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Mit einer Tunneldurchfahrt hätte der Stadtkurs spektakulär werden sollen
Mit einer Tunneldurchfahrt hätte der Stadtkurs spektakulär werden sollen © IndyCar

Finanzierungsprobleme sorgen für Absage des ersten Boston-Grands-Prix - offener Streit zwischen Organisatoren und Stadt ausgebrochen - Ersatz unklar

Der IndyCar-Grand-Prix von Boston 2016 ist abgesagt. Am 4. September - rund um das Labor-Day-Wochenende in den USA - hätte zum ersten Mal ein Rennen auf einem 3,5 Kilometer langen Stadtkurs in der US-Ostküsten-Metropole stattfinden sollen. Im IndyCar-Rennkalender war das Event als Vorletztes von insgesamt 16 Rennen in der aktuellen Saison vorgesehen. Finanzierungs-Streitigkeiten zwischen den lokalen Organisatoren und der Stadtverwaltung von Boston haben nun aber zur Absage geführt. Ob es einen Ersatzort - und damit weiterhin 16 Rennen in der IndyCar-Saison 2016 - geben wird, ist noch nicht klar.

Die Veranstalter des Boston-Grands-Prix zeigen sich in einer ersten Stellungnahme tief enttäuscht: "Uns wurden weitere Kosten bezüglich unseres Kredits und neue Forderungen aufgebrummt, die uns keine andere Möglichkeit lassen, das Rennen abzusagen und uns stattdessen nach anderen Möglichkeiten umzusehen", so John Casey, der Präsident des Boston-Grands-Prix.

In klaren Worten bekennt er: "Aufgrund der neuen Forderungen ist die Veranstaltung wirtschaftlich nicht überlebensfähig - und das, obwohl wir zahlungskräftige Partner gefunden haben und der Kartenverkauf bisher exzellent lief." Besonders für das rund 50-köpfige Organisationsteam und die vielen Helfer im Hintergrund sei die Entscheidung ein Tiefschlag. Hinter den Kulissen hat längst ein Hauen und Stechen um die Verantwortung für die Absage begonnen.

Zoff zwischen Organisatoren und Verantwortlichen bei der Stadt

In der lokalen Tageszeitung 'Boston Globe' wird Casey noch deutlicher und schimpft: "Die Partnerschaft zwischen uns und der Stadt funktioniert nicht. Sie ist unerträglich... Ich könnte ein Buch darüber schreiben. Es ist lächerlich". Die Verwaltung der siebtgrößten Stadt der USA weist indes alle Verantwortung von sich und bezeichnet die Veranstalter als "unorganisiert und außer Stande, ein Event dieser Größe" zu regeln. "Sie haben es abgesagt und das ist okay für uns. Am Labor-Day-Wochenende wird auch sonst viel Tolles in Boston geboten sein", gibt sich ein Sprecher der Stadtverwaltung betont lakonisch.

Die IndyCar-Premiere auf einem neuen Stadtkurs im Seaport District, dem Hafengebiet der Metropole, war von Anfang an ein umstrittenes Thema in der Stadt im Bundesstaat Massachusetts. Es hatte sich sogar eine Initiative mit dem Namen "Coalition Against IndyCar in Boston" gegründet, die das Rennen mit aller Macht verhindern wollte. "Wir sind dankbar, dass die öffentliche Meinungsbildung zu dieser Entscheidung geführt hat. Seaport war von Beginn an der falsche Ort für solch eine Veranstaltung", so Larry Bishoff, der stellvertretende Vorsitzende der Boston-Grand-Prix-Gegner.

Die Veranstalter der IndyCar-Serie bringt die Absage in die Bredouille. Wie schon im vergangenen Jahr, als das Auftaktrennen der Saison 2015 in Brasilia nicht stattfinden konnte, fliegt erneut kurzfristig ein Rennwochenende aus dem Kalender. "Wir sind natürlich enttäuscht. Es ist früh, um irgendetwas zu kommentieren oder Spekulationen über ein Ersatzrennen anzustellen", heißt es in einem offiziellen Statement der Serienverantwortlichen. Ein Straßenrennen im bevölkerungsreichen Nordosten der USA am Labor-Day-Wochenende würde der Serie eine große Aufmerksamkeit am Ende der Saison garantieren. Ob es dazu kommt, erscheint aktuell jedoch sehr unwahrscheinlich.

© Motorsport-Total.com

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