vergrößernverkleinern
Lewis Hamilton
Lewis Hamilton geht mit zwölf Punkten Rückstand auf Nico Rosberg ins Saisonfinale © Getty Images

München - Draufgänger Lewis Hamilton stichelt vor dem Saisonfinale trotz schlechter Ausgangslage gegen Nico Rosberg. Hält der in Abu Dhabi am Erfolgsrezept Langeweile fest?

Noch knapp zwei Wochen, dann könnte die Zeit der unangenehmen Fragen für Nico Rosberg ein für allemal ein Ende haben.

Ob er das Zeug zum Weltmeister habe? Wer denn nun der bessere Fahrer sei - er oder Dauerrivale Lewis Hamilton? Und - die derzeit vielleicht schlimmste Frage - ob er den WM-Titel in dieser Saison überhaupt verdient hätte?

Nach dem Chaos-Rennen in Brasilien wurde Rosberg schon gefragt, ob er sich über einen zweiten oder dritten Platz beim Saisonfinale in Abu Dhabi überhaupt freuen würde, auch wenn ein Platz auf dem Podium für ihn gleichbedeutend mit dem WM-Titel wäre.

Nico Rosberg: "Ich möchte gewinnen"

"Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagte Rosberg - und fügte hinzu: "Warum soll ich auch darüber nachdenken? Ich möchte gewinnen."

Allein: So richtig kauft man dem Deutschen diese und ähnliche Aussagen in den letzten Wochen nicht ab. Seit seinem Sieg beim Großen Preis von Japan steht für Rosberg fest, dass ihm jeweils zweite Plätze bis zum Saisonende zum Titel reichen - und genau so fährt er auch.

Trotz aller Bekundungen vor jedem Rennen, auf Sieg fahren zu wollen, scheint Rosberg das Risiko einer Attacke auf Hamilton zu scheuen. Einerseits: verständlich. Andererseits auch irgendwie: langweilig.

Hamilton fordert "Formel 1 extrem"

Ganz im Gegensatz zu Hamilton, der selbst beim Regen-Spektakel in Sao Paulo gern noch mehr "Formel 1 extrem" gesehen hätte, wie er es selbst nannte. Das Rennen sei zu oft unterbrochen worden, "es gab viel zu viele Runden hinter dem Safety Car", klagte der Brite trotz seines Sieges.

Seiner Meinung nach, die sich im Übrigen mit der zahlreicher Experten deckt, liegt Rosbergs Chancenlosigkeit in den letzten Rennen ohnehin nicht an dessen Zurückhaltung, sondern schlichtweg daran, dass Hamilton in Bestform für den Deutschen zu schnell ist.

"Nico hatte keine Chance gegen mich", prahlte Hamilton nach dem Rennen in Brasilien und eröffnete damit auch die Psychospielchen vor dem Saisonfinale. Er sei froh, dass er Rosberg im gleichen Auto bezwinge - "und das, obwohl er gerade in Bestform fährt".

Ausgangslage spricht für Rosberg

Das Problem für Hamilton ist die Ausgangslage, die er selbst als "unangenehm" bezeichnet. Oder wie es Rosberg ausdrückt: "Ich würde die Saison gerne mit einem Sieg abschließen, das wäre nett. Aber es würde auch weniger reichen."

Es ist ein Stück weit Ironie des Schicksals, dass Rosberg ausgerechnet mit einem zweiten Platz den Makel des ewigen Zweiten ablegen könnte. Zur Not auch mit einem dritten Platz.

Den ersehnten ersten WM-Titel hielte er dann in Händen. Ob er damit allerdings die Kritiker verstummen lassen könnte?

Kostet Motorschaden Hamilton den Titel?

Gewinnt Hamilton auch das letzte Rennen der Saison, hätte er am Ende einen Sieg mehr auf dem Konto als Rosberg - und hätte die erneute Weltmeisterschaft am Ende nur wegen eines Motorschadens in Malaysia verpasst.

Es wäre ein bizarres, nie dagewesenes Szenario: zehn Saisonsiege und trotzdem nur Vize-Weltmeister.

Bei seinem ersten Titel 2008 reichten Hamilton fünf Rennsiege, Rosbergs Vater Keke wurde 1982 sogar mit nur einem Einzelsieg Weltmeister.

Greifen Red Bull oder Ferrari ein?

Rosberg junior, das darf man bei aller Kritik nicht vergessen, hat in dieser Saison immerhin schon neun Mal triumphiert. Ein unverdienter Weltmeister sieht anders aus.

Bis zur Krönung aber wartet noch ein harter Kampf auf den 31-Jährigen. Gegen die Hitze, gegen Hamilton, vielleicht auch gegen den wie entfesselt fahrenden Max Verstappen, Daniel Ricciardo oder Sebastian Vettel - und alle unangenehmen Fragen der Kritiker.

Oder wie Rosberg selbst sagt: "Abu Dhabi wird ein schwieriges Wochenende."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel