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Sebastian Vettel konnte Ferrari bislang nicht den erhofften Glanz verschaffen - dennoch gibt er nicht auf © Getty Images

Ferrari läuft in der Formel 1 den Erwartungen hinterher und kommt nicht über den Status des Mitläufers hinaus. Sebastian Vettel will die Ehre der Scuderia retten.

Zuerst eine gute Nachricht, so viele gibt es davon schließlich nicht im Ferrari-Land.

Nein, Teamchef Maurizio Arrivabene hat nicht kürzlich sechs Stunden in einer Gefängniszelle in Singapur verbracht, weil er dort angeblich eine Zigarettenkippe auf die Straße geworfen hat. Die Behörden in dem um peinliche Sauberkeit bemühten Stadtstaat haben dieses Gerücht rechtzeitig vor dem Rennwochenende in Malaysia offiziell dementiert.

Viel Rauch um nichts sozusagen.

Phrase wird zum Motto

Dieser viel zitierte Spruch darf bei Ferrari durchaus als Motto für die beiden vergangenen und fast verlorenen Formel-1-Jahre verwendet werden, vor denen jeweils mit großem Brimborium neue Großtaten angekündigt wurden. Im März 2015 holte der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel schon in seinem zweiten Rennen für die stolze Scuderia den ersten Sieg und ließ in Maranello kühnste WM-Träume reifen.

Die sind längst verwelkt, vom Titel spricht bei Ferrari niemand mehr, auch in den restlichen sechs Rennen der bisher sieglosen Saison 2016 geht es nur noch um Schadensbegrenzung und Ehrenrettung.

Da klingt es deshalb so ein bisschen wie das Pfeifen im dunklen Wald, wenn Sebastian Vettel die üblichen Durchhalteparolen ausgibt.

"Wir haben uns hier in Sepang im vergangenen Jahr hervorragend geschlagen, ich habe an das Rennen und die Feier danach die allerbesten Erinnerungen. Wenn es geht, wollen wir das gerne wiederholen", sagt der 29-Jährige, der den Beweis, der rechtmäßige Ferrari-Erbe des großen Michael Schumacher zu sein, nach wie vor schuldig ist.

Chancenlos gegen Mercedes

Kaum jemand rechnet damit, dass bei Ferrari ausgerechnet in Malaysia der Knoten platzt. Zu chancenlos waren Vettel und sein finnischer Teamkollege Kimi Räikkönen in den vergangenen Monaten im Duell mit den übermächtigen Mercedes, zu instabil und unzuverlässig war das rote Auto, wenn es darum ging, Boden gutzumachen.

Selbst die beiden Red Bull mit Daniel Ricciardo und Max Verstappen musste Ferrari zwischenzeitlich ziehen lassen, Ricciardo wird auch in der WM-Endabrechnung mit einiger Sicherheit vor Vettel landen.

Als "extrem herausfordernd" bezeichnet Vettel den 5,543 km langen Sepang International Circuit, der seit dem letzten Rennen komplett neu asphaltiert wurde. Zudem hat man die überwiegende Zahl der Kurven auf der Außenbahn überhöht, um mehr Überholmanöver zu ermöglichen.

"Es sind eine ganze Menge Hochgeschwindigkeitskurven, was in Kombination mit den hohen Temperaturen und der extremen Luftfeuchtigkeit eine große Herausforderung speziell an die Reifen darstellt", sagt Vettel.

"Vertrauen in unser Team und in mein Auto"

Das Reifenmanagement der Scuderia war im bisherigen Saisonverlauf nicht gerade das allerbeste. Einige Male kosteten ein schlechtes Timing bei den Boxenstopps oder die falsche Reifenwahl Vettel und Räikkönen bessere Platzierungen, in Montreal vergab Ferrari mit einer krassen Fehlentscheidung sogar Vettels durchaus möglichen Sieg.

"Es ist nicht immer einfach, alles richtig zusammenzubringen, aber ich habe Vertrauen in unser Team und in mein Auto", sagt Vettel - was sollte er auch sonst sagen.

Deutlich schärfer formuliert es der frühere Weltmeister Jackie Stewart.

"Ferrari wirkt auf mich desorientiert", sagte der 77-jährige Schotte der Gazzetta dello Sport. Vor allem die Trennung von Technikchef James Allison vor einigen Wochen sei eine krasse Fehlentscheidung gewesen: "Allison ist ein herausragender Ingenieur, und Stabilität im Team ist elementar, um in der Formel 1 Erfolg zu haben."

Nicht gerade eine motivierende Expertise vor dem heißesten Rennen des Jahres.

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