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Sebastian Vettel erlebt in seinem zweiten Jahr bei Ferrari eine Saison zum Haareraufen
Sebastian Vettel erlebt in seinem zweiten Jahr bei Ferrari eine Saison zum Haareraufen © DPA Picture-Alliance

Sebastian Vettel erlebt eine Saison zum Vergessen. Auch der Blick auf 2017 birgt Zweifel. Schuld daran ist auch der Ferrari-Boss. Dessen Vorgänger fordert Input aus England.

Ausnahmsweise war Sebastian Vettel froh, mal im Regen zu stehen.

Der viermalige Weltmeister testete am Montag für Pirelli die neuen Regenreifen für die Saison 2017. Dafür wurde die Strecke in Fiorano eigens unter Wasser gesetzt.

"Bekommen Speed nicht auf die Strecke"

Vettel richtet gerne den Blick auf das nächste Jahr. Die aktuelle Saison, seine zweite im Ferrari, ist ja eher eine zum Vergessen.

"Das Auto ist nicht so schlecht. Aber wir bekommen den Speed nicht auf die Strecke", sagte Vettel nach seinem ernüchternden Debüt im Ferrari auf dem Hockenheimring. Als Fünfter war Vettel am Sonntag meilenweit vom Podium entfernt (DATENCENTER: WM-Gesamtstand).

Die Scuderia musste Platz zwei in der Konstrukteurswertung vor der vierwöchigen Sommerpause an Red Bull abtreten.

Nicht nur Unstimmigkeiten am Auto

Bezeichnend für die wenig harmonische Atmosphäre bei den Roten war ein Funkverkehr zwischen der Box und dem 29-Jährigen. "Box, Sebastian. Box", lautete die Anweisung in der Anfangsphase des Rennens. Vettel widersetzte sich kurz und knapp: "Negativ."

Ferrari hinterlässt aktuell den Eindruck, dass es nicht nur Unstimmigkeiten am Auto gibt.

Trennung von Technikchef Allison

Die Trennung vor Hockenheim von Technikchef James Allison passt ins Bild.

Allison stand mit Vettel für den Neustart von Ferrari. 2015 fuhr Vettel in seiner Premierensaison für die Scuderia immerhin drei Siege ein. Doch diese Euphorie ist längst Ratlosigkeit und Resignation gewichen.

Stinkt der Fisch am Kopf?

Für Allison übernimmt Mattia Binotto mitten in der Saison. Nicht nur Mercedes-Aufsichtsratchef Niki Lauda hält dies für "unglücklich".

Mit Binotto überträgt Ferrari-Präsident Sergio Marchionne einem weiteren Italiener eine gewichtige Verantwortung.

Viele Experten halten den Ferrari-Boss und Fiat-Konzernleiter in Personalunion für das wahre Problem. Marchionne stellt den Rennstall immer mehr als rein nationale Formel-1-Manufaktur auf.

Sein Vorgänger Luca di Montezemolo hält dies für ein Unding: "Ferrari braucht technische Entwicklungshilfe aus England. Dort liegt das Silicon Valley, was die Ingenieure und die Kreativität betrifft."

2017 schnellere Autos

Doch Ferrari schmort lieber im eigenen Saft in Maranello. Keine guten Voraussetzungen für 2017.

Dabei bieten die kommenden Änderungen die Chance, wieder näher zu Mercedes an der Spitze aufzuschließen. Die Reifen werden wieder deutlich breiter, die Autos schneller.

"Je schneller das Auto, umso besser ist es", sagte Vettel: "Es wird ein Schritt gemacht, der uns Fahrern wieder mehr Freude bringt." Aber nur, wenn Ferrari konkurrenzfähig sein wird. Und daran bestehen derzeit erhebliche Zweifel.

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