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Will Power ist über die aktuelle Gelbphasen-Regelung alles andere als begeistert
Will Power ist über die aktuelle Gelbphasen-Regelung alles andere als begeistert © LAT

Will Power möchte, dass IndyCar das virtuelle Safety-Car aus der Formel 1 übernimmt - Jetzige Regeln kommen seines Erachtens einer Lotterie gleich

Will Power, seines Zeichens Meister von 2014, setzt sich für ein neues System beim Gelbphasen bei den IndyCars ein: Er hält den derzeitigen Modus, bei dem die Fahrer erst an die Box kommen dürfen, wenn sich das gesamte Feld hinter dem Safety-Car versammelt hat, für unfair. Mehr als nur einmal ist es in den vergangenen Jahren vorgekommen, dass Fahrer gewonnen haben, die bei normalem Rennverlauf keine Chance auf den Sieg gehabt hätten. Sie kamen zufällig genau vor der Caution an die Box.

Jüngst griff Helio Castroneves in Detroit ins Klo: Seine Boxencrew ließ ihn noch eine Runde fahren, während hinter ihm das halbe Feld seinen letzten Boxenstopp absolvierte. Just in dieser einen Runde blieb Jack Hawksworth stehen - Gelbphase. Castroneves durfte nicht an die Box kommen und musste warten, bis alle, die bereits gestoppt hatten, sich hinter ihm versammelten. Erst dann durfte er an die Box und fiel bis auf Platz 16 zurück. Er wurde letztlich 14. Ohne Gelbphase hätte er das Rennen wohl gewonnen.

Auf der anderen Seite können Fahrer vom Ende des Feldes ein Risiko eingehen und vor Öffnung des Spritfensters für den letzten Stint zum letzten Stopp reinkommen. Fällt in die Zeit direkt nach dem Stopp eine Gelbphase, kann ein Fahrer so alle Positionen gewinnen, sofern er nicht aus der Führungsrunde hinausfällt. Durch die langsamen Runden geht dann auch die Spritrechnung wieder auf. Auf diese gewann beispielsweise Scott Dixon in Mid Ohio 2014, als er zuvor ganz ans Ende des Feldes zurückgefallen war. Der Zufall half ihm bei der bewusst gewählten Strategie des Ganassi-Teams.

Ist ein VSC die Lösung?

Zwar sorgt die Maßnahme für Abwechslung in den Siegerlisten, ist sportlich aber fragwürdig. 2015 führte eine Gelbphase sogar die Meisterschaftsentscheidung herbei, als Juan Pablo Montoya und Will Power von der Spitze ins Mittelfeld zurückfielen, weil sie noch nicht gestoppt hatten. Der Rest ist bekannt: Im Mittelfeld-Trubel schoss Montoya Power raus, zerstörte sich den Flügel und verlor die Meisterschaft an Scott Dixon. Die doppelten Punkte haben in Kombination mit der Gelbphase Montoya um einen sicheren Titel gebracht.

Will Power, der als Spitzenfahrer öfter Opfer als Profiteur dieser Regelung war, redet sich den Frust von der Seele: "Das ist zum Teil wirklich frustrierend. Ich habe mehr Pole-Positions geholt als alle anderen und mehr Runden geführt. Es ist unglaublich, wie diese Gelbphasen einen einfach aus dem Rennen werfen können. Das ist halt IndyCar Racing." Schon mehrere Male wurde Power durch Gelbphasen um den Sieg gebracht. Obwohl er als das Maß der Dinge auf Straßen- und Rundkursen gilt, hatte er über ein Jahr lang kein Rennen gewonnen, im selben Zeitraum aber fünf Mal die Pole-Position geholt.

"Wir haben viel darüber gesprochen", so der Australier weiter. "Als Beaux Barfield Renndirektor war, waren die Boxen offen. Das Problem war dann nur, dass alle so schnell wie möglich an die Box gefahren sind und dabei auch an Gefahrenstellen kaum verzögert haben. Aber man schaue sich die Formel 1 an, da gibt es dieses virtuelle Safety-Car. Das können wir auch machen. Wir können jeden auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) abbremsen und dann an die Box gehen, während jeder im Limiter fährt. Das ist einfach und macht es sicherer. Außerdem ist es dann keine Lotterie mehr."

Wofür will IndyCar stehen?

Sebastien Bourdais stößt in ein ähnliches Horn. "So wie es jetzt ist, ist es für die Spitzenreiter eine Katastrophe", sagt der Franzose, der seinen Detroit-Sieg gleichfalls durch eine clevere Strategie geholt hat, gegenüber 'Racer'. "Es wird immer jemand von hinten ein Risiko eingehen. Deshalb muss man sagen, dass das Rennen niemals ganz ehrlich ist. Aber es ist schön für die Zuschauer, wenn es Überraschungen gibt. Es ist eine bessere Show und unvorhersehbar, wenn es Überraschungssieger gibt, die von hinten kommen."

Man habe seit dem Abschied von Derrick Walker als Sportchef zu Beginn der Saison 2015 nicht mehr viel darüber geredet, so der viermalige Champ-Car-Meister weiter. "Ein virtuelles Safety-Car würde alles verändern. Die Spitzenreiter würden nicht mehr an der Nase herumgeführt werden und die Reihenfolge wird nicht mehr auf den Kopf gestellt; die Führenden bleiben in Führung. Ich weiß nicht, was die Organisation davon hält." Aus diesem Grunde wirbt er dafür, erst einmal weitere Stimmen einzuholen, bevor eine vorschnelle Entscheidung getroffen wird.

Doch auch das virtuelle Safety-Car behebt nicht alle Probleme: Erfahrungen in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) haben gezeigt, dass ein Boxenstopp unter VSC-Bedingungen äußerst vorteilhaft ist. Wenn die Fahrzeuge nur mit geringer Geschwindigkeit fahren, können sie auf das Auto, das an der Box abgefertigt wird, anteilsmäßig viel weniger Boden gutmachen als bei vollem Renntempo. Dann wären wiederum all diejenigen Fahrer gekniffen, die vor dem VSC unter grün an die Box gekommen sind. Als sicher dürfte auch gelten, dass ein virtuelles Safety-Car nur auf Straßen- und Rundkursen zum Einsatz käme, sollte sich der Vorschlag durchsetzen.

© Motorsport-Total.com

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