde tatsächlich schiefgehen. Während Nico Rosberg und Lewis Hamilton auf den härteren Reifen einen weiteren Doppelsieg für die Silberpfeile herausfuhren, fiel Vettel nach dem erforderlichen Boxenstopp zurück und konnte das Führungsduo nicht mehr wirklich attackieren.

"Wir haben nicht erwartet, dass sie auf die härteste Mischung wechseln und mit dem Medium-Reifen durchfahren", zeigte sich Vettel überrascht von der Mercedes-Taktik: "Wir haben versucht, auf eine aggressive Strategie zu setzen. Das ist leider nicht aufgegangen."

Fahrfehler von Vettel

Die letzte Chance, zumindest Platz zwei zu ergattern, warf Vettel dann ein paar Runden vor Schluss selbst weg. Beim Versuch, Hamilton noch zu kassieren, leistete er sich einen Fahrfehler und drehte sich von der Strecke.

Sein Teamkollege Kimi Räikkönen war zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr mit von der Partie. Bereits nach 22 Runden musste der "Iceman" den Grand Prix aufgeben. Der Finne rollte in seinem rauchenden Boliden in die Boxengasse und beendete das Rennen vorzeitig.

"Wind hat sich gedreht"

Diese eher mäßige Bilanz kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ferrari gegenüber Mercedes im vergangenen Winter weiter aufgeholt hat.

"Der Wind hat sich gedreht. Ferrari hat einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht", jubelt der Corriere dello Sport. Und bei Tuttosport heißt es: "Die Mercedes-Domäne ist gebrochen."

Vettel selbst wagte bereits in Melbourne eine Kampfansage für das nächste Rennen in zwei Wochen: "Wir hoffen, dass wir in Bahrain ähnlich stark sind oder sogar noch ein wenig stärker und Nico und Lewis endlich mal richtig ärgern können."

Wenn dann auch die Strategie passt. Warum nicht?

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