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Nico Rosberg gewann das Rennen in Baku klar vor Sebastian Vettel
Nico Rosberg gewann das Rennen in Baku klar vor Sebastian Vettel © Getty Images

München und Baku - Nico Rosberg schlägt im WM-Kampf eindrucksvoll zurück. Dabei beweist er auf der "Männerstrecke" neue Qualitäten und teilt mehrfach gegen Lewis Hamilton aus.

Es ist gerade einmal eine Woche her, als Nico Rosberg die Champion-Mentalität abgesprochen wurde.

Rosberg hatte zuvor innerhalb kürzester Zeit seinen großen Vorsprung in der Fahrerwertung auf Hamilton fast verspielt und wurde von diesem in Montreal mit einem harten Manöver erneut in die Schranken verwiesen. Dass Rosberg nun ausgerechnet auf der "Männerstrecke" in Baku den wiedererstarkten Hamilton bezwingen könnte, glaubten die Wenigsten.

Doch der Vizeweltmeister strafte seine Kritiker Lügen. Während Hamilton den coolen Macker gab, keinen Bock auf den Simulator hatte und seinen Teamkollegen für dessen Sicherheitsbedenken belächelte, schlug Rosberg gleich eindrucksvoll zurück.

Rosberg watscht Hamilton ab

Noch bemerkenswerter als Rosbergs souveräner Sieg war dabei, dass er Hamilton nicht nur sportlich, sondern auch verbal abwatschte, wie nie zuvor. Rosberg machte klar, dass er sich von Hamilton nichts mehr gefallen lässt - auf der Rennstrecke oder abseits (Die Fahrerwertung).

Die erste Ohrfeige für Hamilton setzte es bereits am Freitag im Fahrerbriefing. Nachdem Hamilton bereits zuvor seine Fahrerkollegen, die wie Rosberg Sicherheitsbedenken äußerten, als Jammerlappen beschimpft hatte, lederte er diesmal gegen Max Verstappen, der sich über die gefährliche Boxeneinfahrt beschwerte.

Laut dem anwesenden FIA-Rennkommissar Derek Daly stand Rosberg daraufhin auf und erinnerte Hamilton daran, dass er kurz zuvor im Mercedes-Teambriefing selbst noch Bedenken geäußert hatte.

Hamilton soll demnach gesagt haben, dass er sich "beinahe in die Hosen gemacht" hätte, weil die Boxeneinfahrt in Baku so schnell sei. Ein peinlich berührter Hamilton musste daraufhin lautes Lachen der Kollegen erdulden.

Perfekter Konter nach Montreal

Nach dem Qualifying gab es den nächsten Seitenhieb in Richtung Hamilton. Fast beiläufig erwähnte Pole-Setter Rosberg, dass er noch schneller gekonnt hätte, aber wegen Hamiltons Fehler die erste Runde abbrechen musste. Ein direkter Konter auf Hamilton, der nach Rosbergs Fehler im Qualifying von Montreal vollmundig behauptet hatte, dass er noch schneller gekonnt hätte, wenn er gemusst hätte.

Nur kurze Zeit später folgte Rosbergs nächste Spitze. In einer Presserunde auf die Sicherheitsbedenken angesprochen, antwortete Rosberg: "Wir denken in diesem Sport immer an Sicherheit. Manche mehr als andere."

Natürlich ist Rosberg so clever, Hamilton nicht namentlich anzuprangern und sich dafür von Mercedes einen Rüffel einzufangen – dennoch ist allen klar, dass sich bei dieser Aussage vor allem sein Teamkollege angesprochen fühlen sollte.

"Das Problem war zu lösen"

Beflügelt von seinem Sieg und dem Ausbau der WM-Führung verpasste er Hamilton nach dem Rennen dann noch einmal eine letzte Ohrfeige. Denn, was viele nicht mitbekamen: Nicht nur der ständig über Funk jammernde Hamilton hatte Setting-Probleme, sondern auch Rosberg. Während dieser sie jedoch in Windeseile löste, benötigte Hamilton dafür zwölf Runden.

Rosbergs süffisanter Kommentar dazu: "Ich bin nicht sicher, aber ich denke, ich hatte das gleiche Problem. Mit der richtigen Schalterkombination war das Problem aber zu lösen." Ob bewusst oder nicht: Mit der Äußerung gab Rosberg den Leuten Nahrung, die Hamilton vorwerfen, nur schnell fahren zu können und von Technik wenig Ahnung zu haben.

Das Image des braven Jungen dürfte Rosberg nach dem Wochenende damit endlich abgelegt haben. In der harten Formel-1-Welt könnte das der entscheidende Schritt auf dem Weg zum ersten WM-Titel sein.

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