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Ross Brawn steigt nach Ecclestones Aus in die Führungsriege der Formel 1 auf © Getty Images

Ross Brawn, neues Mitglied der Führungsriege der Formel 1, betont die Bedeutung eines Rennens in Deutschland. Zudem spricht er von einem radikalen Kurswechsel.

Ross Brawn hat die Bedeutung eines Deutschland-Rennens für die Formel 1 unterstrichen. "Wir schauen uns den Fall Deutschland speziell an. Weil es ein Traditionsrennen ist. Wir wollen das Erbe der Formel 1 beschützen und erhalten. Weil es eine der Stärken dieses Sports ist", sagte der 62-Jährige dem Fachmagazin auto motor und sport.

Man könne dieses Erbe nicht abbauen, "ohne dass es der Formel 1 schadet. Und der Grand Prix von Deutschland zählt zu diesem Erbe", betonte der Brite. Das Rennen auf dem Hockenheimring in diesem Jahr war vom Motorsport-Weltrat der FIA aus dem Kalender gestrichen worden.

Ob es im kommenden Jahr wieder einen Grand Prix auf deutschem Boden geben wird, ist noch unklar. Die Betreiber des Nürburgrings hatten zuletzt ihr Interesse bekundet.

Dass der Rennkalender für die Ende März in Melbourne/Australien beginnende Saison kurzfristig noch geändert und schon dieses Jahr wieder in Deutschland gefahren wird, steht allerdings nicht zur Debatte. "Ich glaube nicht, dass es noch Änderungen gibt", sagte Brawn.

Brawn adelt Ecclestone

Darüber hinaus hat Brawn, künftig einer der starken Männer der Formel 1, den entmachteten Bernie Ecclestone in den höchsten Tönen gelobt. "Er ist eine Ikone, ein einzigartiger Charakter. Absolut unersetzlich", sagte Brawn: "Der Sport wäre ohne ihn heute nicht das, was er ist. Die Formel 1 steht tief in seiner Schuld."

Ecclestone (86) war am Montag nach mehr als 40 Jahren in der Königsklasse des Motorsports vom neuen Eigentümer Liberty Media abserviert worden.

Brawn, langjähriger Wegbegleiter von Rekordweltmeister Michael Schumacher, steht nun als Teil eines Dreigestirns neben Geschäftsführer Chase Carey und Sean Bratches (Geschäftsführer kommerzielle Angelegenheiten) an der Spitze der neuen Formel 1.

Es sei allerdings schwierig, in Ecclestones Fußstapfen zu treten. "Den Respekt müssen wir uns erst verdienen. Die Leute können nicht erwarten, dass wir Bernie kopieren. Das würde nicht funktionieren", sagte Brawn: "Es wird ein anderer Arbeitsstil werden, aber ich hoffe, er wird genauso effizient sein."

Während Ecclestone als Alleinherrscher unterwegs war, sollen die Aufgaben jetzt auf mehrere Schultern verteilt werden.

Radikaler Kurswechsel steht bevor

Brawn rechnet dabei mit einem radikalen Kurswechsel in der Formel 1. "Es ist jedem klar, dass eine Wende notwendig ist", sagte Brawn der italienischen Gazzetta dello Sport: "Wir müssen jedoch auch die Essenz der Formel 1 bewahren."

"Mit Chase Carey als Präsident und Sean Bratches werden wir kollegiale Beschlüsse ergreifen. Wir werden FIA, Teams und Organisatoren einbinden. In den letzten Jahren hat die Formel 1 wenig Reaktionsfähigkeit bewiesen", sagte Brawn.

Der Brite will einen Fünfjahresplan entwickeln und schrittweise Neuheiten einführen. "Zu schnell zu handeln, könnte kontraproduktiv sein. Wichtig ist mehr auf die Qualität als auf die Zahl der Rennen zu achten", sagte Brawn: "Wir müssen einen Kompromiss mit den Teams finden und klar machen, dass die Mitarbeiter keine übertriebene Last aushalten können."

Außerdem sollen auch die Meinungen der Fans berücksichtigt werden. "Wir wollen Lösungen prüfen, die die Rennen spannender machen können. Wir wollen aber der Versuchung widerstehen, künstlich den Wettbewerb anzustacheln", sagte Brawn: "Man muss jedoch die Konkurrenzfähigkeit unter den Teams fördern. Man braucht Geduld. Wir können nicht alles umkrempeln. Das wäre ein Fehler, denn die Formel 1 bleibt ein komplexer Sport."

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