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Sebastian Vettel
Guter Rat ist teuer: Sebastian Vettel (l.) und seinem Teamchef Maurizio Arrivabene (r.) droht eine sieglose Saison © Getty Images

München - Trotz der guten Stimmung nach Sebastian Vettels drittem Platz ist die Situation bei Ferrari alles andere als rosig. Für die verkorkste Saison bleibt nur noch ein Ziel übrig.

Minutenlang ließ Sebastian Vettel seinen Ferrari beim Heimspiel in Monza austrudeln und winkte glückselig den fantastischen Tifosi zu, die ihren Piloten bis weit nach der Siegerehrung wie einen Champion feierten.

Es war der wohl emotionalste Moment des Heppenheimers als Pilot der Scuderia, wie selten zuvor in seiner Karriere genoss er das Bad in der Menge, "jede Sekunde" wollte er auskosten und "jeden Moment wie ein Schwamm aufsaugen".

Dabei gewann der viermalige Weltmeister, bereits im zweiten Jahr in Diensten der stolzen Italiener, weder das Rennen auf dem Hochgeschwindigkeitskurs, noch kann Vettel auch in dieser Saison ein Wörtchen um den Titel mitreden. Das steht bereits nach zwei Drittel aller Rennen fest.

Dass die beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg den Titel unter sich ausmachen werden, daran besteht längst kein Zweifel mehr.

Ferrari droht sieglose Saison

Dabei sollte in dieser Saison für die Scuderia eigentlich alles besser werden, der Angriff auf die Spitze stand auf der Agenda. Pustekuchen! Nach 2014 droht die zweite sieglose Saison in der Formel 1 innerhalb der letzten 21 Jahre.

Noch auf dem Podest sprach Vettel zu den feiernden Tifosi, denen im Moment nichts anderes übrig bleibt, als von der glorreichen Vergangenheit des Rennstalls zu zehren: "Wir arbeiten hart daran, die Lücke zu Mercedes zu schließen. Ich kann versprechen, dass wir eines Tages mit Ferrari als Sieger zurückkehren werden. Mal sehen, wann."

Trotz Motorenupdate war Ferrari nun aber im Qualifying fast eine Sekunde hinter den Mercedes - eine Welt in der Königsklasse des Motorsports.

Sollte sich Ferrari in dieser Saison also tatsächlich noch in die Siegerliste eintragen, es wäre mehr als eine Überraschung.

Arbeiten am 2017er-Auto

Bis zum Ende des Jahres kann der Fokus also wohl einzig und allein auf der Rückeroberung des zweiten Ranges in der Konstrukteurswertung liegen, auch dort hat Red Bull jüngst die Scuderia abgehängt.

Wie alle Teams arbeitet Ferrari bereits jetzt auf Hochtouren am Auto für die neue Saison, wenn ein neues Aerodynamik- und Reifenreglement für völlig neue Voraussetzungen sorgen wird.

Ferrari-Boss Sergio Marchionne fordert: "Wir brauchen Geduld. Wir wissen, wo die Probleme sind, jetzt müssen wir die richtigen Leute an die richtigen Plätze setzen und die Saison mit Stil und Klasse abschließen."

Mit Stil und Klasse abschließen, das klingt so ein bisschen nach Fußball-Sprech eines Absteigers, der sich mit Würde aus der Liga verabschieden will.

Kritik an Vettel nimmt zu

Von Abschied ist bei Vettel zwar noch nicht die Rede, aber doch sah sich der Hoffnungsträger zuletzt verstärkt Kritik ausgesetzt. Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda warf ihm vor, dass er "seiner Rolle bei Ferrari nicht gerecht" werde.

Unter seinen Fahrkünsten war Ferrari im letzten Jahr zumindest noch zweite Kraft im Feld, mehr als fraglich, ob dies auch in dieser Saison wieder gelingt.

Dazu gibt es immer wieder Gerüchte um einen Abgang zu Branchenprimus Mercedes. Der Vertrag des 29-Jährigen läuft offiziell noch ein Jahr, über Gespräche über eine etwaige Verlängerung ist derzeit noch nichts bekannt.

Auch Arrivabene unter Druck

Auch Teamchef Maurizio Arrivabene muss sich immer wieder mit Stimmen auseinandersetzen, die Ferraris Taktik kritisieren. In Melbourne verschenkte Ferrari den Sieg, in Monza kann Arrivabene über die Kritik an der Zwei-Stopp-Strategie "nur lachen".

Wie dem auch sei, Ferrari hat sein "Saisonziel verfehlt, daran gibt es nichts schönzureden", so Chef Marchionne.

Arrivabene entgegnet: "Wir wollten gewinnen und ein Wörtchen um den Titel mitreden. Das haben wir nicht geschafft. Vor einigen Wochen haben wir Gegenmaßnahmen eingeleitet, die ersten Auswirkungen sehen wir jetzt. Und die werden auch für 2017 greifen."

Wenn nicht, werden wohl neue Leute an die Plätze bei Ferrari gesetzt.

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