vergrößernverkleinern
In Singapur steht nicht mehr Bernie Ecclestone, sondern der neue starke Mann der Formel 1 Chase Carey im Mittelpunkt
In Singapur steht nicht mehr Bernie Ecclestone, sondern der neue starke Mann der Formel 1 Chase Carey im Mittelpunkt © Getty Images

Gerangel in Singapur: Neben dem neuen F1-Macher Chase Carey gerät Bernie Ecclestone in Abseits, wütet und kokettiert mit Rückzug: "Ich brauche den Job und das Geld nicht."

Bernie Ecclestone betrat das Fahrerlager in Singapur, und dann geschah das bisher Unvorstellbare. Der kleine große Mann der Formel 1 stand seit einer gefühlten Ewigkeit nicht im Mittelpunkt.

Stattdessen kämpften die Kameraleute um die besten Bilder von dem stattlichen Herrn neben Ecclestone: Chase Carey, 62 Jahre alt, sorgsam gestutztes graues Haar, altmodischer Zwirbelbart, in Zukunft der neue starke Mann der Formel 1.

Wie in Singapur droht Ecclestone bei der Neuausrichtung der Königsklasse, seines Babys, nur noch eine Nebenrolle. Und das scheint dem bald 86-Jährigen so gar nicht zu gefallen. Videoaufnahmen zeigen, wie der Senior Kameramänner schubst und tritt, die ihn auf der Jagd nach Carey beiseite drängten.

"Zum Glück brauche ich den Job und das Geld nicht. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es gerne hätte, dann werde ich weg sein", sagte Ecclestone dem englischen Sender Sky und deutete nach dem in die Wege geleiteten Verkauf des PS-Spektakels an den US-Unterhaltungskonzern Liberty Media seinen Rückzug an.

Carey treibt Neuausrichtung voran 

Auf eine Zusammenarbeit mit oder unter Carey verspürt Ecclestone, der offiziell eigentlich noch drei Jahre bleiben soll, nach der Ära seiner Alleinherrschaft keine Lust: "Das Einzige, was ich tun muss, ist sterben und meine Steuern zahlen. Ansonsten muss ich überhaupt nichts."

Dass Carey, Statthalter des Liberty-Eigners John Malone, nach dem Milliarden-Deal die Macht übernehmen und die Neuausrichtung der Rennserie vorantreiben will, daran ließ er nach dem Milliarden-Deal keine Zweifel aufkommen.

"Wir haben enorme Möglichkeiten, um so viel mehr Menschen zu erreichen", sagte der US-Amerikaner. In Singapur schüttelte er viele Hände und stellte sich bei den Teams und Fahrern vor: "Wir sehen überall Potenzial für Wachstum."

Auch mal zu Gast bei Bayerns Basketballer: Chase Carey neben Uli Hoeneß
Auch mal zu Gast bei Bayerns Basketballer: Chase Carey neben Uli Hoeneß © Getty Images

Warten auf Zustimmung von FIA und Kartellamt 

Carey will noch weiter expandieren, die Vermarktung verbessern und vor allem die Digitalisierung vorantreiben. Die Entwicklung in den sozialen Netzwerken hat die Formel 1 bisher fast völlig verschlafen.

Die Teams und Fahrer begrüßten den Besitzerwechsel von Finanzinvestor CVC zu Liberty, der am Ende - wenn der Automobil-Weltverband FIA und das europäische Kartellamt ihre Zustimmung geben - insgesamt etwa 8,5 Milliarden US-Dollar kosten wird. (DATENCENTER: Die Konstrukteurswertung der Formel 1)

"Hoffentlich werden sie einige Bereiche angehen, in denen wir bislang schwach waren", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

"Interessanter als Pokemon Go"

Auch die Fahrer lechzen nach Reformen, die Rennserie soll wieder spektakulärer, spannender und interessanter für junge Fans werden. 

"Unser Publikum ist zu alt, und das ist schade - denn die Formel 1 ist interessanter als Pokemon Go", sagte Ex-Weltmeister Jenson Button. Der McLaren-Pilot glaubt, dass der PS-Zirkus mindestens genauso faszinierend sein kann wie das Handy-Spiel: "Wenn es jemand schafft, Leute für Pokemons zu begeistern, die in der Realität gar nicht existieren, dann werden wir es wohl auch schaffen, sie für die Formel 1 zu begeistern."

Ecclestone hatte dies zuletzt nicht mehr geschafft. 

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel