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Montoya war mit der Personalpolitik von Chip Ganassi nicht zufrieden
Montoya war mit der Personalpolitik von Chip Ganassi nicht zufrieden © LAT

Eine unstete Personalpolitik ist laut Montoya Schuld am ausbleibenden Erfolg des NASCAR-Teams von Ganassi: Bei Penske herrscht familiäre Atmosphäre

Juan Pablo Montoya ging im vergangenen Jahrzehnt in den USA für zwei der bekanntesten Motorsportteams an den Start. Von 2006 bis 2013 fuhr er für das Team von Chip Ganassi im NASCAR-Sprint-Cup, seit Anfang 2014 fährt er für Penske in der IndyCar-Serie. Während er in der NASCAR-Serie über einzelne Achtungserfolge nicht hinaus kaum, gehört er nach seinem Wechsel in die IndyCar-Serie konstant zu den Spitzenfahrern.

Und das liegt für Montoya nicht nur am Umstieg vom Stockar ins Formelauto, sondern vor allem auch an der Führung der beiden Teams durch ihre Chefs. Im Vergleich sei Ganassi da hinter Penske "ein gutes Stück zurück. Ist das höflich genug ausgedrückt?", meint der Kolumbianer. Den fehlenden dauerhaften Erfolg des NASCAR-Teams von Ganassi, für das Montoya in sieben Saisons nur zwei Rennen gewinnen konnten, führt vor allem auf die unstete Personalpolitik von Teamchef Chip Ganassi zurück.

"Jedesmal, wenn sie einen guten Mann haben, schmeißen sie ihn raus", sagt Montoya. Dadurch würden nachhaltige Fortschritte vereitelt. "Als ich ins NASCAR-Programm von Ganassi eingestiegen bin, wusste ich, dass sie Rückstand haben. Auch Chip wusste das", sagt Montoya. "Wir haben es aufgebaut, sind in den Chase gekommen und nachdem wir im Chase waren, haben sie Brian (Pattie, Crewchief; Anm. d. Red.) gefeuert. Dabei war er für mich der Schlüssel, warum wir in den Chase gekommen sind."

"Hire-and-fire"-Mentalität bei Ganassi

Nachdem Montoya die Sprint-Cup-Saison 2009 auf Gesamtrang acht abgeschlossen hatte, folgte in der darauffolgenden Saison der Absturz auf Platz 17. Ab 2011 kam Montoya mit Ganassi nicht mehr unter die Top 20 der Gesamtwertung. "Sie wechseln ständig Leute aus, und das macht es so schwierig. Es gibt keine Kontinuität", kritisiert Montoya die aus seiner Sicht zu hohe Personalfluktuation bei Ganassi.

Penske ist hingegen ist nicht nur in der IndyCar-Serie, sondern auch im NASCAR-Zirkus ein Spitzenteam, was für Montoya vor allem an der Persönlichkeit von Teambesitzer Roger Penske liege. Er mache den entscheidenden Unterschied. "Bei ihm geht es um die Menschen und darum, was sie brauchen, um ihre beste Leistung zu bringen. Roger und sein Team wissen, wie man das Beste aus den Leuten herausholt", sagt Montoya. "Er sorgt dafür, dass wir uns als Fahrer wohlfühlen und gibt uns die Werkzeuge, mit denen wir gewinnen können."

Für Montoya ist der Unternehmer ein Vorbild - auch, weil er trotz seiner 79 Jahre weiterhin sehr vital ist. "Er hat trotz seines Alters mehr Energie als alle hier am Tisch", meint Montoya. Auch zeige er echtes Interesse für seine Angestellten. "Er kennt jeden beim Namen, weiß über die Familie und die Hintergründe bescheid. Für ihn zu arbeiten macht wirklich Spaß."

Roger Penskes Fleiß wirkt ansteckend

Auch in Sachen Fließ sei Roger Penske für seine Mitarbeiter ein Vorbild. "Er ist jemand, der Montagmorgen aufwacht, ins Flugzeug steigt, in England frühstückt, in Deutschland zu mittag isst, zum Abendessen in Italien ist, dann an für ein Treffen und ein Abendessen an die Westküste von Australien fliegt und von dort direkt zu einem IndyCar-Rennen kommt", sagt Montoya. "Er ist unglaublich."

Und dieser Fließ wirkt offenbar ansteckend und hat selbst Montoya motiviert, der in seiner Zeit in der Formel 1 nicht gerade als akribischer Arbeiter galt. "Ich habe in Indy viel mehr Zeit mit meinen Ingenieuren oder in meinem Bus verbracht. Oder ich bin abends bei meinen Mechanikern geblieben, bis alles erledigt ist. Manchmal saß ich bis halb zehn abends bei ihnen, während sie gearbeitet haben", so Montoya. Dieser Teamgeist sei bei Penske ein Schlüssel zum Erfolg. "Das ist eine tolle Truppe. Sie würden für mich durchs Feuer gehen und ich auch für sie."

© Motorsport-Total.com

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