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Schwieriges Verhältnis: Lewis Hamilton und die Mercedes-Oberen Niki Lauda und Toto Wolff (v.l.)
Schwieriges Verhältnis: Lewis Hamilton und die Mercedes-Oberen Niki Lauda und Toto Wolff (v.l.) © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann / dpa Picture Alliance

München - Trotz Trödel-Eklat, Test-Abbruch und beißender Kritik einer Legende: WM-Verlierer Lewis Hamilton muss die Drohungen der Mercedes-Bosse nicht fürchten.

Ist Lewis Hamilton der Titelgewinn von Nico Rosberg vielleicht auf den Magen geschlagen?

Es war eine Journalistenfrage an den neuen Formel-1-Weltmeister bei dessen Empfang in seiner Heimatstadt Wiesbaden. Und Rosberg war klug genug, sie nicht zu beantworten.

Zumindest nicht so, dass man es als Bestätigung dafür werten konnte, dass Hamilton die Reifentests in Abu Dhabi aus Lustlosigkeit abbrach - statt aus Übelkeit, wie offiziell mitgeteilt wurde.

"Ich weiß nicht, wie es ihm geht", teilte Rosberg mit. Mögen andere sich darüber den Kopf zerbrechen, ob Hamilton sich in Wahrheit nur den nächsten Affront gegen seinen Arbeitgeber geleistet hat.

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Test-Abbruch sorgt für Getuschel

Entsprechende Gerüchte kursieren natürlich, sie liegen ja auch nahe. Hamilton hat im Lauf der Saison wiederholt seinen Eigensinn demonstriert, zuletzt mit seinem taktischen Trödel-Manöver beim Saisonfinale.

Als Test-Muffel gilt er obendrein: Schon im Mai war er in Barcelona nicht dabei, im Oktober ließ er sich mit "Fußschmerzen" entschuldigen. Warum also jetzt, kurz nach der bitteren Niederlage den inneren Schweinehund überwinden?

Zumal auch Rosberg ihm zugesteht: "Das ist schwer zu verdauen. Ich glaube schon, dass er daran einige Zeit zu knabbern hat."

Getuschel ist natürlich dennoch die Folge des Abbruchs. Tenor: Ach Lewis, ach Mercedes - wo soll das noch hinführen?

Hamilton untergräbt die Autorität der Bosse

Ja, wohin eigentlich? Zu einer Trennung, könnte man meinen nach den ständigen Unstimmigkeiten während der Saison. Von Hamiltons öffentlich vorgetragenem Frust über den von Mercedes verordneten Mechaniker-Tausch zwischen ihm und Rosberg - bis zum Rennen von Abu Dhabi, in dem er für Millionen Zuschauer hörbar die Autorität seiner Bosse untergrub.

Teamchef Toto Wolff drohte ihm danach an, dass an Sanktionen nun "alles" denkbar sei. Die Entlassung aus seinem noch bis 2019 laufenden Vertrag inklusive. Und auch Hamilton könnte ja theoretisch sagen: Danke Leute, aber das war's.

Es gibt allerdings keine Anzeichen, dass das eine oder andere Szenario wirklich eintreten wird.

Mercedes führt ein Scheingefecht

Das Problem der Silberpfeile: Hamilton ist trotz allem unverzichtbar für sie, wegen seines fahrerischen Könnens, wegen seiner Star-Qualitäten, des Glamour-Faktors, den der solide Rosberg so nicht bieten kann.

Das Problem Hamiltons: Die Silberpfeile sind trotz allem unverzichtbar für ihn, auch im kommenden Jahr wird Mercedes der einzige Rennstall sein, bei dem er sicher davon ausgehen kann, um den Titel zu fahren. Alles andere ist mit seinen persönlichen Ansprüchen längst nicht mehr vereinbar.

Letztlich sind Hamilton und Mercedes bei allen Differenzen also aneinander gekettet, der öffentliche Kampf miteinander in weiten Teilen ein Scheingefecht.

Vor allem der Rennstall sieht dabei zwangsläufig unglücklich aus: Einerseits muss er Hamilton bestrafen, um nicht den Eindruck zu erwecken, er lasse sich von einem aufsässigen Angestellten am Nasenring durch die Arena schleifen. Andererseits auch nicht so sehr, dass der Schaden größer wird als der Nutzen.

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"Ballerina": Legende Stewart versteht's nicht

Hamilton wird am Ende eine Strafe kassieren, die er verkraften kann, er hat weiter den Freiraum, Mercedes zumindest am Nasenring zu zupfen. Und er scheint eine gewisse Freude daran zu haben.

Kritiker wie Rennlegende Jackie Stewart macht das fassungslos. "Wenn du 20 bis 30 Millionen Pfund pro Jahr verdienst, hast du zu tun, was gesagt wird", findet der schottische Ex-Weltmeister und verspottet Hamilton als "Ballerina".

Hamilton wird das nicht stören. Was ihn stört, ist der Verlust des WM-Titels. Und genau das will er ausbügeln, wie er in der Sun ankündigt: Rosberg solle seine Titelfreuden "genießen, so lange er kann, denn ich werde im Winter hart arbeiten und mir die Nummer 1 direkt wieder zurückholen".

Von Übelkeit wird er sich dann vermutlich nicht mehr stoppen lassen.

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