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F1 Grand Prix of Great Britain - Practice
Sebastian Vettel sprach sich klar für die Einführung des Halo aus © Getty Images

Hockenheim - Der Wunsch der Fahrer bleibt ungehört, die Formel 1 entscheidet sich gegen den Cockpitbügel Halo. Funkverbot und Track Limits werden abgeschafft. SPORT1 erklärt die Entscheidungen.

Die Worte von Sebastian Vettel waren eindringlich. "Nichts rechtfertigt den Tod", hatte der viermalige Weltmeister bei der Auftaktpressekonferenz zum Großen Preis in Hockenheim (Qualifying Sa., ab 14 Uhr im LIVETICKER, Rennen So., ab 14 Uhr im LIVETICKER) gesagt und noch einmal ausdrücklich für die schnelle Einführung des Cockpitbügels Halo - zu deutsch: Heiligenschein - plädiert.

Doch Vettels Mahnung blieb ungehört. Im entfernten Genf sprach sich die Strategiegruppe der Formel 1 gegen den Halo aus und schwenkte somit auf Konfrontationskurs zu den Piloten.

Zu den weiteren Entscheidungen der Strategiegruppe gehört mit sofortiger Wirkung - also auch schon für Hockenheim - die fast komplette Rücknahme des umstrittenen Funkverbots und die Abschaffung der sogenannten Track Limits.

SPORT1 erklärt die technischen Entscheidungen.

95 Prozent der Fahrer für Halo

Mit der Entscheidung gegen Halo widersetzt sich die Strategiegruppe mit führenden Vertretern der Teams, des Weltverbandes FIA und des Formel-1-Managements um Bernie Ecclestone den Fahrern und somit den unmittelbar Betroffenen.

Der WM-Zweite Nico Rosberg hatte sich am Donnerstag noch einmal ausdrücklich für die Einführung ab dem nächsten Jahr stark gemacht: "Wir wollen nicht irgendeine Lösung, wir wollen den Halo im kommenden Jahr."

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Zuletzt hatte sogar Weltmeister Lewis Hamilton seine anfangs kritische Haltung gegenüber dem Halo geändert.

Vettel hatte verraten, dass 95 Prozent der Fahrer für den Halo gestimmt hätten. "Es wäre wohl das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass man eine Lektion erhält und nichts daraus lernt", hatte der Ferrari-Pilot erklärt und damit vor allem auf den tödlichen Unfall von Jules Bianchi beim Japan-GP 2014 hingewiesen.

17 Prozent erhöhte Überlebenschance

Der Halo besteht aus zwei Streben aus Titan, die seitlich am Cockpit nach vorne geführt und in der Mitte von einer Hauptstrebe gestützt werden.

Dieser Schutz soll größere Trümmerteile oder Reifen aufhalten und so stark sein, dass er notfalls ein komplettes Auto aushält. Die FIA hatte eine um 17 Prozent erhöhte Überlebenschance bei verschiedensten Unfallszenarien errechnet.

Alexander Wurz, Vorsitzender der Fahrervereinigung GPDA, reagierte empört auf das Votum gegen den Halo. "Im Moment sieht es ein wenig danach aus: Erst das Geschäft, dann die Sicherheit", sagte Wurz der BBC.

Freier Funk ab dem Start

Was die Fahrer zumindest etwas besänftigen dürfte: Das Funkverbot wird schon in Hockenheim fast komplett außer Kraft gesetzt.

Die Strategiegruppe reagierte damit auf umstrittene Strafen in Silverstone und Budapest. Dort waren Rosberg und Jenson Button die Leidtragenden gewesen.

Die Fahrer dürfen nun wieder frei mit der Box kommunizieren.

Dies gilt allerdings nur für das Rennen, genauer gesagt für den gesamten Zeitraum nach dem Erlöschen der letzten roten Ampel. Während der Aufwärmrunde bleibt die bisherige Regel bestehen, um zu verhindern, dass den Fahrern insbesondere Anweisungen zu den richtigen Kupplungseinstellungen beim Start gegeben werden können.

"Das macht das Ganze klar, jeder kann jetzt machen, was er will", kommentierte Vettel die Änderung am Rande des Trainings am Hockenheimring.

Rosberg reagierte ganz pragmatisch und sagte: "Ich mache einfach das, was die Verantwortlichen mir sagen."

Seinem Punktverlust von Silverstone wegen verbotener Funkhilfe trauert er nicht mehr hinterher: "Das ist weit weg."

Mit dem Zollstock über die Strecke

Auch die sogenannten Track Limits gehören nach kurzer Zeit wohl schon bald wieder der Vergangenheit an. Demnach soll das Einhalten der Streckenbegrenzung nicht mehr kategorisch elektronisch überwacht werden, sondern je nac Rennstrecke.

Beim Freien Training am Freitag wurde die elektronische Überwachung aber noch angewendet. Bei drei Vergehen pro Einheit drohte den Fahrern der Gang zu den Stewards.

Am Donnerstag war es in Hockenheim zu kuriosen Szenen gekommen, als Fahrer und Teams zum Teil mit dem Zollstock die Strecke abgegangen waren.

Im Fokus steht dort vor allem Kurve eins. Weil die Fahrt über die asphaltierte Auslaufzone an dieser Stelle schneller ist, könnten die Fahrer dort theoretisch in jeder Runde einen weiteren Weg wählen.

Rote Flagge statt Gelb

Neuigkeiten gibt es auch bei der Gelbe-Flaggen-Regel, nachdem Nico Rosberg beim Qualifying in Budapest unter Gelben Flaggen die Pole-Zeit auf den Asphalt legte und ihm diese schließlich auch zugesprochen wurde.

Beim Qualifying am Samstag soll rigoroser vorgegangen werden. Heißt: Ist ein Fahrer mit seinem Auto an der Strecke gestrandet, wird die Rote Flagge gezückt und das Qualifying unterbrochen.

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