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Sebastian Vettel fährt seit 2015 für Ferrari
Sebastian Vettel fährt seit 2015 für Ferrari © Getty Images

Die Bedienung eines Formel-1-Boliden wird immer komplexer, die Regulierung aber auch. Sebastian Vettel ledert gegen den neuen Kurs der FIA und spricht von Panik.

Sebastian Vettel lächelte, er hatte auf diese Frage gewartet. Der Ferrari-Pilot ließ seinen Blick über die versammelten Pressevertreter schweifen, legte noch eine Kunstpause ein, und dann nahm er das neue Funk-Reglement in der Formel 1 genüsslich auseinander.

"Es ist kompletter Bullshit", sagte der viermalige Weltmeister, "all diese Probleme, die wir mit dem Boxenfunk hatten, sind ein Witz. Wir bewegen uns da in die falsche Richtung."

Vettel als Wortführer der Königsklasse

Vettel ist im Rahmen des Großen Preises von Ungarn (Sonntag, ab 14 Uhr im LIVETICKER) mal wieder Wortführer der Königsklasse. Er sagt seine Meinung - und er spricht für zahlreiche Piloten, die unzufrieden sind mit den jüngsten Entscheidungen des Weltverbandes FIA.

Vor zwei Wochen hatte das noch junge Funkverbot seinen ersten großen Auftritt, als WM-Spitzenreiter Nico Rosberg wegen unerlaubter technischer Anweisungen durch seine Boxencrew eine Zeitstrafe aufgebrummt bekam. Nicht nur das Mercedes-Team beklagte anschließend eine "Überregulierung des Sports". Eine Aufweichung der Regeln zum Boxenfunk wurde von vielen Seiten gewünscht - die FIA entschied sich für das Gegenteil.

Ab dem Rennen auf dem Hungaroring sind auch Informationen über technische Probleme am Auto verboten, es sei denn, der Fahrer steuert im Anschluss die Box an oder beendet das Rennen vorzeitig. Anweisungen zum Umgang mit der hochkomplexen Technik sind weiterhin nicht erlaubt.

Die Piloten sind sich einig

Nicht nur Vettel kritisiert das, sein Teamkollege Kimi Räikkönen, Weltmeister Lewis Hamilton und Fernando Alonso äußern sich ähnlich.

Zum einen habe der Boxenfunk durchaus seinen Teil zur Unterhaltung beigetragen. "Panische Fahrer, panische Ingenieure, das war doch unterhaltsam und auch menschlich in einem sehr technischen Sport", höhnte Vettel und wies erneut auf das aus seiner Sicht eigentliche Problem hin: "Wenn man etwas ändern will, dann soll man die Autos ändern: Weniger Knöpfe am Lenkrad, einfachere Technik."

Denn das Steuergerät im modernen Formel-1-Auto gleicht mittlerweile dem Kontrollpult einer Boeing 747. Unzählige bunte Knöpfe und ein großes Display erlauben unzählige Veränderungen, unter anderem an der Einstellung des Hybrid-Antriebs, der Bremsbalance, des Getriebes.

"Da lerne ich lieber Chinesisch"

Seit 20 Jahren wird es auf den Lenkrädern immer unübersichtlicher, die Formel 1 verwandelte sich insgesamt in einen höchst technischen Sport. Die Box als Kommandozentrale erhielt eine ganz neue Bedeutung, wertete Daten aus, aufgrund dieser funkten die Software-Experten dem Fahrer Anweisungen in seinen rasenden Computer.

Das Rennen wurde damit immer mehr zum Gemeinschaftsprojekt von Fahrer und Crew - nun sollen die Piloten die Aufgaben plötzlich alleine lösen. Weil der Fan es so will, erklärt die FIA. Vettel und Co. dagegen bezweifeln, dass der Zuschauer selbst noch versteht, was der Fahrer da nun bewältigen muss.

"Es gibt mehr als 500 Verstellkombinationen am Lenkrad", sagt Haas-Pilot Romain Grosjean, "wie soll man sich das merken? Da lerne ich lieber Chinesisch."

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