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Sebastian Vettel gratulierte Max Verstappen nach dem Rennen in Barcelona zum Sieg
Sebastian Vettel gratulierte Max Verstappen nach dem Rennen in Barcelona zum Sieg © Getty Images

Ferraris Angriff auf Mercedes bleibt aus, dafür trumpft das Ex-Team von Sebastian Vettel auf. Der flüchtet sich in Oranje-Humor und kriegt in Italien Gegenwind.

Die übermächtigen Silberpfeile waren endlich außer Gefecht, doch mit dem ersten Sieg wurde es wieder nichts für Sebastian Vettel - ein schneller Teenager aus Holland stahl ihm die Show.

Da flüchtete sich der Ferrari-Star in Galgenhumor. "Ich habe gehofft, dass er mit einem Wohnwagen hinten dran aus der Box kommt, mit gelben Nummernschildern", sagte Vettel: "Dann wäre er vielleicht etwas langsamer geworden. Aber leider sind wir nicht auf der Autobahn."

Max Verstappen hatte Vettel beim Großen Preis von Spanien nicht nur den Status als jüngster Formel-1-Sieger der Geschichte abgenommen, er hatte zugleich auch das große Problem der Scuderia offengelegt.

Statt wie gewünscht den Branchenführer Mercedes anzugreifen, muss sich Ferrari im Jahr 2016 erst einmal mit Red Bull Racing herumschlagen - Vettels Ex-Rennstall findet langsam zurück zu alter Stärke. Und so war es Verstappen, der den Crash von Nico Rosberg und Lewis Hamilton und damit das Doppel-Aus von Mercedes zum Sieg nutzte.

Kritik von der italienischen Presse

Die Zeitung La Stampa legte den Finger in die Wunde, nachdem Vettel den Ferrari nur auf Rang drei gestellt hatte: "Mercedes verschwindet, und Vettel gelingt trotzdem nicht der Sieg. Wann wird er wieder so eine Gelegenheit haben? Vettel verfehlt die richtige Strategie und verschwendet eine weitere Chance. Wie viele Gelegenheiten hat Vettel in dieser Saison schon verloren!"

Dramatisieren wollte der Deutsche das Ergebnis freilich noch nicht. "Wir waren eigentlich etwas schneller, wir haben uns aber schwer getan vorbeizukommen", sagte er zurecht. (Datencenter: Die Teamwertung)

In Barcelona ist das Überholen schwierig, auf einem anderen Kurs hätte Ferrari vielleicht in der Tat Erfolg gehabt: "Es ist hart, wenn der Sieg auf dem Tablett liegt, aber man ihn nicht greifen kann."

Eine Tendenz ist nicht zu übersehen: Red Bull kommt immer näher und nutzt Ferraris Schwächen zuletzt gnadenlos aus - genau so, wie es die Scuderia sich eigentlich mit Mercedes vorgenommen hatte. Vor den Augen des stets kritischen, stets fordernden Konzernchefs Sergio Marchionne erwuchs den Roten in Barcelona damit ein neuer Gegner.

Trübe Aussichten für nächste Rennen

Und der gibt Vettel und Co. auch mit Blick auf die kommenden Rennen durchaus Anlass zur Sorge. Auf einigen der nun anstehenden Strecken hatte sich Ferrari gute Chancen ausgerechnet, näher an Mercedes heranzurücken. Eben dies beansprucht jetzt auch Red Bull für sich, und dafür gibt es gute Gründe. (Datencenter: Der Rennkalender)

Die starken Piloten Verstappen und Daniel Ricciardo sind in der Lage, gutes Material zu veredeln, und genau das bietet ihnen ihr Rennstall derzeit. Das traditionell starke Red-Bull-Chassis erwies sich schon in den kurvigen Sektoren von Barcelona als Waffe, auf Kursen wie Monaco und Budapest dürfte es erst richtig gut zur Geltung kommen.

Dazu kommt in einigen Wochen die neue Ausbaustufe des Renault-Verbrennungsmotors ins Auto, schon in diesen Tagen wird sie bei den Tests in Barcelona ausprobiert - und vom neuen Antrieb verspricht sich Red Bull eine ganze Menge.

"Mit dem Upgrade und unserem guten Chassis könnte es auf einigen Kursen reichen, um Mercedes anzugreifen", sagt Ricciardo, "auf den engen, kurvigen Strecken haben wir eine echte Chance."

Gazetten warnen vor Wachablösung

Der Corriere dello Sport warnte voller Unbehagen vor "Baby-Roboter Verstappen". Eine Wachablösung sei bereits im Gange, schrieb das Blatt.

Eine Piloten-Generation sei heute "kürzer als die Lebenszeit eines Smartphones. Gestern war noch Sebastian Vettel der Jüngste in der Formel 1, doch in zehn Jahren ist er mit vier Weltmeister-Titeln zum alten Jungen geworden. Nun ist Verstappen der jüngste Formel-1-Sieger aller Zeiten."

Sebastian Vettel wird all das mit Unbehagen verfolgen. Siege seines früheren Arbeitgebers haben ihm in dieser schwierigen Saison gerade noch gefehlt.

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