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F1 Grand Prix of Brazil
Angezogene Handbremse? Nico Rosbergs Vorsprung auf Lewis Hamilton ist seit seinem letzten Sieg in Japan von 33 auf 12 Zähler geschmolzen © Getty Images

München und Sao Paulo - Nico Rosberg motiviert sich vor dem Brasilien-GP mit einem Video von Ayrton Senna. Dennoch verpasst er in Sao Paulo den Sieg und muss weiter auf die Krönung warten.

Mit großen Vorsätzen war Nico Rosberg nach Brasilien gereist. Voll auf Sieg fahren wollte er und sich vorzeitig seinen ersten WM-Titel sichern.

Als Motivationshilfe für den angestrebten Husarenritt durch den fast zu erwartenden Dauerregen von Sao Paulo hatte er sich extra eine legendäre Aufholjagd von Ayrton Senna im Video angeschaut.

Der hatte 1993 im englischen Donington, ebenfalls bei widrigsten Bedingungen, schon in der ersten Runde vier Rivalen überholt und sich an die Spitze gesetzt. "Der Anfang ist unglaublich", staunte Rosberg im Gespräch mit SPORT1, nachdem die Titelentscheidung in einem chaotischen Rennen entgegen seiner Pläne aufs Saisonfinale in Abu Dhabi vertagt worden war.

Rosberg scheut das Risiko

Von so viel Angriffslust wie einst bei Brasiliens Rennsport-Ikone war beim WM-Spitzenreiter nichts zu sehen. Er fuhr eher vorsichtig hinter seinem Titelrivalen und Rennsieger Lewis Hamilton her und scheute auch taktische Experimente. 

"Ich kann mir die Risiken nicht erlauben, die sie eingehen. Ich war aber froh, als ich gesehen habe, dass sie auf Sieg pokern", sagte er über die Strategie von Red Bull. Das österreichisch-britische Team hatte an Max Verstappens Auto in der entscheidenden Phase des Rennens auf Intermediate-Reifen gesetzt und sich damit verpokert (Die Stimmen zum Großen Preis von Brasilien). Am Ende raste Verstappen dennoch auf den dritten Platz.

Eine gewagte Strategie mit Intermediates wäre zu diesem Zeitpunkt auch für Rosberg die einzige Option gewesen, den längst enteilten Hamilton abzufangen. Doch er setzte auf die sichere Karte. Schließlich bleiben ihm ja jetzt immer noch zwölf Punkte Vorsprung (SERVICE: Rosberg wird Weltmeister, wenn...).

"Ich kann mit dem zweiten Platz leben. Lewis war ein bisschen besser heute, und Max ist auch super gefahren", verteilte er sogar Komplimente an seine Konkurrenten, die mit ihm zusammen auf dem Podium standen.

Polster immer noch bequem

Rosberg weiß, dass er sich mit seinen vier Siegen nach der Sommerpause ein so bequemes Polster herausgefahren hat, dass die Titelchancen auch vor dem Showdown am letzten November-Wochenende noch hervorragend sind.

Selbst wenn er in der Wüste noch einen Platz mehr auf Hamilton verlöre als im Dauerregen von Interlagos und auf Platz drei ins Ziel käme, wäre ihm der Weltmeister-Titel nicht zu nehmen.

Es sieht nach wie vor so aus, als ob er den Plan, den er nach seinem bis dato letzten Saisonsieg in Japan gefasst hatte, würde umsetzen können: sich aus allen Scharmützeln heraushalten und - wenn es denn sein muss - seinem Rivalen aus dem eigenen Team noch ein paar Siege überlassen, solange sie ihm im Titelkampf nichts mehr nutzen.

Allerdings ist dieser Plan auch mit dem Risiko verbunden, dass in einem Rennen alles passieren kann - von unvorhersehbaren Manövern der Gegner bis hin zu einem Defekt, der ihm noch alle Titelchancen rauben könnte.

Die Fehler der Anderen

In dieser Saison sind aber eher seine Rivalen vom Pech verfolgt. Waren es in der ersten Saisonhälfte auffällig viele Defekte bei Hamilton, kam diesem in Brasilien das taktische Missgeschick von Red Bull zugute.

Da fiel es am Ende auch nicht weiter ins Gewicht, dass Rosberg in der 47. Runde auf der regennassen Piste ausrutschte und kurz querstand. "Ich hatte einen Schreckmoment den Berg hoch, zum Glück ist alles gut gegangen", erklärte er.

Solche Ausrutscher sollte er sich beim Saisonfinale lieber nicht leisten. Gerät Rosberg noch ins Schwimmen? Rivale Hamilton sieht sich nach seinem dritten Sieg in Folge weiter auf der Jagd. "Ich werde auch in Abu Dhabi noch einmal alles versuchen. Die Strecke liegt mir", sagte er.

Wirklich nervös machen Rosberg diese Worte nicht. Belegt der Deutsche beim Saisonfinale Platz zwei oder drei, wäre er wahrscheinlich der Erste, der Hamilton zu dessen Sieg gratulieren würde.

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