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An Lewis Hamilton scheiden sich nach seinem Trödel-Manöver gegen Nico Rosberg einmal mehr die Geister © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images

München - An Lewis Hamiltons Schleich-Manöver gegen Nico Rosberg scheiden sich die Geister. Ein Konkurrent zeigt Verständnis, aus dem eigenen Lager hagelt es Kritik.

Es war so etwas wie seine letzte Patrone: Zehn Runden vor Schluss versuchte der stolze Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg noch einmal alles, als ihm der Titel aus den Händen zu gleiten schien.

Bis zu 1,5 Sekunden langsamere Rundenzeiten fuhr der Grand-Prix-Führende und bremste so das Feld massiv ein. Eine Taktik, die die Motorsportwelt spaltet und im Nachgang eine Welle von Reaktionen hervorrief.

Hamilton: "Habe nichts Unfaires getan"

"Ich habe heute nichts Gefährliches gemacht. Von daher denke ich nicht, dass ich irgendetwas Unfaires getan habe", rechtfertigte sich Hamilton nach Rennende.

Um gleich vorsorglich hinterherzuschieben: "Ich versuche nie etwas, um dem Team oder der Marke zu schaden, aber wir haben die Konstrukteurs-Meisterschaft schon gewonnen, von daher ging es heute um Nico und mich", so Hamilton weiter. (Die Stimmen zum Saisonfinale)

Folge: Durch Hamiltons Trödelfahrt flog Sebastian Vettel, wenige Runden zuvor noch mit acht Sekunden Rückstand auf die Spitze, von hinten heran, überholte mit DRS-Vorteil Max Verstappen und rangierte nun sogar in Rosbergs Windschatten. 

Mercedes-Chefetage erbost

Auch wenn der Ferrari-Pilot den späteren Weltmeister Rosberg nicht mehr überholen konnte, brachte Hamiltons Aktion Motorsportchef Toto Wolff auf die Palme.

"Es geht nicht darum, ob er seine Entscheidung für sich trifft. Sondern er untergräbt die gesamte Struktur des Teams und alles, was wir machen. Damit stellt er natürlich einen Präzedenzfall für zukünftige Fahrer auf. Jetzt müssen wir sehen, was wir tun", so Wolff.

Der 44-Jährige schickte gar eine kryptische Drohung an den dreifachen Weltmeister: "Da werden wir schon reinhauen, auch wenn es der Racer in mir versteht. Es kann nicht jeder machen, wozu er lustig ist und Anarchie walten lassen."

Britische Medien interpretierten seine Aussage nun sogar dahingehend, dass Hamilton im schlimmsten Fall der Rauswurf droht. Klar ist: Die Mercedes-Chefetage ist derzeit alles andere als begeistert.

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Hamilton ignorierte Funksprüche

"Da müssen wir uns noch genau überlegen, was daran Schuld war. Vielleicht war es das Auto, ich fürchte aber, es war der Lewis", so Aufsichtsratschef Niki Lauda.

Gleich mehrmals ignorierte der schleichende Hamilton Funksprüche vom Kommandostand, die teils sogar von Technikchef Paddy Lowe höchstpersönlich abgesetzt wurden.

Sebastian Vettel, der beinahe noch vom Trödel-Manöver profitierte, befand die Aktion als "nicht ganz fair." Für Weltmeister-Papa Keke Rosberg, der "harte letzte zwei Runden" sah, kam sie allerdings alles andere als überraschend.

"Ich hatte noch mehr erwartet. Daher muss man sagen, dass es okay war", meinte der Weltmeister von 1982.

Rosberg beschwichtigt, Horner versteht Hamilton

Zuspruch bekommt Hamilton ausgerechnet von Landsmann und Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dem schon irgendwie "klar war, auf was es hinauslaufen würde: Es war etwas blauäugig zu denken, dass es irgendwie anders laufen würde, wo es doch um so viel ging", so der 43-Jährige über die Konkurrenz.

Paddy Lowe kündigt derweil zeitnahe Nachforschungen an: "Wer weiß, wie schnell das Auto wirklich war? Wir saßen ja nicht drin. Aber es hat uns natürlich vor Herausforderungen gestellt."

Rosberg selbst scheint der ganze Trubel, zumindest im Moment, nicht zu beschäftigen: "Ich habe das nicht erwartet. Vielleicht war das naiv von mir", so der Neu-Weltmeister.

"Ich habe Verständnis für Lewis. Es ging um den Titel. Natürlich musste er alles versuchen. Ich begreife das, und dabei sollten wir die ganze Sache beruhen lassen."

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