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Lewis Hamilton schaut missmutig ins Cockpit des Pole-Setters Nico Rosberg
Lewis Hamilton schaut missmutig ins Cockpit des Pole-Setters Nico Rosberg © DPA Picture-Alliance

München - Der Plan war einfach: In Spa 55 Strafplätze hinnehmen, um auf dem Highspeed-Kurs trotzdem auf das Podest zu rasen. Dieses Vorhaben droht nun aber nach hinten loszugehen.

Auf die Frage, ob er für sich Podestchancen im Rennen (Sonntag ab 13.45 Uhr im LIVETICKER) sehe, musste Lewis Hamilton nicht lange überlegen: "Ganz ehrlich: Ich denke nicht."

Klar, bei einem gewieften Kerl wie Hamilton kann das zur Taktik gehören, um seine eventuelle Aufholjagd in Spa noch heroischer erscheinen zu lassen.

Wenn aber selbst die Konkurrenz sich erstaunt über die Leistung von Mercedes zeigt, scheint doch mehr dran zu sein. "Ich war ein bisschen überrascht, dass Mercedes auf den Supersoft-Reifen nicht schneller war", sagte zum Beispiel Sebastian Vettel nach dem Qualifying.

Red Bull im Rennen auf Augenhöhe

Etwas absurd klingt das schon, wenn mit Nico Rosberg trotzdem ein Mercedes auf der Pole landet. Berücksichtigt man jedoch, dass der Vorsprung der Silberpfeile bislang im Rennen stets kleiner als im Qualifying war, wird klar, warum Ferrari und Red Bull vom Sieg träumen, während Hamilton schwarz malt.

Für Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko lag Rosbergs jedenfalls Pole allein an der nur im Qualifying vorhandenen Extra-Power: "Wir wussten, dass Mercedes in der Qualifikation mit ihren Spezialeinstellungen mehr PS bringen kann. Aber im Rennen schaut das anders aus", sagte Marko bei Sky.

Dennoch gilt: Mit einem Mercedes mithalten und einen Mercedes zu überholen, sind zwei völlig verschiedene Dinge. Insofern ist Rosberg bei gelungenem Start weiterhin der große Favorit auf den Sieg.

Hamilton erwartet harte Überholmanöver

Deutlich mehr dürfte die plötzlich fehlende Dominanz seinen Teamkollegen Hamilton schmerzen. Dieser hat sich noch nicht entschieden, ob er aus der Box starten wird. Klar ist für den Weltmeister nur eins: "Ich werde nicht einfach mal so nach vorne schießen können. Schon die ersten fünf Fahrer zu überholen, wird richtig hart."

Neben der Tatsache, dass ohnehin ein turnusmäßiges Update für die Power Unit anstand, hatte sich Mercedes den Highspeed-Kurs in Belgien auch deshalb ausgesucht, da Hamilton sich dank der zu erwartenden Überlegenheit dort rasch durch das Feld pflügen sollte. 

Von einer Dominanz ist in Spa bisher jedoch nichts zu sehen, weshalb sich der gewählte Zeitpunkt als Eigentor herausstellen könnte. 

Reifen bereiten Mercedes Probleme

Denn auch die Reifen werden Hamiltons Aufholjagd vermutlich erheblich erschweren. "Die Reifen haben überhitzt. Das ist bei allen anderen auch so, aber bei uns ist das Problem noch größer", verriet Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Qualifying.

Gerade im Verkehr und beim Verlassen der Ideallinie für Überholmanöver dürfte dieses Problem noch größer werden, weshalb Hamilton bereits unkt: "Ab Runde drei wird nicht mehr viel gehen. Diese Reifen sind dermaßen schlecht. Der Medium und der Soft sind für das Rennen okay, aber der Supersoft ist einfach nur furchtbar."

Beschädigt sich Hamilton am Start oder bei späteren Überholmanövern nicht das Auto, sollten Punkte dennoch machbar sein. Viel mehr als Platz fünf oder sechs wird bei normalen Bedingungen jedoch kaum rausspringen.

Rosberg muss ein Zeichen setzen

Aber nicht nur Hamilton steht unter Druck. Um ein Zeichen im WM-Kampf zu setzen, muss Rosberg zwingend gewinnen. Angesichts des gehandicapten Hamiltons, würde selbst ein zweiter Platz des Deutschen wie eine Niederlage aussehen.

Mit einem Sieg könnte er dagegen Hamiltons Plan durchkreuzen, die WM-Führung trotz der Strafversetzung zu behalten.

Das Rennen wird zeigen, ob Hamiltons Straf-Poker eine geniale Strategie oder ein Griff ins Klo war. 

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