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Alexander Rossi überquerte die Ziellinie mit den letzten Tropfen Benzin im Tank
Alexander Rossi überquerte die Ziellinie mit den letzten Tropfen Benzin im Tank © LAT

Alexander Rossi "spart" sich zum Sieg in Indianapolis, während seine Konkurrenten auf die falsche Strategie setzen - Wie konnte der Rookie alle austricksen?

"Ich habe keine Ahnung, wie wir das geschafft haben", lacht Alexander Rossi nach dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere. So ging es am Sonntagabend wohl auch vielen Fans, die Rossis Sieg bei der 100. Auflage der 500 Meilen von Indianapolis miterlebten. Während der Rookie am Ende des Rennens einen 36-Runden-Stint absolvierte, mussten seine Konkurrenten in der Schlussphase noch einmal zum Boxenstopp kommen - und ermöglichten Rossi damit den Sensationssieg.

Schlussszene des Rennens war die 164. der insgesamt 200 Runden auf dem Indianapolis Motor Speedway. Während der sechsten und letzten Caution des Rennens steuerten neben Rossi unter anderem auch Carlos Munoz, Josef Newgarden und Tony Kanaan, die das Rennen letztendlich auf den Rängen zwei bis vier beendeten, die Box an. 36 Runden waren zu diesem Zeitpunkt noch zu fahren.

Das Problem: Eigentlich sollten mit einem vollgetankten Auto maximal 32 Runden auf dem Brickyard möglich sein. Das stellte Rossi und Co. vor eine Entscheidung: Die letzten 36 Runden mit Vollgas angehen, und auf eine weitere Gelbphase hoffen, oder Sprit sparen. Von den Top 4 entschied sich allerdings lediglich der Rookie für letztere Option, seine drei Konkurrenten pushten in der Schlussphase.

Perfekt kalkuliert

Die "unglaubliche Strategie", wie Rossi sie selbst bezeichnet, hat der US-Amerikaner in erster Linie seinem Boss Bryan Herta zu verdanken. "Alex hat genau das gemacht, worum wir ihn gebeten haben", berichtet Herta, der 2011 bereits mit Dan Wheldon beim Indy 500 triumphierte. Sein Meisterstück gelang ihm aber nun mit Rossi. "Es ist eine Sache, einen Plan zu haben, aber eine andere, ihn auch so ausführen wie wir", erklärt er.

"Ich kann gar nicht genug betonen, wie schwer es für Alex war, Benzin zu sparen, und trotzdem mit seinen Gegner mitzuhalten", so Herta. In den letzten zehn Runden des Rennens kamen Rossis Konkurrenten, die zu diesem Zeitpunkt auf der Strecke vor ihm lagen, dann einer nach dem anderen ein weiteres Mal an die Box. Kanaan machte in Runde 192 den Anfang, es folgten Newgarden (195) und Munoz (196).

"Ich habe versucht, eine Runde nach der anderen anzugehen, denn die emotionale Achterbahn bei diesem Rennen ist unglaublich", berichtet Rossi anschließend. Zwar hatte der ehemalige Formel-1-Pilot einen großen Vorsprung, nachdem all seine Gegner an der Box waren, doch vor allem in der letzten Runde hatte er nur noch so wenig Sprit im Tank, dass sein Speed nicht einmal mehr ansatzweise konkurrenzfähig war.

Den letzten Umlauf absolvierte er mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 179,784 Meilen pro Stunde. Munoz war fast 40 Meilen schneller, doch die Lücke konnte er nicht mehr schließen. Mit 4,498 Sekunden Vorsprung und den letzten Tropfen Benzin rettete sich Rossi irgendwie über die Ziellinie. "Nach Kurve 4 hat es ziemlich geholpert", berichtet Rossi im Hinblick auf seinen komplett leeren Tank am Ende der letzten Runde.

Rossi rettet Andrettis Tag

"Ich habe mich einfach darauf konzentriert, den besten Job zu machen. Bryan hat am Funk eine sehr beruhigende Stimme", verrät der Indy-Sieger, der sich über ein "unglaubliches Ergebnis für Andretti" freut. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, dass das Andretti-Team an diesem Sonntag einen Grund zum Feiern haben würde, nachdem Townsend Bell Ryan Hunter-Reay in der Boxengasse abgeräumt hatte.

"Wir dachten, dass Ryan und Townsend die Jungs sind, die es zu schlagen gilt. Aber leider hatten sie ihr Problem an der Box", sagt Michael Andretti und verrät: "Ich wusste, dass Alex es versuchen würde (bis zum Ende zu fahren; Anm. d. Red.). Also entschieden wir uns, auf verschiedene Strategien zu setzen. Es hat funktioniert und wir hatten zwei Autos mit zwei verschiedenen Strategien, die Chancen auf den Sieg hatten."

Für Andretti war es nach den Erfolgen von Wheldon (2005), Dario Franchitti (2007) und Hunter-Reay (2014) der vierte Erfolg in Indianapolis. "Ich bin nicht überrascht, aber es ist trotzdem großartig, dass ein Rookie dieses Rennen gewinnt", erklärt Andretti, der Rossi einen "großartigen Job" bescheinigt. Munoz machte das Teamergebnis mit Platz zwei perfekt, auch wenn der Kolumbianer nach seiner knappen Niederlage ziemlich geknickt war.

Rossi, der erst als Zehnter Rookie überhaupt das Indy 500 gewinnen konnte, ist sich nach seinem Erfolg derweil sicher: "Es wird ganz sicher mein Leben verändern!" Übrigens: Der ehemalige Formel-1-Pilot war nicht der einzige Spritsparer im Feld. Charlie Kimball, der das Rennen auf Platz fünf beendete, fuhr am Ende ebenfalls 36 Runden durch. Gleiches gilt für Will Power, der am Ende Rang zehn belegte. Wirklich perfekt führten die Strategie an diesem Tag allerdings lediglich Rossi und seine Truppe aus.

© Motorsport-Total.com

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