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Nico Rosberg (r.) wurde 2014 Vizeweltmeister hinter Lewis Hamilton
Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist derzeit nicht gut zu sprechen auf Nico Rosberg © Getty Images

München - Durch sein Manöver gegen Lewis Hamilton riskiert der Silberpfeil-Pilot seine Zukunft bei Mercedes. Rosberg muss jetzt liefern - oder gehen. Der Boss bittet zum Rapport.

Mit dem Respekt von Sportlern ist das manchmal so eine Sache. 

Fußballern fällt es gemeinhin leichter, sich Anerkennung auf dem Platz zu verschaffen. Mitunter genügt eine beherzte Attacke in die Parade des Gegners - und die Achtung gebührt ihnen. 

Vielleicht dachte Fußball-Fan Nico Rosberg daran, als ihm Mercedes-Kollege Lewis Hamilton beim Österreich-Grand-Prix vergangenen Sonntag einmal mehr in die Quere kam. 

Rosberg ließ es krachen - und scheiterte. Sein hartes Manöver von Spielberg könnte für den Deutschen aber noch weitaus verheerendere Folgen haben als für seinen demolierten Boliden.

Hamilton und Rosberg zum Rapport

Er ist jetzt gezwungen, Hamilton in dieser Saison zu besiegen. Dass er ein weiteres Jahr ohne Titel bei den Silberpfeilen übersteht, ist nach Stand der Dinge schwer vorstellbar. Eine Lage, in die sich der 31-Jährige selbst gebracht hat. 

Bisher stellten die Mercedes-Verantwortlichen klar, dass sie Rosbergs auslaufenden Vertrag verlängern wollen, die neuerliche Eskalation könnte sie jedoch zum Umdenken bewegen. Am Donnerstag traten beide Streithähne zum Rapport an. "Toto (Motorsportsportchef Wolff, Anm. der Red.) wird mit Lewis und Nico Klartext reden", sagte Aufsichtsrat Niki Lauda bei auto, motor und sport.

Mercedes-Bosse sauer

Rosberg galt lange als smarter Vorzeige-Fahrer des Rennstalls. Das Gegenstück zu Bad Boy Hamilton, der Selfies und private Yacht-Partys Sponsoren-Terminen vorzieht. 

Rosberg war wie gemacht als Vorzeigefigur für die Marke Mercedes. Aus diesem Grund holten sie ihn einst an Bord. Inzwischen hegen aber selbst seine Bosse Zorn auf ihn. 

Nach dem Unfall in Österreich wetterte Wolff: "Das war hirnlos. Wir hätten leicht beide Autos verlieren können. Wir können das als Team nicht akzeptieren." 

Seine Schelte zielte noch nicht direkt auf einen Fahrer ab. Lauda wurde da schon deutlicher: "Wenn du Weltmeister werden willst, musst du als Fahrer auch einmal nachgeben können", sagte er.

Eine Standpauke, die klar an den Meisterschaftsführenden Rosberg gerichtet war. Dieser hatte in der Vergangenheit im Zweifel immer zurückgesteckt und Erzrivale Hamilton den Vortritt gelassen.

Die Mercedes-Oberen lobten ihn für dieses Verhalten lange in höchsten Tönen. Rosberg stellte sich und seine Ambitionen im Zweifel hinten an. Ganz der Teamplayer eben. Smart, aber was Titel angeht: erfolglos.

Von Hamilton brüskiert

Von diesem Dasein hatte er nach dem Grand Prix in Monaco Ende Mai endgültig genug. Ausgerechnet in Rosbergs Heimrennen machten ihm technische Probleme zu schaffen. Selbstlos ließ er den Teamkollegen passieren und ermöglichte Hamilton so den Sieg im eigenen Wohnzimmer.  

Bei der Siegerehrung nahm ihn Hamilton in den Arm, dankte seinem Silberpfeil-Kollegen für dessen Unterstützung. Rosberg habe sich "wie ein Gentleman" verhalten, lobte Hamilton.

Gentleman. Schlimmer kann man einen Rennfahrer, einen Titelkonkurrenten nicht diskreditieren. Die Fürstenfamilie, die gesamte Weltöffentlichkeit war Zeuge.

Erinnerungen an Coulthard

Womöglich schimmerte Rosberg in jenem Moment, dass sein Image eines Wandels bedarf. Um das eigene Ansehen zu wahren. Nur suchte er sich den denkbar falschesten Zeitpunkt aus. Und die falsche Strategie.

Bei Mercedes haben sie noch nie still gehalten, wenn sich die Fahrer auf der Strecke zu nah kamen. Als sich Mika Häkkinen und David Coulthard, einst zwei gleichberechtigte Fahrer, wiederholt von der Piste kegelten, wurde der Schotte zur Nummer zwei degradiert. Er verblieb wohl nur deshalb im Team, weil Häkkinen wenig später seine Karriere beendete.

Rosberg droht nun ein noch übleres Schicksal. Hamilton ist noch bis 2018 an den Rennstall gebunden. Beide tun einiges dafür, damit es keine gemeinsame Zukunft gibt.

Nur: Welchen Grund sollte Mercedes haben, einen dreifachen Weltmeister zugunsten des bislang titellosen Rosberg ziehen zu lassen? 

Möglich, dass sich diese Frage nach dem letzten Rennen in Abu Dhabi, wenn Hamilton in der Titelwertung auf 4:0 gestellt hat, von selbst beantwortet.

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