vergrößernverkleinern
Sebastian Vettel darf beim Saisonauftakt in Melbourne jubeln - kann das auch in China klappen? © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ iStock

München - Beim Saisonauftakt in Melbourne gelingt Sebastian Vettel ein Überraschungscoup. SPORT1 erklärt, warum der Ferrari-Pilot auch in Schanghai gute Chancen auf den Sieg hat.

Sebastian Vettel gönnte sich nur eine kurze Auszeit: Nach seinem überraschenden Auftaktsieg in Melbourne will der Ferrari-Pilot beweisen, dass dieser keine Eintagsfliege war.

Deshalb fuhr er nach einem Zwischenstopp bei seiner Familie direkt wieder zurück ins Ferrari-Werk nach Maranello und trainierte dort im Simulator für das Rennen in Schanghai (So., ab 8 Uhr im LIVETICKER).

Der Sieg in Melbourne lässt bereits alle Tifosi vom ersten Fahrertitel seit zehn Jahren träumen, doch erst in China und Bahrain wird sich zeigen, ob Ferrari in dieser Saison ein ernsthafter Konkurrent für Mercedes ist. SPORT1 erklärt, warum Vettel auch in Schanghai Rivale Lewis Hamilton abhängen könnte.

Auftaktsieg gibt Selbstbewusstsein

Nach seinem Coup in Down Under war Vettel sichtlich erleichtert. Ausgelassen stürzte sich der sonst eher ruhige 29-Jährige in die Arme seiner Mechaniker und ließ seiner Euphorie freien Lauf. "Es ist unglaublich. Das haben wir gebraucht", sagte ein sichtlich befreiter Vettel nach dem Rennen.

533 Tage hatte die stolze Scuderia auf einen Sieg warten müssen. Im vergangenen Jahr gelang den Italienern nicht ein einziger Erfolg. Doch nun ist klar: Ferrari ist zurück und kann wieder Rennen gewinnen.

Dieses Selbstbewusstsein wird dem viermaligen Weltmeister Vettel auch in Schanghai einen großen Schub geben. "Sebastian kann dieses Jahr Weltmeister werden, denn er ist mental zurück", sagte sogar sein nicht als Vettel-Fan bekannter Ex-Teamkollege Mark Webber bei Auto Bild Motorsport.

Streckenprofil Schanghai

In die Karten spielt Vettel und Ferrari auch die Strecke in China. Denn auf dem Schanghai International Circuit stehen die Reifen im Fokus. Bereits in Melbourne profitierte Vettel davon, dass seine Reifen länger hielten und er so später als Hamilton einen Boxenstopp einlegen musste.

Der Kurs in Schanghai zeichnet sich durch langgezogene Kurven aus, in denen die Reifen besonders gefordert werden.

In Melbourne hatte speziell Mercedes mit den Reifen große Probleme, und es ist fraglich, ob diese so schnell gelöst werden konnten. Auch bei den Testfahrten in Barcelona glänzte Ferrari im Vergleich zu den Silberpfeilen in den schnellen Kurven.

Hamilton beschäftigt sich mit anderen Dingen

Statt wie Vettel bei seiner Familie Kraft zu tanken, gönnte sich Hamilton eine Auszeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten beim Sandboarden. Dort filmte der Mercedes-Fahrer sich bei waghalsigen Manövern im Sand und gab so Kritikern, die Hamiltons mangelnde Fokussierung auf die Formel 1 bemängeln, neues Futter.

Auch seine Saisonvorbereitung war von Ablenkungen geprägt. "Ich war nicht oft zu Hause. Ich habe mich amüsiert. Die Leute verurteilen mich aufgrund der Dinge, die sie sehen. Aber ich bin beim ersten Rennen genauso fit gewesen wie im Vorjahr", verteidigte sich Hamilton.

Dabei scheint der Brite allerdings zu vergessen, dass der WM-Titel 2016 vor allem wegen des schwachen Saisonbeginns verloren ging. Erst im sechsten Rennen fuhr der 32-Jährige - auch von technischen Problemen gehandicapt - seinen ersten Sieg ein und machte zuvor vor allem durch sein Jetset-Leben Schlagzeilen.

Es kommt wieder mehr auf den Fahrer an

Dass Ferrari im Rennen mit den Silberpfeilen derzeit wieder mithalten kann, ist ein klarer Verdienst von Vettel. Ohne seine fahrerische Klasse wären die Roten auch in Melbourne den Silberpfeilen unterlegen gewesen.

Doch durch das neue Formel-1-Reglement rückt das Können der Fahrer wieder mehr in den Mittelpunkt - wie es bereits in Australien der Fall war. So war Vettel sowohl im Qualifiying als auch im Rennen klar schneller als Teamkollege Kimi Räikkönen.

"Du hast jetzt vielleicht eine halbe Zehntelsekunde, um zu reagieren", sagte Fernando Alonso der Autosport zum Fahrverhalten der neuen Boliden, wenn das Heck ausbricht. "Im vergangenen Jahr hattest du dafür vier Sekunden – in der Kurve konntest du im Auto Kaffee trinken."

Auch auf der anspruchsvollen Strecke in Schanghai werden die Fahrer wenig Zeit zum Reagieren haben - was erneut ein Vorteil für Vettel sein könnte.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel