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Galten Jahrzehnte lang als Traumpaar im Rennzirkus: Michael Schumacher und Ross Brawn © Getty Images

In seinem neuen Buch schreibt das "Superhirn" über Schumachers Schwächen auf der Rennstrecke. Er widmet sich zwei Unfällen, die seinem Ex-Schützling Ärger einbrachten.

Zu gemeinsamen Formel-1-Zeiten galt Ross Brawn als engster Verbündeter von Michael Schumacher. Je mehr Erfolge der Fahrer einheimste, desto mehr Lorbeeren erntete das Superhirn am Kommandostand. 

Doch offensichtlich waren Brawn und Schumacher nicht immer einer Meinung. In seinem neuen Buch "Total Competition: Lessons in strategy from Formula One" äußert sich der Brite ausführlich zu Schumachers Fehlverhalten auf der Rennstrecke. 

"Michael hatte einen Schwachpunkt, weil er so ehrgeizig war, dass er die Dinge nicht so sah, wie das andere tun würden", schreibt Brawn.

Mit Blick auf Schumachers Kollision mit Jacques Villeneuve beim Saisonfinale 1997 in Jerez, die dem Deutschen letztlich den Vize-WM-Titel kostete, schreibt er: "Michael kam in die Box und brüllte wie am Spieß: 'Villeneuve hat mich aus dem Rennen gekickt!' Er [...] schaute sich die Wiederholung an, wurde kreidebleich im Gesicht und realisierte, was er da angerichtet hatte."

"Schumacher nicht besonders fair"

Die FIA machte Schumacher seinerzeit als Verantwortlichen des Unfalls aus und erkannte ihm nachträglich Platz zwei in der Fahrerwertung ab. 

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Auch bei Schumachers legendärem Manöver während des Qualifyings in Monaco 2006 unterstellt Brawn seinem früheren Schützling im Nachhinein Kalkül. 

Brawn: Michael "wurde paranoid"

"Jeder wusste, dass Michael nicht der sauberste Fahrer war, dass er nicht besonders fair war", schreibt Brawn. "Sein Verhalten war fast nicht mehr zu verteidigen. Es war eine instinktive Reaktion von ihm, denn er hatte an jenem Wochenende das schnellste Auto und war besorgt, dass er das im Rennen nicht nutzen würde können, falls ihm jemand die Pole wegschnappen sollte."

Dass Schumacher auf der Strecke mitunter über die Stränge schlug, dafür sieht sich sein einstiger Mentor ein Stück weit mitverantwortlich. 

"Ich für meinen Teil habe es nicht geschafft, ihm diese Gelassenheit zu vermitteln. Also wurde er diesbezüglich paranoid", schreibt Brawn.

Mit Blick auf die Monaco-Aktion befindet er: "Er hat nie darüber gesprochen. Wenn er es geplant hatte, dann hatte er niemanden eingeweiht. Und er hat es lausig umgesetzt, denn wenn schon, dann hätte er das Auto richtig in die Leitplanken crashen müssen."

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