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F1 Grand Prix of Mexico - Qualifying
Auch im Regen von Schanghai ganz cool: Max Verstappen © Getty Images

München - Youngster Max Verstappen mischt die Formel 1 auf. Sein Teamchef vergleicht den Regenkönig sogar mit Michael Schumacher. Doch im Hintergrund tobt eine Familien-Fehde.

Max Verstappen lässt sich nichts gefallen: Als Sieger Lewis Hamilton ihn nach dem Großen Preis der Formel 1 in Schanghai auf dem Podest "diesen Typ" nannte, unterbrach der Niederländer ihn sofort und beschwerte sich: "Dieser Typ, immer sagst du zu mir dieser Typ!"

Als Hamilton bei der Pressekonferenz seinem jungen Kollegen zur Wahl zum Fahrer des Tages gratulierte, fügte er beiläufig an, dass für ihn das schwieriger zu erreichen gewesen sei, da er als Führender nicht überholen konnte.

Auch diese kleine Spitze ließ Verstappen nicht auf sich sitzen und konterte sofort: "Willst du das vielleicht für deinen Sieg eintauschen?" 

"Angefühlt wie ein Videospiel"

Frech, mutig, manchmal rücksichtslos und superschnell: Der Red-Bull-Pilot raste in China von Startplatz 16 auf Rang drei nach vorne, ließ gleich in der ersten Runde neun Konkurrenten ziemlich alt aussehen.

"Es hat sich ein bisschen wie ein Videospiel angefühlt", sagte das Supertalent, das mit 25 Punkten nun hinter Vettel und Hamilton (beide 43) auf Platz drei der WM-Wertung liegt.

In China erinnerte Verstappen an seine Top-Leistung beim chaotischen Grand Prix von Brasilien 2016, als er im Regen ebenfalls begeisterte und Dritter wurde.  

Sein Teamchef Christian Horner vergleicht Verstappens Fähigkeiten im Regen sogar mit den Legenden Ayrton Senna und Michael Schumacher: "Für mich gehört er dazu. Man kann sehen, dass Brasilien kein Zufall war."

SPORT1-Experte Peter Kohl bezeichnet Verstappen in seiner Kolumne als "Regengott".

Würdiger Nachfolger für Vettel

Bei Red Bull hofft man, dass man mit Verstappen einen würdigen Nachfolger für Sebastian Vettel gefunden hat. Dieser hatte im unterlegenen Toro Rosso einst seinen ersten Formel-1-Sieg im Regen herausgeholt und 2009 auch für Red Bulls ersten Sieg gesorgt - und zwar im Regen von China.

"Das war herausragend. Die großartigen Fahrer zeigen sich immer unter nassen Bedingungen", schwärmte Horner, der auch Hamilton zu dieser Riege von Fahrern zählt. 

Horner hatte beim gemeinsamen Abendessen mit Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko sogar die Wettquoten gecheckt: "Die Chancen für ihn, auf dem Podium zu landen, standen 1:30. Schade, dass niemand gewettet hat."

Red Bull nur im Regen konkurrenzfähig

Unter normalen Bedingungen kann der Bullen-Bolide allerdings nicht einmal mit Verstappen am Steuer mit der Spitze mithalten - im Qualifying fehlen dem RB13 fast anderthalb Sekunden zur Pole Position. 

Dass der 19-Jährige dennoch am Lenkrad zu den Besten gehört, gilt im Fahrerlager als ausgemacht. "Max ist ein überaus aufregendes Element der Formel 1. Mein Traum wäre es, in den kommenden Jahren mehr Piloten von seinem Schlag zu haben", sagte Ross Brawn, der neue Sportchef der Königsklasse.

Aber natürlich ist Verstappen auch nicht frei von Fehlern. In der Mitte des Rennens trieb ihn Vettel in einen Verbremser: "Die Reifen blockierten, und ich konnte nicht einlenken. Ich weiß nicht, ob es mein bestes Rennen war. Aber es ist sicher unter den Top 5."

Schlammschlacht hinter den Kulissen

Doch während Verstappen auf der Strecke für Furore sorgt, findet im Hintergrund eine Schlammschlacht innerhalb der Familie statt. So wurde in Schanghai bekannt, dass Verstappens Großvater Frans - schon vor der öffentlich gewordenen Schlägerei von Verstappens Vater Jos in einem Beachclub - bei Red Bull vorstellig geworden war.

Frans Verstappen wollte das Team warnen, sein Sohn habe einen schlechten Einfluss auf Max. Dazu muss man wissen: Das Verhältnis zwischen Frans und Jos gilt schon lange als zerrüttet. Und der Zoff geht jetzt auch den Verantwortlichen bei Red Bull auf die Nerven.

"Es wäre gut, wenn Jos weniger in der Öffentlichkeit stünde und Max' Großvater die Öffentlichkeit nicht so aktiv suchen würde", sagte Marko.

Teenie Verstappen beeindruckt das alles aber offenbar wenig. Das Einzige, was ihm Sorgen bereitet: In der Wüste von Bahrain wird es beim nächsten Rennen vermutlich nicht regnen.

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