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Nico Rosberg (r.) liegt in der Fahrerwertung 26 Punkte vor Lewis Hamilton
Nico Rosberg (r.) liegt in der Fahrerwertung 26 Punkte vor Lewis Hamilton © Getty Images

München - Nico Rosberg fährt in Austin mit wenig Risiko Rang zwei ein. Doch der Druck wächst: Lewis Hamilton richtet eine Kampfansage an Rosberg und Red Bull rückt näher.

Sieben Starts von der Pole, fünf Mal die Führung verspielt: Das war die dürftige Bilanz von Weltmeister Lewis Hamilton vor dem Rennen in Austin.

Kein Wunder also, dass WM-Leader Nico Rosberg seinen Teamkollegen nach dem Qualifying an dessen Startschwäche erinnerte und von einer großartigen Chance auf den Sieg sprach.

Rosberg zieht zurück

Doch den Start verlor diesmal Rosberg - wobei man nicht wirklich von einem Patzer sprechen kann. Der Deutsche kam ähnlich gut weg wie Hamilton, musste sich jedoch in Kurve eins an diesem orientieren, während Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo den Vorteil der Supersofts ausnützte und innen durchschlüpfte.

Für einen Moment sah es so aus, als würde sich Rosberg direkt wieder auf Rang zwei schieben können. Als Ricciardo und er sich aber zu nahe kamen und eine kleine Kollisionsgefahr bestand, zog der Mercedes-Pilot sofort zurück.

"Nico weiß, dass er sich keine Fehler leisten konnte. Er war in der ersten Kurve vorsichtig, das ist sicher wegen seiner Ausgangslage in der Weltmeisterschaft so", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Lob für Rivale Hamilton

Rosberg selbst präsentierte sich nach dem zweiten Platz entspannt wie selten. "Der zweite Platz ist okay. Schadensbegrenzung. Lewis verdient den Sieg, er hat einen besseren Job gemacht. Das muss ich akzeptieren", sagte Rosberg.

Das mit einem Lächeln versehene Lob für den Erzrivalen zeigt, dass der Deutsche um seine nach wie vor hervorragende Ausgangsposition weiß.

Bei immer noch 26 Punkten Vorsprung reichen ihm zwei zweite Plätze und ein dritter Rang für den Titel - egal, wie Hamilton abschneidet. Rosberg kann sogar bereits in Mexiko Weltmeister werden, falls er siegt und Hamilton maximal Zehnter wird.

Kampfansage von Hamilton

Doch Hamilton hat mit dem souveränen Rennsieg gezeigt, dass er noch lange nicht aufgibt: "Amerika war immer ein gutes Jagdrevier für mich. Der Kampf geht weiter - ich werde versuche, Nico noch abzufangen."

Hamilton läuft in Austin tatsächlich immer zur Hochform auf, weshalb das Ergebnis seinen Chef Toto Wolff nicht verwunderte: "Ich bin nicht überrascht, dass wir einen dominanten Lewis erlebt haben, er ist in Austin immer überdurchschnittlich stark."

Ob es daran liegt, dass in Austin der Promiauflauf besonders groß ist und Hamilton sich unter den ganzen Hollywood-Stars pudelwohl fühlt? So scherzte er mit Schauspieler Gerard Butler, stellte James-Bond-Bösewicht Christoph Waltz seinen Mercedes vor und spielte Anfang der Woche mit Ski-Superstar Lindsey Vonn Bowling, um deren Geburtstag zu feiern.

Vonn vergisst Rosberg

Vonn posierte kurioserweise sogar auf dem offiziellen Siegerfoto von Mercedes, obwohl sie auf Einladung von Red Bull in Austin war und die Rennen in deren Box verfolgte.

Doch die US-Amerikanerin ist eben auch abseits der Strecke eng mit Hamilton befreundet, was sie auch mit ihren Tweets nach dem Rennen zeigte. Anders als bei Ski-Rennen gratulierte sie diesmal nämlich nur zwei der drei Podestfahrer.

Hamiltons Rivale Rosberg ließ sie unerwähnt, was dieser aber genauso gelassen zur Kenntnis genommen haben dürfte wie den zweiten Platz im Rennen.

Red Bull kann die WM entscheiden

Allzu entspannt sollte Rosberg das Ganze aber dennoch nicht angehen. Zwar muss er sich um Ferrari aktuell wenig Sorgen machen, doch die Red Bull haben in Austin gezeigt, dass sie das Zünglein an der Waage im WM-Kampf sein können.

Denn nur der Doppel-Panne von Max Verstappen war es zu verdanken, dass Rosberg dessen Teamkollege Ricciardo wieder von Rang zwei verdrängen konnte

Rosberg muss daher die richtige Mischung aus Angriff und kalkuliertes Risiko finden, damit eines Tages nicht plötzlich beide Red Bull vor ihm stehen und ihm die WM doch noch im letzten Moment aus den Fingern gleitet.

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