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Lewis Hamilton wurde trotz vier Siegen in den letzten vier Saisonrennen von Nico Rosberg entthront
Lewis Hamilton wurde trotz vier Siegen in den letzten vier Saisonrennen von Nico Rosberg entthront © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann / Getty Images

München - Lewis Hamilton kriegt bei Mercedes Gegenwind und muss in die Wüste. Der WM-Zweite kündigt eine furiose Rückkehr an, doch im Erlkönig wird dem Briten unwohl.

Während Nico Rosberg die Früchte seines Erfolgs ernten kann, muss Lewis Hamilton schuften.

Der frisch gekrönte deutsche Weltmeister reiste zusammen mit Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zu einem Sponsorentermin nach Malaysia und ließ sich dort in den bombastischen Petronas Towers von Kuala Lumpur frenetisch von den Fans feiern.

Für Hamilton gab es dagegen das absolute Kontrastprogramm: Der Brite - eigentlich gemacht für Glamour-Auftritte - schwitzte in der Wüste.

Hamilton testet in der Wüste

Nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi absolvierte Hamilton Reifentests. Zuvor war berichtet worden, der 31-Jährige habe keine Lust darauf und würde sich lieber schnell in den Ski-Urlaub verabschieden.

Fakt ist aber: Hamilton war am Dienstagvormittag sehr wohl auf der Strecke und probierte in einem Silberpfeil-Erlkönig schon die Pirellis für die kommende Saison.

Für die nächsten Testrunden stand Hamilton aber nicht mehr auf dem Plan. Hamilton habe sich unwohl gefühlt, erklärte ein Mercedes-Sprecher, am Nachmittag übernahm Manor-Pilot Pascal Wehrlein.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Hamilton fährt um seine Zukunft. Um die teaminterne Gunst. Nach seinem Auftritt im letzten Saisonrennen hatte es sogar schon Spekulationen gegeben, Mercedes könnte die Reißleine ziehen und Hamilton aus seinem bis 2018 laufenden 70-Millionen-Euro-Vertrag entlassen.

Verschwörungstheorien und Partys

Der dreimalige Weltmeister hatte die Geduld seiner Bosse in der abgelaufenen Saison auch wahrlich auf die Probe gestellt: Wiederholte Verschwörungstheorien nach technischen Defekten - besonders mit Blick auf den Tausch der Mechaniker-Teams zwischen ihm und Rosberg.

Dazu Hamiltons oft negative Außendarstellung mit Party-Marathons oder lustlosen Pressekonferenzen am Rande der Arbeitsverweigerung.

Und zu schlechter Letzt Hamiltons provokatives Trödeln in Abu Dhabi samt Ignorieren der Anweisungen aus der Box. Für alle Welt hörbar.

Hamilton hat den Star-Faktor

Hamiltons Boss Wolff will sich während seiner Promo-Reise mit dem Vorzeigeangestellten Rosberg Gedanken über die Reaktion des Teams auf die Vorfälle machen.

Die Silberpfeile sollten vor dem Urteil über Hamilton aber auch nicht außer Acht lassen, was der Bad Boy ihnen zu bieten hat. Gerade wegen seines exzentrischen Auftretens hat Hamilton den Star-Faktor. Auch und gerade im Vergleich zu Rosberg.

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Die Geschichte "Vom Jungen aus einfachen Verhältnissen zum Weltmeister" hat einfach mehr zu bieten als "Vom Sohn eines Weltmeisters zum Weltmeister".

"Werde stärker zurückkommen"

Es gibt bei Mercedes auch durchaus gewichtige Stimmen, die bereit sind, Hamilton einen gewissen Freiraum zuzugestehen. Aufsichtsratschef Niki Lauda merkte schon an, es sei immer schwierig, mit den Besten zu arbeiten.

Und der Beste will Hamilton in Zukunft wieder sein. Die Nummer eins im Team und die Nummer eins der Welt.  

"Ich werde stärker zurückkommen und nächstes Jahr schneller als je zuvor sein", kündigte er an. Dafür arbeitete Hamilton schon jetzt in der Wüste.

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